27.08.2015 · smart steuern ·

Bis dass der Tod euch scheidet – der Ehegattenunterhalt (Serie, Teil 27)

War das ein Sommer! Ich war auf sage und schreibe drei Hochzeiten eingeladen. Traumhafte Feste, wenn Sie mich fragen, wenn auch nicht immer mit optimalen Wetter. Egal, leider hatte sich auch bis zu diesen Feiern herumgesprochen, wo ich arbeite. Und zu fortgeschrittener Stunde kamen dann auch die Fragen: Lohnt es sich aus steuerlichen Gründen zu heiraten? Und noch zwei Stunden später: Was passiert bei einer Scheidung und was ist mit Ehegattenunterhalt? Lesen Sie, wie ich mich aus der Affäre zog…

Romantik ist offensichtlich nicht alles

Um es vorweg zu sagen: Die Fragen kamen immerhin nicht vom Brautpaar. Ich werde aber trotzdem lieber nicht erwähnen, wer sie gestellt hat. Die erste Frage konnte ich kurz und knapp beantworten: Es kann sich finanziell lohnen, aus steuerlichen Gründen zu heiraten. Muss es aber nicht. Ich zückte dazu mein Smartphone, öffnete den smartsteuer Blog, tippte im Suchfeld „Heiraten“ ein – und schon hatte ich meinen Artikel „Lohnt es sich zu heiraten? Alles zu Steuerklassen (Serie, Teil 7)“ geöffnet.
So gut hatte ich es beim Thema Scheidung leider nicht. Also vertröstete ich den Fragesteller M. auf einen der nächsten Blogbeiträge. Und da sind wir nun, es gibt ja bestimmt noch mehr Interessenten für das Thema.

Unterhalt ist nicht nur Ehegattenunterhalt

Das Thema Scheidung hat natürlich ungeheuer viele rechtliche Aspekte, die ich hier nicht im Ansatz komplett erläutern kann. Ich konzentriere mich deshalb auf das wichtigste steuerliche Thema in diesem Zusammenhang: den Unterhalt.
Die grobe Unterscheidung lautet hier: Kindesunterhalt lässt sich generell nicht steuerlich absetzen. Ehegattenunterhalt sehr wohl. Und hier können die ehemaligen Eheleute weiterhin trefflich streiten. Warum? Steht im nächsten Kapitel.

Zwei Möglichkeiten für die Steuer

Ja, Sie lesen richtig. Es gibt sogar zwei Wege, um den Unterhalt abzusetzen. Aber, sagen wir es höflich: Beide haben auch Nachteile…

Lösung 1: Ehegattenunterhalt als außergewöhnliche Belastung absetzen

Klingt erstmal nicht schlecht. Sie können (theoretisch) bis zu 8.352 Euro (696 Euro pro Monat) absetzen. ABER: Der Empfänger des Unterhalts darf nahezu keine eigenen Einkünfte und Vermögen haben. Um genau zu sein 624 Euro. Nicht pro Monat, sondern im gesamten Jahr. Alles was der Ex-Gatte (die Ex-Gattin) mehr hat, wird von den 8.352 Euro abgezogen. Verdient die Person also 700 Euro im Monat, lässt sich exakt gar nichts absetzen.

Lösung 2: Das sogenannte Realsplitting als Sonderausgabe

Diese Variante überzeugt, zumindest auf den ersten Blick: Bis zu 13.805 Euro (rund 1.150 Euro pro Monat) kann der Unterhaltszahler von der Steuer absetzen. Dafür gibt es sogar ein Extra-Bereich Unterhalt in der Steuererklärung. Toll, oder?
Doch jetzt kommt der Haken. Das funktioniert nur, wenn der Ex-Partner dieser Regelung schriftlich zugestimmt hat. Grund: Er/sie muss die Unterhaltszahlung auch in seiner/ihrer Steuererklärung angeben. Und Sie ahnen es vielleicht, da liegt der Hase im Pfeffer. Denn bei einer nicht so gütlichen Trennung wird diese Unterschrift dann auch gern als Druckmittel benutzt. Prinzipiell gilt aber: Entstehen dem Unterhaltsempfänger finanzielle Nachteile durch das Realsplitting, muss der Unterhaltszahler diese ausgleichen. Weigert sich der Unterhaltsempfänger ohne Grund die Unterschrift zu leisten, kann der Unterhaltszahler das einklagen.

Zusammenfassung: Ehegattenunterhalt lässt sich prinzipiell von der Steuer absetzen, es gibt aber einige Fallstricke zu beachten.

 

Zum vorherigen Teil der Serie:
Urlaub von der Steuer absetzen – wie soll das denn gehen? (Serie, Teil 26)

 

 

Theresa Voigt Geschrieben von:

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