03.06.2015 · smart steuern ·

Ein Leben ohne Bargeld – nein danke!

Vielleicht haben Sie es ja mitbekommen: Kürzlich forderte mit Peter Bofinger einer der „Wirtschaftsweisen“ die Abschaffung von Bargeld. Der Uni-Professor sagte dem „Spiegel“: „Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Scheine tatsächlich ein Anachronismus.“ Er meint damit wohl, dass sie nicht mehr zeitgemäß sind. Aber auch wenn es unzeitgemäß klingt: Wir sollten besser nicht aufs Bargeld verzichten. Ich sage Ihnen gerne, warum.

Die alte Geschichte mit der Supermarkt-Kasse

Ich bin mir sicher, dass Ihnen das im proppevollen Supermarkt auch schon widerfahren ist: Sie haben sich zielsicher genau die Kasse ausgesucht, bei der es am längsten dauert. Erst kann die Kassiererin ein Etikett weder einscannen noch die Zahlen korrekt abtippen, dann reklamiert ein Kunde seinen Kassenbon und schließlich wühlt die Person direkt vor Ihnen gefühlt eine viertel Stunde lang in ihrem Portemonnaie, um die 8,92 Euro auch ja passend zahlen zu können.

Oder Sie gehen in ein neues kleines Restaurant. Nach einem phantastischen Essen verlangen Sie die Rechnung, zücken Ihre Kreditkarte – nur um zu erfahren, dass Sie ausschließlich bar bezahlen können. Also lassen Sie Ihre Begleitung sitzen, suchen – im strömenden Regen – einen Geldautomaten, um 20 Minuten später die Rechnung in bar begleichen zu können. 

Worauf ich hinauswill? Es gibt schon Momente im Leben, da wünsche ich mir, dass die Zeiten des Bargelds einfach vorbei wären. Man zahlt einfach mit Karte, oder vielleicht noch mit dem Smartphone. Fertig. Alles geht schneller, einfacher, und die Suche nach einem Geldautomaten wäre auch hinfällig. (Wenngleich ich das Gefühl habe, dass Kartenzahlung im Supermarkt auch immer mindestens fünf Minuten dauert…).

Zwei Hauptgründe für die Abschaffung

Für die Wirtschaftsexperten, die das Bargeld abschaffen wollen, sind das aber wohl allenfalls Nebeneffekte. Ihnen geht es um zwei ganz andere Dinge:

  1. Banken könnten recht einfach Negativzinsen durchsetzen. Das hieße, wer sein Geld einfach auf der Bank schmoren lässt, würde in Zeiten mit geringem Zinsniveau (wie zum Beispiel gerade jetzt) sogar draufzahlen. Nun sollte jeder hellhörig werden. Dass unser Geld oft fast schon automatisch inflationsbedingt weniger geworden ist und wird, geschenkt. Aber dass es nicht mehr mal möglich sein soll, sein eigenes Geld abzuheben (um die Strafgebühren, nichts anderes sind Negativzinsen, zu umgehen), ist für mich eine Geiselnahme des Kunden. Der soll, so die Experten, gezwungen werden, sein Geld auszugeben – um so die Wirtschaft anzukurbeln.
  2. Würden alle Zahlungen elektronisch ablaufen, gäbe es keine Schwarzarbeit mehr, und illegaler Drogenhandel könnte auch nicht mehr stattfinden. Und das ist mindestens genauso kritisch. Warum, fragen Sie vielleicht? Wenn alle Zahlungen elektronisch erfasst werden, um damit Schwarzarbeiter und Kriminelle erwischen zu können, werden eben auch ALLE Zahlungen JEDES unbescholtenen Bürgers erfasst. Das wäre eine zusätzliche Dimension der Vorratsdatenspeicherung! Der Staat hätte damit nicht nur Zugriff auf die Kommunikationsdaten seiner Bürger, sondern zum Beispiel auch darauf, wo und oft auch was sie einkaufen.
    Während sich Otto Normalverbraucher damit arrangieren müsste, würden Kriminelle ganz sicher eine Alternative finden. Schon heute gibt es mit den Bitcoins ein bargeldloses Zahlungsmittel, das dezentral ist und völlig ohne Banken auskommt. Zahlungen lassen sich damit kaum nachvollziehen. Und das ist erst der Anfang…
    Ich sage es ganz kurz: Der Staat hat ganz sicher andere Möglichkeiten, um Schwarzarbeit und Drogenhandel zu bekämpfen. Unsere Steuergelder sollten nicht dafür da sein, um uns auch noch finanziell zum gläsernen Bürger machen zu lassen. Kleiner Tipp: Vielleicht würden zusätzliche steuerliche Anreize zumindest beim Thema Schwarzarbeit helfen.

