04.03.2015 · smart steuern ·

Katzeklo macht die Katze froh – meine Kopfschüttel-Top3 über einen Steuerfall

Sie haben es kürzlich vielleicht ja hier im smartsteuer-Blog gelesen. Da gab es den aktuellen Fall, in dem es um die steuerlich absetzbaren Aufwendungen für Tierbetreuung ging. Wenn man sich den Fall noch mal in Ruhe anschaut, bemerkt man schnell, wie absurd das deutsche Steuersystem mittlerweile geworden ist. Und ich weiß nicht, ob ich lachen oder doch lieber weinen soll.

Der Fall in Kurzform

Ein Ehepaar buchte für seine Abwesenheit eine Betreuerin für seine Hauskatze. Die Frau stellte dafür eine Rechnung, insgesamt kamen für das Jahr 2012 stolze 302,90 Euro zusammen. Das Ehepaar wollte das als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen. Das Finanzamt sagte nein. Das Paar klagte und bekam Recht. Ausführlicher können Sie das hier nachlesen.

Die Älteren können sich vielleicht an den Entertainer Helge Schneider erinnern, der vor mehr als 20 Jahren mit dem Lied „Katzeklo“ einen Riesenhit landete – und sogar damit in „Wetten, dass…“ auftrat. Zur Erinnerung das Youtube-Video davon.

Noch absurder ist allerdings, was in diesem Verfahren zutage trat. Und es hat auch was mit dem Katzeklo zu tun…

Ich habe mir mal das komplette Urteil angeschaut. Daraus gibt es nun meine Kopfschüttel-Top3:

 

Platz 3: Wenn ein Richter an einem Finanzgericht diesen Satz in einer Urteilsbegründung verwenden muss

„Tätigkeiten wie die Reinigung des Katzenklos, die Versorgung der Katze mit Futter und Wasser und die sonstige Beschäftigung der Hauskatze fallen regelmäßig an und werden typischerweise durch die Kläger selbst erledigt.“

Platz 2: Es geht um so wenig Geld

So um die zwei Jahre beschäftigte der Fall Finanzbeamte, Anwälte und Richter. Im Ergebnis kann das Ehepaar nun 20 % der Rechnungssumme, also exakt 60,58 Euro, von seiner Einkommensteuer abziehen. Na bravo. Verstehen Sie mich nicht falsch, das Geld steht dem Ehepaar zu. Ich bin nur der Meinung, dass man sich diese ganze Posse hätte sparen können – und gleich die Katzenbetreuung hätte anerkennen können. Was mag dieser Fall insgesamt an Kosten verursacht haben? Und wieviel Katzenstreu hätte man für das Geld kaufen können?

Platz 1: Das Anwendungsschreiben zu § 35a EStG

Sie verstehen nur Bahnhof? Also: Das Finanzamt konnte die Katzenbetreuung gar nicht anerkennen, weil das Bundesministerium der Finanzen genau das in einem Schreiben ausdrücklich nicht erlaubt hat: dem Anwendungsschreiben zu § 35a EStG vom 10. Januar 2014. Nun, das wollte ich genauer wissen und fand das gute Stück auf der Internetseite des Finanzministeriums.

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Anwendungsschreiben zu § 35a EStG

Rückblick: Am 18. und 19. November 2013 saßen also Abteilungsleiter (Steuer) zusammen, um ein fast vier Jahre altes Schreiben zu haushaltsnahen Beschäftigungen abschließend zu überarbeiten. Das Ergebnis umfasst stolze 37 Seiten, mit vielen Beispielen und einer großen Tabelle im Anhang. Keine acht Wochen später war das Ganze in Form gegossen und konnte Anfang Januar 2014 per E-Mail verschickt werden.

 

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Beispielhafte Aufzählung (nicht) begünstigter haushaltsnaher Dienstleistungen und Handwerkerleistungen

Eigentlich unglaublich: Da sitzen also diverse Beamte zusammen und bestimmen, was denn nun genau zu den haushaltsnahen Dienstleistungen gehört. Und legen dabei fest, dass „Tierbetreuungs-, pflege- oder arztkosten“ nicht begünstigt sind. Was ihnen dabei entgangen war: Das Finanzgericht Münster hatte schon im Jahr 2012 im Fall eines Hundes ganz ähnlich entschieden, wie im eingangs erwähnten Fall (siehe auch hier im Blog). Zwar wurde damals die Anerkennung verweigert, aber nur, weil die Diensleistung (Gassigehen) eben nicht im Haushalt stattgefunden hatte. Hätte sich das Ausführen des Vierbeiners auf das eigene Grundstück beschränkt, wären die Kosten anerkannt worden. Klarer Vorteil übrigens für Katzenfreunde…

Und darf ich Ihnen abschließend etwas verraten: Der Katzenfall ist vermutlich noch nicht zu Ende. Da die Revision erlaubt ist, geht es wohl noch bis zum Bundesfinanzhof. Aber ob das wirklich die Katze froh macht…?


Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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