08.07.2014 · smart arbeiten ·

Loriots Spätlese: Möpse, Nachtschattengewächse und Große Deutsche

Noch bis zum 14. September präsentiert das Hannoveraner Wilhelm-Busch-Museum eine Ausstellung mit Werken Loriots. Neben Werken aus der Frühzeit des Zeichners erlaubt sie auch einen Einblick in die letzten Werke Vicco von Bülows.

Folgt man dem Rundgang in der vorgegebenen Richtung, dann zeigen die großartig erhaltenen Originalzeichnungen in aller Deutlichkeit, dass sich auch gimageroße Karikaturisten die Anerkennung hart erarbeiten müssen. Finden sich doch gleich zu Beginn des Rundgangs durch seine Werke gleich diverse Ablehnungsschreiben großer und kleiner Redaktionen – sein Humor war durchaus nicht jedermanns Sache. Neben diesen – teils wirklich köstlichen – Frühwerken aus den 50er Jahren gibt es auch ein Wiedersehen mit der wahrscheinlich besten Tabak-Werbung aller Zeiten: Loriots Trickfilme zum Slogan „Drei Dinge braucht der Mann…“ sind einfach klasse.

Bisher noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen: Loriots „Nachtschattengewächse“, kleine Zeichnungen und Gemälde auf Notizblättern, die der chronisch schlaflose Zeichner in seinen letzten Jahren des nachts anfertigte. Mal verstörend, mal nachdenklich machend zeigen sie eine bisher eher unbekannte Seite Vicco von Bülows.

Über die Jahre bat Loriot seine liebsten Gäste in eine speziell hergerichtete Ecke seines Hauses. Vor immer gleicher Kulisse inszenierten sich seine Gäste selbst – und wurden fotografiert. Die Portraits sind durchweg amüsant und erhellend  (mal steht einer seiner Freunde in Unterhose vor der Kamera, mal steht jemand Kopf).  Wer selbst Teil der Ausstellung werden möchte, der kann sich im Rahmen der Ausstellung ebenfalls in Positur bringen. Passende Requisiten (etwa die berühmte Plastikente) stehen bereit.

Berührend sind die vielen kleinen Zeichnungen, die Loriot seiner Frau und seinen Kindern gewidmet hat. Der Mann konnte durchaus nicht nur witzig sein. Obwohl: So ganz ohne Humor ging es wohl nie. So finden sich seine berühmten Knollennasen beispielsweise auch in einer Art Ahnengalerie großer Deutscher. Goethe, Nietzsche und sogar der GröFaZ als Knollenmännchen: einfach super!

Wer genug Zeit mitbringt, dem sei auch ein (rund 20 Minuten währendes) Interview aus den 80er Jahren zu empfehlen, das man sich per Kopfhörer zu Gemüte führen kann. Dabei lässt sich Loriot über das deutsche Bildungssystem an sich, die Sinnlosigkeit des mathematischen Dreisatzes als Sockel des Bildungsbürgertums, kulturelle Werte und den Sinn bzw. Unsinn neuer Medien aus: erstaunlich zeitlos und faszinierend geistreich. Und ganz nebenbei erfährt der Besucher, was für eine irre Geschichte sich um den Obelisken rankt, der 1586 auf dem römischen Petersplatz aufgestellt wurde: sehr hörenswert!

Viele wissen, dass Loriot eine tiefe Zuneigung zu Möpsen hatte. So ist sein Spruch „Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos.“ längst zum geflügelten Wort geworden. Die „possierlichen Tierchen“ finden sich in vielen Bereichen der Ausstellung, aber: Es scheint, als fühlte der Zeichner sich besonders zum Ende seines Lebens hin zu ihnen hingezogen. Nun ja. ;o)

Ich kann die Ausstellung nur empfehlen. Für Loriot-Fans ist die Ausstellung ganz sicher ein Fest. Für alle anderen: Im Museumscafé gibt es fabelhaften Kuchen.

Infos: http://www.karikatur-museum.de/Loriot.spaetlese.html

 

P.S.: Über Loriots Einstellung zur Steuererklärung gibt die Ausstellung keinen Aufschluss, seine filmische Aufarbeitung zur Verlängerung der Postleitzahl auf fünf Stellen (und der Bezug zu einer deutschen Leberwurst) ist dagegen ebenfalls eine echte Augenweide.

 

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