09.12.2015 · smart steuern ·

Glück im Spiel – Pech in der Steuer? (Serie, Teil 34)

Es ist gar nicht so lange her, da schrieb ich hier einen Beitrag über das Versteuern von Lottogewinnen. Offenbar ein interessantes Thema, denn auch danach fragten mich Freunde immer wieder, was mit großen Geldgewinnen bei der Steuer passiert. Was ist mit Sportwetten, was ist mit Spiel- oder Quizshows im TV, was bei Kartenspielen wie Skat oder schließlich sogar Poker? Eine Weile vertröstete ich meine Freunde. Doch weil sich jetzt sogar der Bundesfinanzhof mit Pokern beschäftigte, will ich mal etwas Licht ins Dunkle bringen.

Glück oder Können – das ist hier die Frage

Früher, sagen viele, früher war alles besser. Das stimmt natürlich nicht, zumindest nicht immer. Aber: früher war immerhin vieles einfacher. Richtig abräumen konnte man nur beim Lotto, vielleicht auch noch bei Pferdewetten oder Sportwetten. Gewinne daraus waren und sind erstmal steuerfrei. Die einfache Begründung: Es handelt sich um echte Glücksspiele. Im Wesentlichen entscheidet der Zufall, also das Glück, ob man gewinnt oder verliert. Bevor ich es vergesse: Wer seinen Gewinn anlegt, muss dann aber doch noch Steuern zahlen, etwa auf die Zinsen.
Merke also: Ist ein Gewinn vor allem vom Glück abhängig, muss er nicht versteuert werden.

Der manchmal schmale Grat

Heute ist die Welt schwieriger geworden. Es gibt viel mehr Möglichkeiten, spielerisch an das große Geld zu kommen. Wer zum Beispiel bei „Wer wird Millionär“ oder „Schlag den Raab“ gewinnt, hat das zwar vor allem seinem Wissen, seinem Können oder seinen körperlichen Fähigkeiten zu verdanken – und nicht dem puren Glück. Eine Entscheidung darüber, ob die Gewinne tatsächlich versteuert werden müssen, gibt es aber bisher nicht. Gewinner sollten sicherheitshalber einen beträchtlichen Teil ihres Gewinns beiseite legen, um nicht Jahre später von immensen Steuerforderungen überrascht zu werden.
Denn genau das passierte Sascha Sirtl, der 2005 bei „Big Brother“ eine Million Euro gewann. Viel später stand das Finanzamt sinnbildlich vor der Tür und wollte rund eine halbe Million Euro Steuernachzahlung. Die Sascha Sirtl nicht mehr hatte…
Er zog durch die Instanzen, bis zum Bundesfinanzhof in München. Der entschied 2012 aber, dass der Gewinn unter „Sonstige Einkünfte“ versteuert werden muss (Az.: BFH, IX R 6/10). Das Preisgeld ist so etwas wie eine Gegenleistung für die „Arbeit“ des Kandidaten im Container. Sirtl zog sogar noch vors Bundesverfassungsgericht, das seine Beschwerde aber in diesem Jahr ablehnte.

Poker und andere Kartenspiele

Kommen wir aber nun zu den Kartenspielen. Auch hier muss wieder gefragt werden: Glück oder Können – Zufall oder Geschick? Schon 1993 entschied der Bundesfinanzhof, dass Skat, Rommé und auch Backgammon zu den Geschicklichkeitsspielen gehören – und Gewinne deshalb als Einkommen versteuert werden müssen.
Poker hingegen galt lange Jahre als Glücksspiel. Bis sich das Finanzamt Köln-Mitte den erfolgreichen Pokerspieler Eddy Scharf „vorknöpfte“. Der ehemalige Flugkapitän hatte immer wieder beträchtliche Gewinne bei Pokerturnieren erzielt, zum Beispiel im Jahr 2008 rund 122.000 Euro. Sein Fall landete schließlich vor dem Bundesfinanzhof, das kürzlich sein Urteil fällte (Az. X R 43/12). Übrigens erstmals in Sachen Poker.

Kurz zusammengefasst: Erfolg bei den gespielten Turniervarianten, etwa „Texas Hold´em“, hängt nicht nur vom Zufall, sondern auch vom Geschick des Spielers ab. Zudem wurde dem erfolgreichen Pokerspieler bescheinigt, dass er Pokern als Gewerbe betreibe.

Was heißt das nun für andere Pokerspieler? Leider nichts Genaues! Denn erstens beschränkten sich die Richter nur auf Pokerturniere und klammerten Poker in Casinos oder im Internet aus der Betrachtung aus. Auch die Frage, ab wann man als Pokerspieler genau zum Gewerbetreibenden wird (und deshalb Steuern zahlen muss), blieb offen. Wichtig seien dafür Nachhaltigkeit und Gewinnerzielungsabsicht. Doch diese Begriffe lassen sich weit fassen.
Wegen dieser rechtlichen Unsicherheit sollten Pokerspieler Einnahmen, aber auch Ausgaben protokollieren. Und im Zweifel Teile von Gewinnen für mögliche Steuerforderungen beiseite legen.

Zusammenfassung: Gewinne aus Glücksspielen sind steuerfrei. Spielt das Geschick bei Spielen eine erhebliche Rolle, werden immer öfter Steuern vom Finanzamt eingefordert.

 

Zum vorherigen Teil der Serie: Durchblick: Lässt sich eine Brille von der Steuer absetzen? (Serie, Teil 33)

 


Theresa Voigt Geschrieben von:

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Dr. Carsten Kettner sagt:

    Ein nettes Beispiel, dass auch sowohl der Umgang mit dem Finanzamt als auch die Rechtsprechung ein reines Glücksspiel sind und daher nicht steuermindernd bei der Steuererklärung geltend gemacht werden können.

  • Avatar Eduard Scharf sagt:

    Skat, Rommee und Backgammon zählen zu den Geschicklichkeitsspielen! Genau deswegen dürfen sie im Casino nicht angeboten werden. Anders beim Pokern. Der BFH sagt aber: „Was die Verwaltungsgerichte sagen, interessiert uns nicht. Wir entscheiden anders, weil dann können Steuer erhoben werden.“
    Auch Glücksspiele können versteuert werden. Es muss nur ein Trottel vorbeikommen und erklären, dass es kein reines!!!! Glück ist, und schon wird rückwirkend!!!!! anders entschieden. Dass Roulette nicht (noch nicht) versteuert wird, liegt einfach daran, dass denen noch keiner erklärt hat, dass es Kesselgucker gibt usw


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