23.02.2015 · smart steuern ·

Warum nur? Erst Steuern zahlen, dann welche zurück? (Serie, Teil 12)

„Das ist voll unlogisch und ungerecht auch!“. So begrüßte mich gestern mein Schulfreund Nicolas. Bevor ich noch fragen konnte, was denn passiert sei, polterte er los: Da würden ihm also jeden Monat Steuern von seinem Gehalt abgezogen, und jetzt muss er auch noch eine Steuererklärung machen, um wenigstens einen Teil dieser Steuern vom letzten Jahr wiederzukriegen. Der Staat lebt also von seinem Geld, mit dem er schon längst was Sinnvolles hätte machen können. Warum wird seine Steuer nicht schon gleich richtig berechnet? Dabei guckte er mich so böse an, als ob ich höchstpersönlich die Erfinderin dieser Regelung bin. Wie ich ihm wieder zu besserer Laune verhalf, lesen Sie hier.

Was spielt eine Rolle für die Höhe der monatlichen Steuer?

Wer wie mein Freund Nicolas angestellt ist, muss sich um die Zahlung der monatlichen Steuern nicht kümmern. Das macht automatisch sein Arbeitgeber, der den entsprechenden Betrag ans Finanzamt abführt. Wie viel das allerdings ist, darf der Chef nicht nach seinen Vorstellungen festlegen. Die Höhe der monatlichen Steuer richtet sich nach – Achtung, hier kommt mein neues Lieblingswort – den Elektronischen LohnSteuerAbzugsMerkmalen (ELStAM). Spätestens hier konnte Nicolas schon wieder etwas lachen, ein bisschen zumindest. Für die etwas Älteren: Bis vor ein paar Jahren hieß das Ganze Lohnsteuerkarte, die war aus Papier und darauf standen die jeweiligen Merkmale.
Was gehört aber nun im Normalfall zu diesen ominösen Merkmalen? Erstmal die Lohnsteuerklasse und der Familienstand (siehe hier), die Religionszugehörigkeit, sowie gegebenenfalls Kinderfreibeträge.

Pauschbeträge eingepreist 

Ohne zu ausführlich (und zu kompliziert) zu werden: Im monatlichen Steuertarif ist zum Beispiel die Pauschale für Werbungskosten („Arbeitnehmerpauschbetrag“, 1000 Euro pro Jahr) monatlich mit eingerechnet. Das gilt auch für den „Sonderausgabenpauschbetrag“(36 Euro pro Jahr). Das sind zwei Werte, die eigentlich erst bei der Einkommensteuererklärung eine Rolle spielen.
Alles schön und gut, meint Nicolas, aber wenn das alles so wäre, dann müsste er sich doch nicht Steuern zurückholen. Gemach, gemach, gleich kommt des Rätsels Lösung:

  1. Gibt es Leute, die deutlich höhere Werbungskosten und/oder Sonderausgaben als die gerade genannten Pauschalen haben.
  2. Gibt es noch andere Ausgaben, die die Steuerlast senken können. Zum Beispiel Kinderbetreuungskosten, Unterhaltszahlungen an geschiedene Ehepartner (aber nicht für Kindesunterhalt) oder „haushaltsnahe Dienstleistungen“.

Was bisher geschah:
Geld stinkt nicht. Oder: Was sind eigentlich Steuern? (Serie Teil 1)
Kaffee oder Tee? Was alles versteuert wird (Serie Teil 2)
Das Gießkannenprinzip, oder: Was macht der Staat mit unseren Steuern (Serie Teil 3)
Wer muss eine Steuerklärung abgeben? (Serie Teil 4)
Wir geben ab zur Werbung – zu den Werbungskosten (Serie Teil 5)
Muss ich Steuern auf Erbschaften zahlen? (Serie Teil 6)
Lohnt es sich zu heiraten? Alles zu Steuerklassen (Serie Teil 7)
Auf den Hund gekommen – Steuern & Tiere (Serie Teil 8)
Müssen wir Steuern an die EU bezahlen? (Serie Teil 9)
Steuern im Ausland – hält doppelt wirklich besser? (Serie Teil 10)
Vorm Finanzamt sind alle gleich (Serie, Teil 11)


Theresa Voigt Geschrieben von:

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