12.11.2014 · smart steuern ·

Her mit dem Porsche – als Dienstwagen!

Hatten Sie schon mal einen Dienstwagen? Ist eigentlich eine tolle Sache: Die mittlerweile lächerlich hohen Spritpreise interessieren dann nur noch wenig und auf der Autobahn feiert der Bleifuß Karneval. Wenn es der Wagen hergibt. Mein erster Dienstwagen war ein VW Passat. Er brachte mich für ein befristetes Projekt einige Male von Hamburg ins rund hundertdreißig Kilometer entfernte Celle – und zurück. Das war’s. Eindruck schinden Sie mit einem Passat eher wenig. Aber hey, darum geht’s ja auch gar nicht. Eigentlich. Aber ich bin ja auch kein Tierarzt.

Eine hoffentlich eher seltene Ausgabe dieser Spezies musste sich gerade dem § 4 des Einkommensteuergesetzes geschlagen geben. In diesem Paragraphen geht es um Betriebsausgaben, also um Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind. Immer wieder schlagen sich die Gerichte mit der Frage herum, ob es sich bei solchen Ausgaben um abzugsfähige Betriebsausgaben handelt oder nicht.

Ein Beispiel: Sie reisen zu einer Tagung nach Las Vegas. Drei Tage lang besuchen Sie fleißig alle Seminare, diskutieren mit potenziellen Geschäftspartnern und knüpfen vielversprechende Kontakte. Bevor der Flieger zurückgeht, hängen Sie aber noch zwei Tage dran und überprüfen einfach mal, ob es in Las Vegas zufällig auch noch andere Möglichkeiten der Zerstreuung gibt. Was Sie abschließend aus vollem Herzen bejahen.

Bei der Steuererklärung geben Sie natürlich die gesamten Reisekosten an und sind dann erstaunt, als das doofe Finanzamt sich quer stellt. Klare Sache: Drei Fünftel der Reisekosten spricht Ihnen das Gericht als abzugsfähig zu. Die restlichen Kosten tragen Sie privat.

Bei Dienstwagen kommt hinzu, dass es sich um „angemessene“ Autos handeln muss. Wer also einen Kiosk in Witten-Herdecke betreibt und meint, er müsse Dosenbier und Bratwürste mit dem Maybach an den Mann bringen – der irrt, wenn er denkt, dass er die Kosten für das Luxusauto auch noch steuerlich absetzen kann.

Das musste jetzt auch ein Nürnberger Tierarzt am eigenen Leib erfahren. Zu seinem Betriebsvermögen zählten unter anderem ein VW Multivan (ab etwa 30.000.-) und ein Porsche Boxter S (ab rund 60.000,-). Soweit, so bescheiden. Kompliziert wurde es, als der Mann den Porsche durch einen Ferrari Spider (in der Basis-Version schon ab etwa  200.000,- zu kriegen) ersetzte und die Betriebskosten absetzen wollte.

Die durchschnittlichen Kosten je gefahrenem Kilometer summierten sich beim Ferrari auf stolze 14,56 Euro und da fiel beim Finanzgericht dann doch die Klappe. Unangemessen sei das. Bei den knapp 6000 gefahrenen Kilometern (in drei Jahren…!) waren so immerhin fast 90.000 Euro zusammengekommen und das sei dann doch etwas happig.

omega2Das alles schockierte oder überraschte mich wenig. Als Fahrer eines dreizehn Jahre alten Opel Omegas hatte ich (leider nur privat) mit ganz anderen Kilometerpauschalen zu rechnen und auch die Tatsache, dass ein Tierarzt für seine Fahrten gerne mal auf einen Ferrari Spider (sic!) zurückgreift fand ich gar nicht mal so unpassend.

Aber schmunzeln musste ich doch, als ich las, dass das Gericht die Betriebskosten für einen Mercedes 600 SL oder Porsche 911 als Vergleich heranzog und die für völlig in Ordnung befand. Was mich betrifft, ich würde schon ein komisches Gefühl kriegen, wenn mein Hündchen plötzlich so ein komisches Husten kriegt, ich den Tierarzt einbestelle und der dann im Porsche 911 bei mir vorfährt. Ich hätte zugegebenermaßen Angst vor der nächsten Rechnung.

Wenn Sie also über einen Dienstwagen nachdenken: Überlegen Sie es sich noch einmal mit dem Ferrari. Ein Porsche tut’s auch. Der ist völlig okay.

P.S.: Ich hoffe, mein Chef hat bis hierher mitgelesen. ;o)

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