05.08.2014 · smart leben ·

Das WLAN – (un)endliche Weiten

Das Single-Leben hat unbestreitbar seine Vorteile. Man(n) ist alleiniger Herr über alle Fernbedienungen, hört endlich wieder die guten alten Platten in angemessener Lautstärke, frönt der Vorliebe für ungarische Paprikachips ohne störende Kommentare („Möchtest Du, dass ich Dir den Rettich in Scheiben schneide?“), trägt die lieb gewonnenen Socken, bis sie von selbst in den ausgelatschten Turnschuhen hängenbleiben und pflegt lang vernachlässigte soziale Kontakte („Mama, kannst Du mir ein paar Hemden bügeln?“).

Auch in Sachen Internet hat ein Single entscheidende Vorteile: Niemand stört den entschlossenen Durchmarsch im wohnungseigenen WLAN. Genau das ändert sich, wenn man dann doch wieder mit einer neuen Herzensdame zusammenzieht. Vor allem, wenn sie halbwüchsige Nachkömmlinge im Gepäck hat, die den Datenstrom via Youtube, Spotify, Skype, Online-Spielen wie Minecraft und Co und einem erstaunlichem Engagement in diversen sozialen Netzwerken so dermaßen in Beschlag nehmen, dass selbst das Versenden vereinzelter E-Mails („Mama, sind die Hemden fertig?“) zur Herausforderung wird.

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Ganz schlimm wird’s, wenn sich das Schlachtfeld um den ungebremsten Zugang zum WWW in einem Altbau befindet, dessen Wände so massiv sind, dass sich die Bits und Bytes beim Versuch über den Flur zu huschen ohnehin die Nase eindellen und schleunigst wieder in Richtung Router zurückziehen. Statt der üblichen Familien-Diskussionen („Wann gibt’s Essen?“ „Wo sind meine Turnschuhe?“) schallen dann nur noch die verzweifelten Rufe ausgebremster Internet-Junkies über den Flur: „Ich komme schon wieder nicht ins Netz!“ oder „Lädst Du gerade einen Film runter???“.

So ging es mir, als ich Ende 2013 nach Hannover zog, mich in einer schönen Altbau-Wohnung wiederfand und mich ins WLAN einloggte. Beziehungsweise: versuchte, mich einzuloggen. Wahrscheinlich hatten mein Laptop und das Smartphone das WLAN-Fass zum Überlaufen gebracht: Nichts ging mehr. Eine mehrwöchige Krisenzeit begann.

Erste Gespräche mit dem Provider verliefen fruchtlos. Das Signal kam in voller Stärke in der Wohnung an. Vielleicht reichte die Bandbreite nicht aus? Klang logisch. Der freundliche Provider durfte sich über eine Vertragsänderung freuen, mit der die Übertragungsgeschwindigkeit (und die monatliche Gebühr) aufs Maximum geschraubt wurde. An den Verbindungsproblemen innerhalb des Altbaus änderte sich nichts. Gar nichts.

Als nächstes wurde der abgegriffene alte Router unbestimmter Herkunft durch ein nagelneues Markengerät ersetzt. Dessen Dioden leuchteten mit den Augen der Familie um die Wette, aber: Das WLAN war nach der ersten Wand nur noch zu erahnen. Intensivste Google-Nachforschungen brachten mir immerhin eine Erkenntnis: Ich war mit meinem Problem nicht allein. Der Hersteller hatte selbstverständlich tausendundeinen tollen Tipp parat. Also wühlte ich mich durch die Systemeinstellungen unserer Hardware, setzte Häkchen, wo nie zuvor ein Mensch gewesen war und hangelte mich von einer enttäuschten Hoffnung zur nächsten.

Nächster Schritt: ein Repeater. Das pfiffige kleine Plastikding fängt die Signale vom Router auf und sendet sie weiter, soll so auch in etwas größerer Entfernung vom Router für besten Empfang sorgen. Der Repeater erzeugt dabei selbst auch wieder ein Netz und soll so die WLAN-Todeszonen alter Vorkriegsbauten überbrücken. Stolz frickelte ich mich durch die Softwareeinstellungen, verband mich bzw. meine Geräte mit dem Repeater-WLAN und atmete tief durch. Das sollte es gewesen sein. Das sah der Rest der Familie zunächst genauso.

