21.08.2014 · smart steuern ·

Steuerfalle Pokerspiel

Einnahmen aus legalen Glücksspielen wie Poker sind eigentlich steuerfrei. Doch das Finanzamt schaut sehr genau hin. Die Gewinne eines erfolgreichen Pokerspielers können durchaus der Einkommensteuer und der Umsatzsteuer unterworfen werden.

Ein leidenschaftlicher Spieler nahm über einen Zeitraum von mindestens neun Jahren an Pokerturnieren, Cash-Games sowie an Internetveranstaltungen teil. Er nahm für seine Turniere sogar unbezahlten Urlaub bei seinem Arbeitgeber. Neben den Preisgeldern erzielte er aber keine weiteren Einnahmen. Die Preisgelder gab er in seinen Steuererklärungen nicht an. Nachdem durch ein Internet-Interview bekannt geworden war, dass der Spieler an zahlreichen Turnieren teilgenommen hatte, führte das Finanzamt eine Prüfung durch und schätzte seine Umsätze auf Grundlage der Bareinzahlungen auf seinem Konto. Hiergegen widersprach der Spieler, weil er nach seiner Ansicht kein Berufsspieler sei, sondern vielmehr nicht steuerbare Spielgewinne erzielt habe.

Der Spieler agierte wie ein Unternehmer

Vor dem Finanzgericht Münster hatte der Spieler keinen Erfolg (Az. 15 K 798/11). Der Mann habe durch die Teilnahme an den Turnieren sonstige Leistungen erbracht und dabei Einnahmen erzielen wollen. Nach den Gesamtumständen sei er daher als Unternehmer anzusehen. Hierfür spreche, dass er über einen längeren Zeitraum regelmäßig an jährlich fünf bis acht Pokerturnieren und anderen Veranstaltungen teilgenommen habe. Zum anderen sprächen hierfür auch die Aufgabe seiner Berufstätigkeit sowie der Umstand, dass der Spieler zahlreiche Reisen unternommen hatte. Die Preisgelder waren daher umsatzsteuerpflichtig. Das Finanzamt durfte die Umsätze schätzen, weil der Spieler seinen Aufzeichnungs- und Erklärungspflichten als Unternehmer nicht nachgekommen war.

Sind Gewinne als Einkommen zu versteuern?

Erfolgreiches Pokern kann darüber hinaus auch der Einkommensteuer unterliegen. So hat das Finanzgericht in einem ganz ähnlichen Fall (Az. 12 K 1136/11) geurteilt, dass Gewinne eines Pokerspielers dann der Einkommensteuer unterliegen, wenn er regelmäßig über Jahre hinweg erfolgreich an namhaften, mit hohen Preisen dotierten, Turnieren teilnimmt. Maßgeblich für die Beurteilung der Steuerpflicht sei, ob der Spieler nach seinen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit guten Erfolgsaussichten an renommierten Turnieren teilnehmen könne und wiederholt Gewinne erziele.

(Viola C. Didier / smartsteuer)

Geschrieben von:
Stefan Heine Stefan versteht als Fachanwalt für Steuerrecht selbst die Gesetze, die ihre eigenen Autoren verzweifeln lassen. Dabei widerlegt er das Gerücht, Juristen könnten nicht rechnen – zur Freude unserer Kunden und zum Ärger des Finanzamtes. Als Geschäftsführer von smartsteuer hält Stefan das Team mit seiner harmonischen Art zusammen und fokussiert es auf das gemeinsame Ziel: Die einfachste Steuererklärung.
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