08.10.2014 · smart steuern ·

Werbungskosten: Versetzung für drei Jahre?

Wenn ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber für drei Jahre an einen anderen als seinen bisherigen Dienstort abgeordnet wird, dann begründet das dort keine regelmäßige Arbeitsstätte. Der Betroffene kann deswegen seinen tatsächlich entstandenen Aufwand in voller Höhe als Werbungskosten geltend machen.

Ein Finanzbeamter wurde von seinem Dienstherrn mit Befristung von drei Jahren in eine andere Stadt versetzt. Der Mann vertrat die Meinung, dass genau deswegen keine neue regelmäßige Arbeitsstätte begründet worden sei. Er kehre ja innerhalb eines fest vorgegebenen Zeitrahmens wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurück. Das Finanzamt akzeptierte diese Argumentation jedoch nicht und ging von einem neu entstandenen Dienstort aus – mit der Konsequenz, dass weniger Kosten anerkannt wurden.

Erfolg vor dem BFH

Der Bundesfinanzhof (BFH) schlug sich allerdings auf die Seite des Steuerzahlers und gestand ihm den Werbungskostenabzug in voller Höhe zu. Wegen seiner befristeten Beschäftigung in der anderen Stadt blieben dem Betroffenen schließlich kaum Möglichkeiten, seine Wegekosten gering zu halten (Aktenzeichen VI R 72/12). In einem anderen Fall hatte der BFH ähnlich entschieden (Aktenzeichen VI R 51/12). Dort wurde ein Arbeitnehmer immer wieder für längere Zeit in einem anderen Betriebsteil eingesetzt. Die Richter bestätigten, dass er die vollen Fahrtkosten steuerlich geltend machen darf. Denn der Einsatzort zähle nicht als regelmäßige Arbeitsstätte.

Unser Tipp: Einzelfall genau prüfen

Grundsätzlich gilt, dass eine „erste Tätigkeitsstätte“ erst dann vorliegt, wenn der Mitarbeiter dem anderen Betriebsteil dauerhaft zugeordnet wird. Ist nichts vereinbart, geht man von einer dauerhaften Zuordnung aus, wenn sie länger als 48 Monate andauert. Anders sieht der Fall aus, wenn die Versetzung von Anfang an befristet ist.

(Viola C. Didier / Redaktion)


Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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