23.06.2015 · smart steuern ·

Hurra, hurra, der Steuerbescheid ist da – und nun? (Serie, Teil 23)

Die ersten haben ihn vielleicht schon erhalten, bei den anderen kann es sich auch nur um ein paar Tage, höchstens Wochen handeln. Der Steuerbescheid ist im Briefkasten. (Ja, der kommt wirklich noch mit der alten Schneckenpost.) Hm, schnell den Umschlag aufreißen und dann? Erst kommen viele Zahlen und im zweiten Teil auch noch viel Steuer-Fachchinesisch.

Was heißt das für mich? Sie ahnen es vermutlich schon: Meine guten alten Freunde werden mich anrufen, mir E-Mails oder eine Whatsapp schicken – und um Hilfe schreien. Da ich mir im Sommer was Besseres vorstellen kann, als ihnen in Steuerfragen zu helfen, schreibe ich lieber hier für jedermann (und jederfrau) darüber, wie man einen Steuerbescheid liest – und wie man Einspruch erheben kann, wenn etwas nicht stimmen sollte (das kommt übrigens sehr oft vor).

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Sicher kennen Sie diesen manchmal auch blöden Spruch. Aber zum Steuerbescheid passt er prima. Denn ganz so einfach lässt dieser sich nicht lesen, muss man schon sagen. Wenn Sie Ihre Steuererklärung 2014 am Computer erstellt haben, zum Beispiel mit unserer Online-Lösung smartsteuer, erhalten Sie Ihren Steuerbescheid bereits elektronisch und können die ermittelten smartsteuer Werte mit den berücksichtigten Werten des Finanzamts direkt vergleichen.

Von Festsetzung bis Rechtsbehelfsbelehrung

Vergleichen Sie nun zuerst die Zahlen, die gleich auf Seite 1 unter der Überschrift „Festsetzung“ zu finden sind. Stimmen sie auf Ihrer Steuererklärung und dem Steuerbescheid überein, können Sie kräftig durchatmen. Das Finanzamt hat offenbar all Ihre Sachen anerkannt. Steht ganz unten in der Tabelle nicht „Bitte zahlen Sie“, gibt es auch noch eine Steuererstattung. Überprüfen Sie in diesem Fall unbedingt noch einmal Ihre Kontodaten. Stimmt da auch nur eine Ziffer oder ein Buchstabe nicht, kann das Geld nicht zu Ihnen kommen!

Im zweiten Abschnitt „Besteuerungsgrundlagen“ müssen Sie ein paar Zahlen mehr vergleichen. Wichtig: Markieren Sie Abweichungen sofort. Optimal können Sie die Besteuerungsgrundlagen mit der Auswertung in der Online-Steuererklärung von smartsteuer vergleichen. Dort finden Sie viele detaillierte Berichte zu den einzelnen Berechnungsschritten.

Dann kommen die „Erläuterungen zur Festsetzung“ – das ist ein Text, der wegen der Steuerparagraphen und des Steuer-Kauderwelsch nicht so einfach zu verstehen ist. Kämpfen Sie sich bitte trotzdem durch. Denn: Hier erklärt das Finanzamt in der Regel, warum es Abweichungen zu Ihrer abgegebenen Steuererklärung gibt. (Wer keine Abweichungen hatte, kann schon entspannter lesen.) Am Ende dieses Textblocks wird noch begründet, warum der Steuerbescheid vorläufig ist – wegen Punkten, die noch nicht höchstrichterlich geklärt sind. Und wegen derer Sie nicht extra Einspruch erheben müssen.

Damit sind wir auch schon bei der „Rechtsbehelfsbelehrung„. Hier geht es vor allem um die Möglichkeit des Einspruchs. Dazu gleich mehr im nächsten Absatz.

Der Einspruch – Eile ist geboten

Das Finanzamt darf sich grundlos ein halbes Jahr Zeit lassen mit Ihrem Steuerbescheid. Wollen Sie aber Einspruch gegen einen fehlerhaften Bescheid einlegen, haben Sie dafür nach Erhalt des Bescheids nur einen Monat Zeit. Machen Sie das also pünktlich – und auf jeden Fall schriftlich. Schwieriger wird es inhaltlich. Im Zweifel sollten Sie einen Fachmann befragen. Zahlreiche Musterbriefe finden Sie auch in Ihrer smartsteuer Steuererklärung unter dem Punkt Auswertung – Musterbriefe.

Übrigens: Wenn Sie Einspruch erheben und das Finanzamt findet bei der erneuten Prüfung noch weitere Sachen – und Sie müssen mehr nachzahlen als zuvor, ziehen Sie den Einspruch einfach zurück. Es bleibt dann bei der ursprünglichen Summe.

Zusammenfassung: Lesen Sie sich Ihren Steuerbescheid gründlich durch. Gibt es Abweichungen, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Einspruch gegen den Bescheid erheben.

 

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Theresa Voigt Geschrieben von:

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