13.05.2015 · smart steuern ·

15.340 oder 51.130 Euro – Krankheitskosten und Steuern (Serie, Teil 19)

Erinnern Sie sich noch? In meinem letzten Beitrag ging es um zwei krumme Zahlen zum Sparerpauschbetrag, hier kommen die nächsten beiden. Diese haben aber etwas mit höheren Ausgaben für Krankheit zu tun. Was genau, erfahren Sie hier.

Krankheit und Steuern – was ist die Grundlage?

In der heutigen Zeit heißt es beim Arzt oder Zahnarzt leider immer öfter: Das übernimmt Ihre Kasse nicht, da müssen Sie zuzahlen oder es komplett privat bezahlen. Das mögen manchmal nur kleinere Beträge sein, wie die Zuzahlung in der Apotheke oder bei der Physiotherapie, aber auch das geht ins Geld. Ganz zu schweigen von teuren Sachen wie Zahnersatz oder Brillen. Und weil es ungerecht ist, dass einer wegen Krankheiten viel auszugeben hat und ein anderer mit sonst gleichen finanziellen Verhältnissen nicht, hat der (Steuer-) Gesetzgeber die „außergewöhnliche Belastung“ eingeführt. Nachzulesen im §33, Einkommensteuergesetz (EStG). Kurz gesagt heißt es dort: Wer außergewöhnliche Belastungen hat, wird steuerlich begünstigt, aber erst, wenn die Grenze der „zumutbaren Belastung“ überschritten ist. Dazu später mehr, zuerst soll geklärt werden, was als außergewöhnliche Belastung anerkannt wird.

Von A wie Arzt bis Z wie Zahnarzt

Man kann es eigentlich kurz machen: Alles, was die Kasse nicht bezahlt, aber medizinisch notwendig ist, um Sie wieder gesund zu machen oder eine Krankheit lindert, zählt zu den außergewöhnlichen Belastungen. Reine Prophylaxe zählt allerdings nicht. Hilfreich ist dabei immer eine ärztliche Bescheinigung über die Notwendigkeit der Maßnahme. Also: Sammeln Sie wirklich alle Quittungen und Rechnungen. Sei es für Zahnersatz, Rezeptgebühren, nicht verschreibungspflichtige Medikamente, Brillen, Hörgeräte oder einen Rollstuhl. Selbst Fahrtkosten zum Arzt sind absetzbar, ebenfalls Impfungen für einen Auslandsaufenthalt oder auch von der Kasse nicht anerkannte Methoden wie Akupunktur. Tipp schon an dieser Stelle: Wenn Sie zum Beispiel mehrere, kostspielige Zahnarztbesuche haben müssen, legen Sie diese bitte, wenn möglich, in ein Kalenderjahr. Warum lesen Sie gleich.

Die Grenzen der zumutbaren Belastung

Klingt ja nicht so schlecht, werden Sie sagen. Sie sammeln alle Belege und holen sich Geld vom Staat zurück. Aber so einfach ist es natürlich wieder nicht. Denn es gibt ja die zumutbare Belastung. Und was ist zumutbar, fragen Sie? Nun, das hängt ganz davon ab. Und zwar von Ihrem Familienstand inklusive der Anzahl Ihrer Kinder und Ihrem Einkommen. Und da kommen die krummen Zahlen aus der Überschrift zum Tragen. Es gibt nämlich drei Einkommensklassen für die Zumutbarkeit: bis 15.340 Euro, über 15.340 bis 51.130 Euro und über 51.130 Euro. Wer mehr verdient, hat automatisch eine höhere Belastungsgrenze. Abhängig von Familienstand und Kinderzahl liegt die Belastungsgrenze dann zwischen 1 und 7 Prozent Ihres gesamten Jahreseinkommens. Drei Beispiele zur Verdeutlichung (einen „Belastungsrechner“ finden Sie zum Beispiel hier):

  • Familie mit drei Kindern, Jahreseinkommen 50.000 Euro: Hier kommt der günstigste Prozentsatz von 1 % zum Einsatz. Die Familie hat deshalb eine zumutbare Belastung von 500 Euro. Alles, was darüber hinaus geht, lässt sich von der Steuer absetzen – die 500 Euro aber nicht. Bei Krankheitskosten von 2.000 Euro sind also 1.500 Euro absetzbar.
  • Familie ohne Kind, Jahreseinkommen 80.000 Euro: Das Paar muss 6% seines Einkommens als zumutbare Belastung akzeptieren, das heißt 4.800 Euro.
  • Single ohne Kinder, Jahreseinkommen 12.000 Euro: Die Person hat 5% als zumutbare Belastung, also 600 Euro.

Es kann sich lohnen, aufwendige Behandlungen in ein Jahr legen zu lassen, denn steuerlich absetzen lassen sich die Belastungen immer erst ab einer Mindestsumme.

Zusammenfassung: Krankheitskosten sind außergewöhnliche Belastungen. Sie lassen sich steuerlich absetzen, wenn sie die Grenze der zumutbaren Belastung überschritten haben. Diese hängt vom Einkommen, Familienstand und Kinderzahl ab. Unsere Online-Lösung smartsteuer berechnet das automatisch.

 

Was bisher geschah:
Geld stinkt nicht. Oder: Was sind eigentlich Steuern? (Serie Teil 1)
Kaffee oder Tee? Was alles versteuert wird (Serie Teil 2)
Das Gießkannenprinzip, oder: Was macht der Staat mit unseren Steuern (Serie Teil 3)
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Theresa Voigt Geschrieben von:

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