Eine ganz persönliche Anmerkung sei mir schließlich als Vater zweier Söhne noch erlaubt. Wenn die Wirtschaftsweisen und Professoren mal aus ihren Elfenbeintürmen herauskommen würden, dann könnten sie vielleicht merken, aber auch nur vielleicht, dass es Kinder gibt auf dieser Welt. Fällt der buchstäbliche Groschen schon? Genau! Wie kann man Kindern den Umgang mit Geld vermitteln, wenn sie es nicht mal mehr in den Händen halten können? Wenn sie die Münzen (oder auch Scheine) nicht mehr rüber reichen können, um sich zum Beispiel ein Eis oder später ein Comic-Heft zu kaufen? Sie erfahren nicht mehr bildhaft, dass Geld einfach auch alle sein kann. Schon heute gibt es gerade in der jüngeren Generation ein Überschuldungsproblem. Und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich schreibe, dass das ohne Bargeld nicht besser werden würde.

Zusammenfassung: Die Abschaffung des Bargelds wäre im Einzelfall sicher praktisch, würde aber massiv die Freiheit der Bürger beschneiden und sie zudem zu Geiseln der Banken machen.

 

Björn Waide Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar M.B. sagt:

    Sehr gut geschrieben und nachvollziehbar!

  • Avatar Richard Gold sagt:

    Gute Argumente, die aufzeigen, dass ein rein bargeldloser Geldfluss außerhalb der Finanzinstitute und des staatlichen Zugriffs stattfinden muss. Eine gesamtgesellschaftlich kontrollierte Organisation (z.B. eine NGO) wäre hierfür richtig.

  • Avatar hvs sagt:

    Ich kann mich erinnern, dass mein Uni-Professor vor über 10 Jahren schon meinte, dass es Bargeld nur noch gibt, um Schwarzgeld zu ermöglichen.

    Aufgrund meiner beruflichen Nähe zur IT, glaube ich persönlich, dass es sich nicht mehr weit sein wird. Den Punkt mit den Negativzinsen gilt es natürlich gut zu lösen, da schließe ich mich. Man schaue aber bspw. nur nach Afrika, wo die Bezahlung per Handy immer größere Verbreitung findet, da somit das Ausraubrisiko verringert wird.

    Ich bin Vater von drei Kindern und glaube, dass es eine Form des Vermittelns ist, wie man mit Geld umzugehen hat. Sicherlich ist etwas anfassbares leichter zu erklären, aber der Umgang mit Zinsen ist vielleicht etwas, das nicht nur im Mathematik-Unterricht als Rechenaufgabe, sondern viel mehr als eine Aufgabe aus dem Leben gestellt werde sollte.

    Beste Grüße.
    hvs

  • Avatar HPF sagt:

    Gute Argumente von beiden Seiten. Vielleicht gibt es einen Mittelweg. Ganz ohne Bargeld kann ich mir den normalen Alltag nicht so gut vorstellen. Bei der Anschaffung von hochwertigeren Wirtschaftsgütern ist Bargeld jedoch entbehrlich. Wer legt beim Autokauf Scheine hin (der Gebrauchtwagen-Händler an der Ecke vielleicht ausgenommen). Begrenzung von Bargeldkäufen auf einen bestimmten Betrag. Der Bargeldumlauf würde dadurch geringer und die Vorteile von Bargeld blieben erhalten.

    Grup HPF

  • Avatar Fab sagt:

    Eine Alternative zum Bargeld und zu den anonymen BitCoins, die leicht für illegale Machenschaften missbraucht werden können, gibt es seit kurzer Zeit die OneCoins. In China und Vietnam sind diese beispielsweise schon stark verbreitet. Doch noch ist der Kurz entsprechend niedrig um von Kursentwicklunen zu profitieren.
    Weitere Risiken und Chancen sind hier beschrieben
    http://www.onecoin-info.com/onecoin-risiko-oder-chance/


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