19.01.2016 · smart leben ·

Die häufigsten Steuerfehler von Gründern

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die sechs häufigsten Steuerfehler von Existenzgründern und Startups in Form eines Merkblatts zusammengestellt, um Gründer bei der Vermeidung typischer Steuerfallen aktiv zu unterstützen.

Die ersten Monate und Jahre entscheiden nämlich häufig über Erfolg und Misserfolg. Viele Existenzgründer müssen bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit aufgeben und Insolvenz anmelden.

An mangelnder Vorbereitung liegt es nur selten. Weder die Bereitschaft zu erhöhtem Arbeitseinsatz noch das Wahrnehmen finanzieller Förderoptionen kann einen Gründer noch retten, der sich nicht rechtzeitig finanziellen Überblick verschafft oder seine Unterlagen auf Dauer nicht ordentlich genug geführt hat.

Denn ins Kippen geraten Jungunternehmer vor allem durch Fehlentscheidungen die eigene Organisation – insbesondere ihre Steuerpflichten betreffend.

Das sind die sechs Fehler, die den meisten scheiternden Gründern existenziell gesehen das Genick brechen:

1. Eine GmbH-Gründung, bevor diese nötig und sinnvoll ist

Der Nachteil einer GmbH: Es fällt Lohnsteuer für das Gehalt des Geschäftsführers an. Auch dann, wenn das frisch gegründete Unternehmen noch gar keinen Gewinn erzielt.
Zu früh sollten Gründer also nicht die Rechtsform GmbH wählen – oder mit der UG beginnen. Es wird zwar nicht bei den sechs häufigsten Fehlern aufgeführt, aber Gewinne einer UG dürfen nicht in voller Höhe ausgeschüttet werden, auch das kann problematisch werden:

25 Prozent des Gewinns müssen so lange in eine gesetzliche Rücklage fließen, bis das Mindeststammkapital von 25.000 Euro aufgebracht ist und die UG in eine GmbH umgewandelt werden kann.

2. Zu niedrige Steuervorauszahlungen, statt sie anzupassen

Viele Gründer erleben im dritten Jahr nach Gründung einen weit größeren Steuerknall als erwartet. Zum ersten Mal liegt dann nämlich dank erster Gewinne ein Einkommensbescheid in nennenswerter Höhe vor:

Jetzt fällt nicht nur Steuer an, oft auch unerwartet viel. Das Finanzamt möchte auch noch Nachzahlungen für im schlimmsten Fall zwei oder drei gute Jahre, wenn der erste Einkommenssteuerbescheid erst nach zwei Jahren vorliegt. Und dann passt es zusätzlich noch die Vorauszahlungen an, will einen Vorschuss fürs laufende Jahr.

Dadurch entstehende ernsthafte finanzielle Engpässe nehmen Unternehmern den Handlungsspielraum und können zur Insolvenz führen – ein guter Grund, die Vorauszahlungen freiwillig und von selbst weit nach oben anpassen zu lassen, um den Aufprall zu dämpfen, wenn der nächste Bescheid kommt.

Außerdem sollten viele Gründer die eigenen Rücklagen deutlich erhöhen, um für solche und andere Eventualitäten gerüstet zu sein.

3. Fehlende Arbeitsverträge in Familienunternehmen

Wo gegründet wird, helfen oft alle Verwandten mit, damit der Start gut läuft. Aber wenn Ehefrau oder andere Familienmitglieder unentgeltlich und ohne Verträge über die Zusammenarbeit helfen, verschenkt die arbeitsame Familie auch viele Steuern.

Denn bei der Einkommensteuer hat jedes Familienmitglied vom Großvater bis zum Neugeborenen eine ganze Reihe an persönlichen Freibeträge, die oft ungenutzt verfallen.
Wenn Familienangehörige auch Geld verleihen oder Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, bietet es sich in vielen Fällen an, für diese Hilfestellungen reguläre Mietverträge und Darlehensvereinbarungen abzuschließen.

4. Falsches Timing bei der Umsatzsteuer

Eine Vielzahl von Gründern beantragt in der Anfangsphase dauerhaft eine Fristverlängerung zur Voranmeldung der Umsatzsteuer. Gleichzeitig mögliche Vorsteuer-Erstattungen kommen dann aber auch erst einen Monat später.

Bei großen Anschaffungen kann es sich um ebenfalls große Beträge handeln, die erst vier Wochen später zur Verfügung stehen.

5. Andere Fehler bei der Umsatzsteuer

Damit der Vorsteuerabzug funktioniert, muss auf allen Belegen für gekaufte Waren und Dienstleistungen die Mehrwertsteuer ausgewiesen sein – sonst wird der Abzug nicht anerkannt und die Vorsteuer nicht erstattet.
So verschenken Selbstständige bares Geld.

6. Mängel in der Buchführung

Nicht nur zu wenig oder zu späte Umsatzsteuerzahlungen und –erstattungen können problematisch werden. Auch andere Mängel in der Buchführung wie falsche Kontierung, das Verbuchen unvollständiger Belege und verzögerte Abgaben können zu Ärger führen.

Bei Anträgen auf Herabsetzung von Steuervorauszahlungen können dem Finanzamt dann oft auch keine aussagefähigen Unterlagen vorgelegt werden, was die Überzeugungsarbeit erschwert oder verhindert.
*

Wir kennen noch einen Steuerfehler, der sich ungünstig auswirken kann: Zu lange mit der Steuererklärung warten, obwohl vielleicht sogar eine Erstattung erfolgt.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)