30.10.2014 · smart steuern ·

Schöne Aussichten: Die meisten Einsprüche haben Erfolg

Das Bundesfinanzministerium hat vor wenigen Tagen die aktuelle Einspruchsstatistik herausgeben. Danach sind im Laufe des vergangenen Jahres mehr als vier Millionen Einsprüche eingelegt worden. Knapp zwei Drittel davon waren erfolgreich. Die hohe Erfolgsquote zeigt, dass sich ein Einspruch meistens lohnt!

Es gibt zwar zahlreiche Gründe für einen Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid und oft liegt der Fehler auch nicht alleine beim Finanzamt. Dennoch zeigt die aktuelle Einspruchsstatistik, dass jeder Einkommensteuerbescheid genau überprüft werden sollte. Sehr gut dafür eignet sich die Musterberechnung aus einem Steuerprogramm. Haben sich die persönlichen Einkommensverhältnisse nur unwesentlich geändert, kann zunächst auch der direkte Vergleich mit dem Steuerbescheid des Vorjahres helfen, mögliche Fehler zu entdecken.

Versteckte Fehler ausfindig machen

Am besten ist es, alle Werte aus der Einkommensteuererklärung im Steuerbescheid einzeln aufzuschlüsseln. Da viele Beträge zusammengefasst sind oder wie bei den Vorsorgeaufwendungen nur anteilig berücksichtigt werden, können sich gerade hier Zahlendreher verstecken. Abweichungen im Steuerbescheid kommen nicht nur durch die Streichung von Aufwendungen durch das Finanzamt zu Stande. Die elektronische Datenübermittlung von Arbeitgebern, Krankenkassen, Rentenstellen, Versicherungen und Sozialleistungsträgern kann auch neue Fehler hervorrufen. Manchmal fehlen deshalb Beträge oder werden doppelt berücksichtigt.

Wie immer: Frist beachten!

Bei Abweichungen muss innerhalb eines Monats der Einspruch beim Finanzamt eingegangen sein. Die Frist beginnt dabei drei Tage nach dem Postdatum des Steuerbescheides. Eine versäumte Frist kann nur in seltenen Ausnahmefällen durch eine Wiedereinsetzung nachgeholt werden, beispielsweise wenn der Steuerbescheid nachweislich während eines längeren Urlaubs eingegangen ist. Besser also, man notiert sich die Frist und beachtet sie!

Unser Tipp: Einspruch nicht per E-Mail schicken

Der Steuerbescheid kann neben dem Brief auch per Fax an das Finanzamt geschickt werden. Eine E-Mail ist grundsätzlich zwar möglich, aber nicht zu empfehlen. Zum einen sind der Datenzugang und die Verschwiegenheit nicht ausreichend gesichert. Zum anderen hat mittlerweile das Hessische Finanzgericht einen Einspruch mit einfacher E-Mail als unzulässig eingeschätzt (Urteil vom 2.7.2014, Az. 8 K 1658/13). Vor allem bei einem nachfolgenden Rechtsstreit vor dem Finanzgericht besteht deshalb derzeit Unsicherheit, ob elektronische Einsprüche anerkannt werden.

(Viola C. Didier / smartsteuer)


Stefan Heine Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Marion Beller sagt:

    Leider veröffentlicht das Bundesfinanzministerium nur solche Zahlen, die nicht wirklich die Situation bei den Einsprüchen in Bezug auf die Steuererklärungen zeigen. Die Tatsache dass zwei Drittel der Einsprüche Erfolg hat, ist eine Info, die den Steuerzahler wohl beruhigen soll. Jedoch werden keine Aussagen zu den Bearbeitungszeiten der Einsprüche getroffen oder sind irgendwo zu finden. Ich habe seit Anfang 2014 (ich darf darauf hinweisen, dass wir das Jahr 2018 schreiben) einen Einspruch gegen eine geänderten Steuerbescheid laufen und was tut sich .. NIX und das seit Jahren.
    Fragt man nach dem Bearbeitungsstand, bekommt man als Quittung seitenweise Fragen, die schon alle beantwortet wurden. Dokumente wurden vom FA verschlampt oder eine Wohnung wird als nicht existent angesehen, obwohl fremdvermietet. Schlußendlich wurde einem dann noch ein verwandtschaftliches Verhältnis mit den Mietern unterstellt, welches in keinster Weise existierte.
    Daher sind für mich die Zahlen über den Erfolg von Einsprüchen nur Augenwischerei aber keinesfalls die ganze Wahrheit.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    es ist sehr ärgerlich, wenn Sie vier Jahre auf eine Einspruchsentscheidung warten müssen. Sie haben aber auch hier Rechtsmittel. Zusätzlich erhalten Sie bei einem erfolgreichen Einspruch und einer daraus eventuell resultierenden Erstattung eine sehr gute Verzinsung vom Finanzamt.


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