10.04.2014 · smart steuern ·

Kosten für den Treppenlift steuerlich absetzbar?

Viele ältere Menschen haben Probleme, die Treppen im eigenen Haus zu bewältigen. Ein so genannter Treppenlift ist eine Lösung – leider jedoch sehr teuer. Es stellt sich somit die Frage, ob diese Kosten wenigstens steuerlich geltend gemacht werden können.

Nach dem Einkommensteuergesetz wird die Einkommensteuer ermäßigt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen entstehen als der überwiegenden Mehrzahl von vergleichbaren anderen Steuerpflichtigen. Hierzu zählen nach ständiger Rechtsprechung auch Krankheitskosten. Deren „Zwangsläufigkeit“ muss allerdings nachgewiesen werden –  zum Beispiel durch ein amtsärztliches Attest.

Finanzamt erkennt Kosten nicht an
In einem aktuellen Streitfall ließ sich ein älterer Mann wegen seiner Gehbehinderung einen Treppenlift in sein Haus einbauen. Die hierfür entstandenen Aufwendungen von ca. 18.000 Euro ließ das Finanzamt jedoch in der Einkommensteuererklärung nicht als außergewöhnliche Belastung zu. Auch vor dem Finanzgericht hatte der Mann keinen Erfolg. Die Richter meinten, er hätte vor dem Einbau des Treppenlifts ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung einholen müssen.

Auf den Einzelfall kommt es an

Der BFH sah dies nun anders (VI R 61/12). Die Zwangsläufigkeit und damit die medizinische Notwendigkeit von Aufwendungen für den Einbau eines solchen Hilfsmittels seien gerade nicht formalisiert nachzuweisen. Im zweiten Rechtsgang muss das Finanzgericht nun die erforderlichen Feststellungen zur medizinischen Notwendigkeit für die Maßnahme nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung treffen, beispielsweise durch die Einholung eines Sachverständigengutachtens.

Franziska Zachert Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Bella sagt:

    Leider sieht die Situation hier immer noch sehr schlecht aus für Bürger – wer seinen Treppenlift anerkannt werden will, muss oftmals einige Mühen auf sich nehmen und da überlegen sich nicht wenige Leute zwei Mal, ob sie das denn nun tun sollen oder nicht.

    Aber der Staat wird hier noch was tun MÜSSEN, da bin ich mir sicher. Stichwort demographischer Wandel…

  • Avatar Thomas sagt:

    So wie ich das verstanden habe und auch in meinem Umkreis mitbekommen habe, kommt es bei der Anerkennung durch das Finanzamt auf Einzelentscheidungen an. Eine klare Regelmäßigkeit kann ich nicht erkennen. Wäre schön, wenn das bald mal endgültig entschieden würde.

  • Avatar Michael sagt:

    Der Artikel ist ja nun schon etwas älter,…

    Hat sich mittlerweile etwas getan und zum Guten verändert? Das wäre durchaus interessant zu wissen.

    @Bella: Exakt, das Stichwort trifft es auf den Punkt! Da wird noch einiges passieren müssen…

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Es gibt leider noch kein neues Urteil, an welches die Finanzämter gebunden sind.

  • Avatar Michael sagt:

    Danke für die Antwort!
    Das ist sehr schade! Dann wollen wir mal hoffen, dass sich da bald was tut!

  • Avatar Beathe sagt:

    Gibt es immer noch keine Neuigkeiten? Der Artikel ist ja schon fast 3 Jahre alt?

    Beathe

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Beate,
    wenn der Treppenlift medizinisch notwendig ist, dann können die Kosten als außergewöhnliche Belastungen anerkannt werden.
    Die Notwendigkeit kann zB mit einer Bescheinigung vom Arzt nachgewiesen werden.

  • Avatar Sophie G sagt:

    Danke für diesen Beitrag! Meine Eltern wohnen in einem wunderschönen alten Haus, wo es leider sehr viele Treppen gibt. Wir haben schon seit ein Paar Jahren überlegt, da einen Treppenlift bauen zu lassen. Alle Tipps sind hilfreich!
    LG Sophie

  • Avatar Christina sagt:

    Hallo Frau Bunte

    Super Beitrag, vielen Dank. Man findet generell nicht viele Informationen zu dem Thema. Sehr gut zu wissen, dass man auf jeden Fall VOR DEM EINBAU die Notwendigkeit ärztlich bescheinigen lassen muss!

    LG Christina


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