02.01.2016 · smart steuern ·

Die Steuererklärung: 10 Irrtümer, die Sie auch schon begangen haben…! (Serie, Teil2)

Nach dem ersten Irrtum hat es eine Weile gedauert, bis ich den zweiten Irrtum im Bezug auf Steuern, der mir immer wieder begegnet, niederschreiben konnte. Nun geht es also endlich weiter mit einem neuen beliebten steuerlichen Irrtum.

Was Zahnarztbesuche und steuerliche Überlegungen miteinander zu tun haben
Letzte Woche war ich beim Zahnarzt und während ich mit offenem Mund dalag und das Ende der Behandlung herbeisehnte, versuchte ich mich abzulenken. Und zwar mit der folgenden Überlegung: Was hat mein Zahnarzt wohl für eine Einkunftsart? Der ist selbstständig mit seiner Praxis und wirtschaftet für sich.

Alles hat seine Schublade – auch die Einkünfte

Im Steuerrecht gibt es sieben verschiedene Einkunftsarten. In die werden alle Einkünfte, die steuerpflichtig sind, eingeordnet. Was nicht in diese Kategorien passt, wird auch nicht versteuert.
Warum es gerade bei zwei bestimmten Einkunftsarten wichtig ist, diese zu unterscheiden und wie man das tun kann, erfahren Sie hier.

Selbstständigkeit = Einkünfte aus Selbstständiger Arbeit?
Wir kennen sie alle: die Leute, die selbstständig arbeiten und damit ihr eigener Chef sind. Aber heißt das, weil ich mein eigener Chef – also »selbstständig« bin -, dass ich automatisch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit habe?

Nein, von der Bezeichnung direkt auf eine steuerliche Einkunftsart zu schließen, ist leider falsch. Ein Selbstständiger kann grundsätzlich zwei Einkunftsarten haben: entweder Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (Freiberufler) oder Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Nicht jeder »Selbstständige« hat also auch Einkünfte aus selbstständiger Arbeit.

Freiberufler oder Gewerbebetrieb? Warum ist das wichtig?
Die Unterscheidung ist für die Steuererklärung vor allem wichtig, weil an die Einkunftsart »Gewerbebetrieb« noch eine weitere Steuer, neben der Einkommensteuer, geknüpft ist:

Die Gewerbesteuer!

Eine Gewerbesteuerpflicht existiert bei Einkünften aus selbstständiger Arbeit nicht, nur bei Einkünften aus Gewerbebetrieb.
Aber machen Sie sich keine Sorge, dass auf kleine Gewerbetreibende nun noch eine weitere Steuer zukommt. Bei der Gewerbesteuer gibt es einen Freibetrag von 24.500€ für natürliche Personen. Das bedeutet, dass erstmal ein Gewinn in dieser Höhe überschritten sein muss, damit überhaupt Gewerbesteuer anfällt.
Formal ist es als Gewerbetreibender richtig eine Gewerbesteuererklärung abzugeben. Und gerade bei wachsenden Einzelunternehmen kann es nützlich sein: gewerbesteuerliche Verluste, die in den ersten Jahren aufgebaut werden, können in den folgenden Jahren verrechnet werden, so dass dann weniger Gewerbesteuer gezahlt werden muss.

Zuordnung – aber wie?
Die Einordnung der Tätigkeit in eine der beiden Einkunftsarten bringt einige Verwirrungen und auch viele Streitigkeiten vor den Finanzgerichten mit sich. Fast hat man das Gefühl, dass, wenn die Zuordnung zu einer der beiden Einkunftsarten nicht lupenrein machbar ist, die Finanzverwaltung gerne für Einkünfte aus Gewerbebetrieb plädiert.
Wie sehen die grundsätzlichen Vorgaben aus?

Freiberufler
»Einkünfte aus selbstständiger Arbeit« sind vor allem Einkünfte aus den so genannten Katalogberufen, die im Gesetz (§ 18 Abs. 1 EStG) aufgezählt sind. Hierunter fallen z.B. niedergelassene Ärzte, Ingenieure oder auch Dolmetscher mit eigenem Betrieb.
In den meisten Fällen handelt es sich um Berufe, für die ein Hochschulstudium erforderlich ist, oder Berufe, die denen ähneln (z.B. Ärzte – Heilpraktiker). Dazu kommen noch folgende Tätigkeiten, die selbstständig ausgeübt werden: wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende und erzieherische.
Mein Zahnarzt ist also Freiberufler, weil er einen Katalogberuf ausübt und er hat Einkünfte aus selbstständiger Arbeit und muss keine Gewerbesteuer zahlen. Hebammen, Logopäden und Kompasskompensierer auf Seeschiffen sind übrigens auch Freiberufler.

Gewerbetreibende
Alle Unternehmer, die Handel betreiben oder ein Handwerk ausüben, fallen unter die »Einkunftsart Gewerbebetrieb«. Auch Mitunternehmer einer OHG oder KG sind hier einzuordnen.
Die Unternehmer haben auch ein Gewerbe angemeldet und sind gewerbesteuerpflichtig.
Das zahnärztliche Labor, welches (in ganz vielen Jahren hoffentlich erst) dritte Zähne für mich anfertigt, ist dagegen Gewerbebetrieb. Laut BFH (BFH, 19.10.1965 – I 415/62 U) wird von dem Zahntechniker kein „einem Zahnarzt ähnlicher Beruf“ ausgeübt und außerdem hat die Tätigkeit eine handwerkliche Ausrichtung.
Zur Informaton nebenbei: Profisportler sind auch Gewerbetreibende, sowie Fleischbeschauer und Kükensortierer.

Auch interessant:

Der Geschäftsführer einer GmbH ist Chef einer Firma und selbst und ständig für die Belange der Firma da. Steuerlich gesehen ist der GmbH-Geschäftsführer aber gar kein selbstständiger Unternehmer. Er ist bei seiner GmbH angestellt und erhält damit Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit.

Als Selbstständiger muss man also darauf achten, dass man in der Steuererklärung die richtige Einkunftsart wählt. Bei Gewerbetreibenden gibt es zusätzlich zur Einkommensteuer- auch die Gewerbesteuerpflicht. Eine Gewerbesteuererklärung ist mit smartsteuer nur möglich, wenn eine EÜR (Einnahmen-Überschuss-Rechnung) im Bereich Gewerbebetrieb angelegt worden ist.

Juliane Bunte Geschrieben von:

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Katharina sagt:

    Will mich im Mai 2016 auch gerne selbstständig machen und würde dann einen Steuerberater nehmen für alles, wenn es bezahlbar ist *Lach LG Katharina

  • Jennifer Dittmann Jennifer Dittmann sagt:

    Hallo Herr Fast,

    a) Diese muss Ihre Bank Ihnen mitteilen.
    b) Ich bin mir nicht sicher was Sie genau meinen. Wenn Sie Ihre Wertpapiere im Ausland verkaufen muss auf die gesamten thesaurierten Erträge Abgeltungssteuer abgeführt werden. Die bereits abgeführte Abgeltungssteuer aus den Vorjahren wird natürlich in der Steuererklärung angerechnet.

  • Das sind nämlich genau die Feinheiten über die Menschen, die sich nicht beruflich mit Steuern außeinandersetzen, nicht Bescheid wissen. Vor allem als Freiberufler, denke ich, ist es echt notwendig sich beraten zu lassen.


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