04.01.2016 · smart steuern ·

Bringt ein neues Gesetz endlich moderne Zeiten bei der Steuer?

Prinzipiell sollte man sich wohl erstmal freuen, wenn das Bundeskabinett ein neues Gesetz verabschiedet, in dem es um Steuern geht. Denn schlimmer als bisher kann es ja auch kaum werden. Also freuten wir uns wenigstens ein bisschen auf den – einmal tief Luft holen – „Gesetzentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“. Modernisierung, das klingt doch vielversprechend, dachten wir zumindest.
Was auf den 149 Seiten des Gesetzentwurfs steht, ob das Ganze dem Steuerzahler überhaupt was bringt und ob wir uns nach der Lektüre immer noch freuten, lesen Sie hier.

Der automatische Steuerbescheid kommt

Die wohl größte Neuerung zuerst: Kollege Roboter zieht in die Finanzämter ein! Denn die meisten Steuererklärungen sollen dort in Zukunft vollautomatisch bearbeitet werden. Wobei die Zukunft im Jahr 2017 beginnen soll, flächendeckend aber wohl erst im Jahr 2022. Finanzbeamte werden deshalb aber nicht „arbeitslos“. Sie widmen sich den Steuerfällen, die ein Risikomanagementsystem als auffällig ausgemacht hat. Die Kriterien, nach denen das System diese Entscheidungen trifft, unterliegen aber der Geheimhaltung. Zudem soll es zufällige Stichproben geben. Und schließlich ist geplant, dass jeder in der Steuererklärung darauf hinweisen kann, dass sich ein Mensch um seine Erklärung kümmern soll, wenn er „von einer gängigen Rechtsauffassung abweichen will“. Prost Mahlzeit! Die meisten Bürger haben schon genug Probleme, die Steuer einfach nur zu „erklären“. Jetzt sollen sie den Finanzbehörden auch noch Nachhilfeunterricht erteilen?
Die Finanzbehörden wird das ganz sicher entlasten. Für den Steuerzahler ändert sich aber fast nichts im Vergleich zu heute. Möglicherweise geht es etwas schneller, aber schon jetzt gilt: Wer seine Steuererklärung elektronisch abgibt, etwa mit Hilfe unserer Online-Lösung smartsteuer, profitiert von einer schnelleren Bearbeitung.

Belege ja, aber nicht mehr per Post

Was wirklich wenigstens ein bisschen hilfreich ist: Belege sollen in der Regel nicht mehr zum Finanzamt geschickt werden müssen. Das heißt nicht, dass man sie nicht mehr sammeln muss. Auf Anforderung sind sie natürlich vorzuweisen, bis der Steuerbescheid endgültig, das heißt bestandskräftig ist. Also heißt es weiter sammeln. Und weil wir gerade am Anfang des Jahres sind und Sie vielleicht noch einen guten Vorsatz brauchen: Nehmen Sie sich einfach vor, regelmäßig einmal im Monat ihre Belege, Quittungen und alle anderen steuerrelevanten Unterlagen zusammenzutragen. Das kostet nicht viel Zeit und spart eine Menge Ärger.

Vorausgefüllte Steuererklärung

Nicht komplett neu ist die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung. Schon heute lassen sich zum Beispiel die Daten der elektronischen Steuerkarte digital abrufen und müssen nicht mehr in die Steuererklärung am Computer eingetippt werden. Dieser Belegabruf soll ausgebaut und vereinheitlicht werden. Klingt im ersten Moment gut, ist es aber nicht. Denn: Erstens ist der Beantragungsprozess für sich genommen schon komplexer und zeitraubender als eine gängige Steuererklärung. Zweitens gibt es ganz sicher viele, die sich dann nicht mehr die Mühe machen, die anderen Ausgaben mühselig einzutragen. Obwohl ihnen dadurch Steuerrückzahlungen entgehen. Ein As, mit dem der Staat schon lange spielt: 500 Millionen Euro bleiben Jahr für Jahr in den öffentlichen Kassen, weil viele Steuerzahler vor dem komplizierten Steuersystem kapituliert haben und so Geld verschenken.

Wer zu spät kommt… der zahlt

Etwas tun soll sich auch bei den Abgabefristen und Verspätungszuschlägen. Wer eine Steuererklärung abgeben muss – und dies ohne Steuerberater macht – muss wie bisher Ende Mai des Folgejahres abgegeben haben. Hilft ein Steuerberater, hatte der bisher schon 12 Monate, nach dem neuen Gesetz sogar 14 Monate Zeit. Aber: Gab es bisher bei Verspätungen keine festen Regelungen und drückten die Finanzbeamten schon mal ein Auge zu, so sollen künftig bei grundlosem Versäumnis pro Monat mindestens 50 Euro Zuschlag fällig werden.  

Fazit

Es geht in diesem Gesetzentwurf nicht etwa um eine große, längst überfällige Steuerreform. Diese Chance hat die Große Koalition trotz ihrer breiten Mehrheit vertan. Steuerberater atmen auf. Es geht stattdessen „nur“ um eine vermeintliche Modernisierung des Besteuerungsverfahrens, die letztlich Symptome einer zu komplexen Steuergesetzgebung bekämpft.
Freuen können wir uns darüber nicht – und von modernen Zeiten sind wir im Bereich Steuern auch mit dem neuen Gesetz weit entfernt.

Für den Steuerzahler wird sich kaum was ändern, vor allem nicht zum Besseren.

Geschrieben von:
Björn Waide Niemals hätte Björn während seines Informatik-Studiums gedacht, dass Steuerthemen so spannend sein können. Nun ist er Geschäftsführer der smartsteuer GmbH und völlig begeistert von der Online Steuererklärung. Dabei setzt Björn in Diskussionen immer die Kundenbrille auf. Björn hält das smartsteuer Rudel zusammen und fokussiert es auf das gemeinsame Ziel: Die einfachste Steuererklärung.
Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Carsten Kettner sagt:

    Dass die elektronische Abgabe der Steueerklärung den Vorgang beim FA beschleunigt, halte ich für ein Gerücht.
    Ich gebe seit Jahren meine Steuererklärung elektronisch ab und nie habe ich meinen Bescheid früher als nach drei Monaten bekommen, in der Regel waren es vier bis fünf Monate. Ich mache mir daher auch keine Illusionen darüber, dass es in Zukunft schneller gehen wird.

  • Avatar Valentino sagt:

    Moderne Zeiten sorgen in diesem Fall für eine bessere Methode für die übrig gebliebenen Finanzbeamten Geringverdienern und Mittelständlern (50 Euro Zuschlag pro Monat bei zu später Abgabe) noch präziser das Geld aus der Tasche zu ziehen. Unser Steuersystem sollte Verschiebungen zugunsten der Normalverdiener vorsehen. Es kann nicht sein, dass immer nur die Masse der Bürger für alles aufkommen muss. Jeder Haushalt sollte die Möglichkeit haben seine Steuern zu dezimieren. Weg mit Freibeträgen – hin zu Steuern, die fair sind und ein Ende für die kalte Progression! Wir benötigen in Europa für alle Länder ein einheitliches Besteuerungssystem. Die Wirtschaft wird durch monatlich mehr Nettoeinkommen angekurbelt und nicht nur zu Weihnachten oder im Sommer bei der Auflösung von Spargeldern.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)