24.08.2015 · smart leben · smart steuern ·

Existenzgründer: Jedes Jahr werden es weniger

Anfang Juli konnte man es in diversen Medien wie der Rheinischen Post Online lesen: Im letzten halben Jahrzehnt ist die durchschnittliche jährliche Zahl der Gründungen immer weiter gesunken.

Waren es im Jahr 2010 noch insgesamt 417.000 Existenzgründer, so wagten im letzten Jahr nur noch 309.900 den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Jahr 2004 waren es noch pralle 572.500 Gründer. Laut RP Online beruft sich die Bundesregierung bei diesen Angaben auf Daten des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn und auf den KfW-Gründungsmonitor.

Diese Zahlen seien keine Neuigkeit und würden auch keinen Trend belegen, konterte das Magazin Gruenderszene.de.  Es verwies auf steigendes Wachstum bei den so genannten Chancengründern. Die steigen mit einer konkreten Idee und freiwillig in eine selbstständige Tätigkeit ein – im Gegensatz zu Notgründern. So bezeichnet man Existenzgründer, die aufgrund drohender Arbeitslosigkeit gründen.

Gekürzte Zuschüsse und administrative Hürden

Fest steht, dass Startups in den Medien offiziell im Trend liegen und es zahlreiche Informationsangebote für Gründer und Startup-Unternehmer gibt – mehr als je zuvor. Die tatsächliche Gründung an sich wird für Einzelkämpfer aber deutlich erschwert, etwa durch organisatorische Hürden. Nicht zu vergessen: Es gibt keinen Rechtsanspruch mehr auf einen Gründungszuschuss durch die Arbeitsagentur.

Wer diesen Zuschuss erhält, liegt nun ganz im Ermessen der für den Gründer zuständigen Stelle der Arbeitsagentur. Dort werden das Konzept und die „persönliche Eignung“ geprüft. Nur wer hier besteht, kann auf eine Geldspritze hoffen.

Weitere Zuschüsse können Gründer für eine Betreuung oder ein Coaching erhalten: Bis zu zwei Jahre nach der eigentlichen Existenzgründung kann so ein Gründer-Coaching-Zuschuss beantragt werden. Das Geld steht nicht als frei verfügbares Kapital, sondern ausschließlich für eine wirtschaftliche, finanzielle und organisatorische Beratung zur Verfügung.

Auch mit solch einem bezuschussten Gründercoaching steht jeder, der sich selbstständig machen möchte, allerdings immer noch vor einer Wand aus administrativen Anforderungen. So muss jeder Existenzgründer für das eigene Berufsfeld noch eine ganze Reihe spezifischer Auflagen erfüllen und sich dabei – um ein Beispiel zu nennen – für oder gegen die Kleinunternehmerregelung entscheiden.

Unternehmensgründerinnen und –gründer, die umsatzsteuerpflichtig sind, müssen außerdem in den ersten zwei Kalenderjahren ihre Umsatzsteuervoranmeldungen monatlich abgeben, und zwar jeweils bis zum 10. Tag des nachfolgenden Kalendermonats.

All das findet in der Startphase statt. Eine Zeit, in der es für Existenzgründer doch vielmehr darauf ankommt, sich ganz und gar auf den Aufbau des Startups zu konzentrieren. Stattdessen müssen sie um die entstehende Existenz fürchten und sich um administrative Zusatzaufgaben kümmern. Das schreckt ab.

„Kaum Zeit, dem eigentlichen Job nachzugehen…“

Restaurantgründer und Gastronom Roberto Vaga aus Düsseldorf berichtet aus seinem ersten Jahr und den Startschwierigkeiten mit seinem Restaurant „papadellapasta“:

„Wir haben viel zu viel Bürokratie erlebt. Zu viele Regeln von allen Seiten. Wir möchten für die Gäste da sein und unser Gastro-Können unter Beweis stellen. Doch ist die Hälfte des Personals damit beschäftigt Listen auszufüllen, damit Krankenkassen, Zoll, Ordnungsamt und alle weiteren Behörden zufrieden gestellt werden. Dabei hat das Personal kaum noch Zeit seinem eigentlichen Job nachzukommen.“. Eine typische Gründungsgeschichte in Deutschland…

Kein Wunder, dass auch Stimmen wie die der Grünen-Politikerin Kerstin Andreae laut werden. Sie wünscht sich eine innovativere Gründungskultur und spricht von einer „Welpenschutz-Phase“, in der ein Selbstständiger beispielsweise nicht auch noch die monatliche Umsatzsteuererklärung am Hals hat.

Existenzgründer: Risiken, Erfolgsaussichten und Selbstverwirklichung

Klar ist: Wer sich fest dafür entschieden hat, eine aussichtsreiche Idee als Grundlage einer Geschäftsgründung zu nehmen, wird sich von Statistiken und Umsatzsteuererklärungen nicht abhalten lassen. Und letztlich: Risiken und Erfolgsaussichten halten sich für jeden Existenzgründer die Waage. Neben administrativem Aufwand und Überstunden hat es schließlich auch diverse Vorteile, wenn man selbst ein Unternehmen aufbaut:

  • Viele Selbstständige haben durchschnittlich ein viel höheres Einkommen als Angestellte mit vergleichbarer Qualifikation.
  • Sie genießen für ihren Einsatz eine freie Zeiteinteilung und sind der eigene Chef.
  • Gründer legen selbst fest, was sie tun und was sie delegieren möchten und haben die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen.
  • Außerdem lassen sich viele Gründungsideen auch nebenberuflich austesten und Gründer können auf eine Vielzahl von Ressourcen zugreifen.

Kein Wunder also, dass trotz sinkender Durchschnittswerte der Anteil an freiwilligen „Chancengründern“ mit guten Erfolgsaussichten steigt – und Startups sowie Geschäftsmodelle für Existenzgründer in der Berichterstattung in den Medien wohl auch weiterhin im Trend liegen werden.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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