26.03.2015 · smart steuern ·
Lesezeit: 2 Min.

Mindestlohn und Minijobs: Das müssen Arbeitnehmer wissen

Aktuellen Angaben der Minijobzentrale zufolge sind bundesweit mehr als 6,8 Millionen Menschen im gewerblichen Bereich und etwa 280.000 in Privathaushalten als Minijobber tätig – mit einem Anspruch auf den Mindestlohn.

Nach dem seit Anfang des Jahres geltenden „Gesetz zur Regelung eines Mindestlohns“ (MiLoG), haben alle Arbeitnehmer, die in Deutschland beschäftigt sind, einen Anspruch auf Zahlung eines Arbeitsentgelts in Höhe von mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Das wird für viele geringfügig Beschäftigte ein deutliches Lohnplus mit sich bringen, kann aber andererseits zur „Falle“ werden, wenn damit der steuerlich und sozialversicherungspflichtig günstige Status des Minijobbers verloren geht.

Was genau ist ein Minijob?

Eine geringfügige Beschäftigung – also ein Minijob – kann sich einerseits aus der geringen Höhe des Arbeitsentgelts und andererseits aus der kurzen Dauer der Beschäftigung ergeben: Im ersten Fall darf das monatliche Arbeitsentgelt 450 Euro nicht übersteigen. Der zweite Fall trifft dann zu, wenn die Beschäftigung auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr befristet ist und das Arbeitsentgelt, bezogen auf das durchschnittliche Monatseinkommen, ebenfalls nicht über 450 Euro liegt.

Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns

Anpassungsbedarf besteht in allen Fällen, bei denen bisher eine arbeitsvertragliche Vergütung von unter 8,50 Euro pro Stunde zugrunde lag. Insofern ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung seiner Minijobber ab 2015 neu zu prüfen. Soll für den Arbeitnehmer nach Zahlung des Mindestlohns die 450-Euro-Grenze weiterhin nicht überschritten werden, dann müsste – aller Voraussicht nach – in diesen Fällen die Arbeitszeit gekürzt werden. Oder es bleibt bei der bisherigen Arbeitszeit, dann liegt der Lohn aber womöglich über der 450-Euro-Grenze, was für den Arbeitnehmer auch Nachteile bedeuten kann. Denn während die geringfügige Beschäftigung bis 450 Euro monatlich für den Arbeitnehmer abgabenfrei bleibt, ist bei höheren Verdiensten mit steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Abgaben zu rechnen.

Unser Tipp: Genau prüfen, ob sich Änderungen ergeben!

Betroffene Minijobber, deren Stundenlohn noch unter 8,50 Euro liegt, sollten trotz der Freude über die Gehaltserhöhung nicht in die Falle tappen. Wer aufgrund des Mindestlohns fortan monatlich mehr als 450 Euro verdient, dessen Job wird nicht mehr sozialversicherungsfrei sein. Dann bleibt unterm Strich oft weniger netto übrig. Sprechen Sie also zeitnah mit Ihrem Chef, um eine passende Lösung für den Minijob zu finden – beispielsweise durch Reduzierung der Arbeitsstunden.

(Viola C. Didier / smartsteuer)

Geschrieben von:
Stefan Heine Stefan versteht als Fachanwalt für Steuerrecht selbst die Gesetze, die ihre eigenen Autoren verzweifeln lassen. Dabei widerlegt er das Gerücht, Juristen könnten nicht rechnen – zur Freude unserer Kunden und zum Ärger des Finanzamtes. Als Geschäftsführer von smartsteuer hält Stefan das Team mit seiner harmonischen Art zusammen und fokussiert es auf das gemeinsame Ziel: Die einfachste Steuererklärung.
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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Dieses Phänomen kennen wir in den Niederland nicht. Sind die „“Minijobs““ beliebt bei
    Arbeitnehmern? Es scheint mir für sie nämlich ziemlich uninteressant zu sein da keine
    Rente aufgebaut wird.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Die Minijobs sind durchaus interessant bei Arbeitnehmern. Neben der Hauptbeschäftigung können Minijobber auf diesem Weg ein zweites Einkommen brutto = netto erzielen.

  • Avatar Romuald sagt:

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Auch für Hartz 4 Empfänger können die Minijobs ein wichtiger Schritt in die Wiedereingliederung in die Arbeitswelt sein.

  • Avatar Mike Schröter sagt:

    suche bei euch wo ich mein fahrkosten für meinen 450 euro job abrechnen kann bei ta% free wird mann automatisch gefragt und ich würde das gerne für 2019 noch nachhollen bis zum 31.da mir sonst geld flöten geht

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Hallo,
    einen pauschal versteuerten Minijob brauchen Sie in der Steuererklärung nicht einzutragen. Die einheitliche Pauschsteuer von zwei Prozent stellt die endgültige Besteuerung des Arbeitslohns dar und wird bei der Einkommensteuerveranlagung des Minijobbers nicht berücksichtigt. Dieser kann daher auch keine Aufwendungen als Werbungskosten abziehen, die bei dem pauschalversteuerten Minijob anfallen.

  • Avatar Susa sagt:

    Woher weiß ich den ob der Minijob pauschal versteuert wird/wurde? Ist dies auf der monatlichen Abrechnung ersichtlich?
    Und wenn dies nicht geschehen ist, wo genau trage ich dann den Minijob ein?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Hallo,
    am einfachsten erkennen Sie, dass der Minijob nicht pauschal versteuert wurde, wenn Sie eine Lohnsteuerbescheinigung erhalten. Minijobber sind zudem bei der Minijob-Zentrale gemeldet. Einen pauschal versteuerten Minijob tragen Sie in der Einkommensteuererklärung nicht ein. Andere Minijobber übertragen ihre Lohnsteuerbescheinigung einfach ohne Abweichung.


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