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Aber wahrscheinlich gab es zu der Zeit gerade keine guten Filme zum Download, der Sohn hatte seine Kumpels auf Facebook blockiert oder die Tochter war so mit neuen Liebschaften beschäftigt, dass sogar die neuen Songs von Miley Cyrus und ähnlichen Pop-Aliens digitalen Staub auf dem Spotify-Server ansetzten. Nach einigen Tagen wurde klar: Der Repeater brachte es nicht. Höchstens Sonntagvormittags, wenn alle noch schliefen.

Erstaunlicherweise nutzte es manchmal etwas, den Router einfach vom Netz zu trennen, sich ein paar Gedanken über den Weltfrieden zu machen und ihn dann wieder einzustöpseln. Router und Repeater sind ja auch nur Menschen und wahrscheinlich waren sie einfach geschockt, wenn ihnen unvermittelt der Saft abgedreht wurde. Prompt gaben sie kurzzeitig richtig Gas. Dann pendelte es sich langsam wieder auf das gewohnte Frust-Maß ein. Was also tun?

Letzter Versuch: die Investition in sogenannte Stromleitungs-Netzwerkadapter. Damit wird das WLAN über die wohnungseigene Stromleitung von Steckdose zu Steckdose geschickt. Das klang ein wenig nach Science Fiction, aber irgendwann wird auch so ein Strohhalm zum Baumstamm. Ich installierte also einen Adapter nahe dem Router und verband die beiden Teile mit dem mitgelieferten LAN-Kabel. Dann ging ich, noch immer voller Zweifel, in die hinterste Ecke der Wohnung, propfte einer ahnungslosen Steckdose den zweiten Adapter auf, installierte das dazugehörige Progrämmchen und kontrollierte das Signal.

Ich konnte es kaum glauben: Der Ausschlag war gigantisch. Ich hatte fast den Eindruck, mein Laptop erwachte zu neuem Leben. „Lass uns was runterladen. Egal was!“, schien er zu rufen. Das Smartphone ruckte und zuckte unruhig auf dem Nachttisch. Ein leises Knistern hing in der Luft: So musste sich Neo gefühlt haben, als er die volle Kontrolle über die Matrix erlangt hatte. Ich sank vor Begeisterung auf die Knie und schaute zärtlich auf den lustigen kleinen Adapter. Wenn er nur wüsste.

Streitereien über eine langsame Internetverbindung, nervige Abbrüche und ruckelige Online-Spiele sind passé. Wir haben endlich wieder Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens: „Schatz, meine Hemden…?“.

Aber ich vermisse auch etwas: Die vertrauten Gespräche mit dem Provider-Kundendienst etwa. Ich hatte da so manchen Praxis-Tipp für Internet-verrückte Jugendliche abgegriffen. Den regelmäßigen Plausch mit meinem Lieblingsverkäufer im Elektronik-Großmarkt, der mich stets über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden hielt und ohne den ich niemals diesen fabelhaften Internet-Radiosender kennengelernt hätte, der den ganzen Tag nur die Beatles spielt. Ganz zu schweigen von den netten Ebay-Bekanntschaften, denen wir mit salbungsvollen Worten unsere überflüssigen Altgeräte angedreht haben. Tja. Die lernen’s auch noch. ;o)

Wer’s wissen will: Die Zeitschrift COMPUTERBILD hat hier die passenden Infos zusammengefasst und hier eine Reihe dieser fabelhaften Geräte getestet.

Unser Tipp, wenn das WLAN hakt: Probieren Sie es gleich mit so einem Steckdosen-Adapter. Das ist nicht nur smart. Es spart Geld, viel Zeit und Frust. Sehr viel Zeit und sehr viel Frust!


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