20.01.2016 · smart steuern ·

Freistellungsaufträge sind künftig nur mit Steuer-ID gültig

Eine der aktuellen Gesetzesänderungen zum Jahresanfang betrifft Freistellungsaufträge für Zinsen und Dividenden: Ohne die Angabe einer Steueridentifikationsnummer werden die bestehenden Aufträge gelöscht.

Es kann dann passieren, dass Sie Steuern für Kapitalerträge zahlen, die bisher von Ihrem Freistellungsauftrag abgedeckt wurden.

Freistellungsaufträge für Geldanlagen erteilen Sparer einer Bank immer dann, wenn sie die steuerliche Belastung von Kapitalerträgen bis zu einem bestimmten Betrag verhindern wollen.

Dieser Freibetrag für die Freistellung beträgt 801 Euro und setzt sich aus dem Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 750 Euro und einer Werbungskostenpauschale in Höhe von 51 Euro zusammen. Bei Ehepaaren verdoppelt sich der Freibetrag dann auf 1.602 Euro.

Kapitalerträge wie Zinsen oberhalb dieser Grenze unterliegen der Abgeltungssteuer von 25% plus Solidaritätszuschlag von 5,5% plus Kirchensteuer.

Mit der Einreichung eines Freistellungsauftrags stellen Sie also sicher, dass Ihre Kapitalerträge bis zu dieser Höhe von 801 bzw. 1602 Euro steuerfrei bleiben.

Dabei können Sie auch mehrere Freistellungsaufträge bei verschiedenen Geldinstituten stellen und den Freibetrag sinnvoll auf diese verteilen.

Zu den Kapitalerträgen zählen Zinsen, Fondsausschüttungen, Dividenden und realisierte Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften.

Liegen die vereinnahmten Kapitalerträge über dem freigestellten Betrag, führt die Bank die fällige Abgeltungsteuer automatisch ans Finanzamt ab.

Änderungen ab 2016: Ohne Steuer-ID sind alte Freistellungsaufträge ungültig

Bereits seit 2011 müssen alle frisch gestellten Freistellungsaufträge die Steueridentifikationsnummer enthalten.

Die aus elf Ziffern bestehende, persönliche Steuernummer wird allen in Deutschland gemeldeten Bürgern vom Bundeszentralamt für Steuern zugeteilt und ist lebenslang gültig.

Freistellungsaufträge, die vor dem Jahr 2011 gestellt wurden, können von Banken und anderen Geldinstituten jedoch nur noch ausgeführt werden, wenn die Steuer-ID angegeben wurde.

Ohne Steuer-ID werden bei jeder Zinszahlung Kapitalertragssteuern fällig. Diese Steuern können Sparer sich zwar mit der Steuererklärung zurückholen, zum Beispiel mit Hilfe von smartsteuer.

Pragmatischer ist es jedoch, die Steuer-ID für das Konto nachzupflegen und einen neuen Freistellungsauftrag zu stellen.

Auch wenn Sie sich verschätzt haben und Ihre Freistellungsaufträge ungünstig auf verschiedene Geldinstitute verteilt haben, so dass eine Bank zu viel Abgeltungsteuer ans Finanzamt abführt, können Sie mit der Einkommensteuererklärung zu viel gezahlte Ertragsteuern zurückzuholen.

In diesem Fall lohnt sich das Ausfüllen des Steuerformulars: „Einkünfte aus Kapitalvermögen“.

Ein Freistellungsauftrag gilt zwar stets ab dem 1.1. des Jahres, in dem er eingereicht wird für das ganze Kalenderjahr. Doch er gilt auch rückwirkend:

Wer jetzt die Steuer-ID nachreicht, bekommt für das erste Quartal 2016 keine Steuern abgezogen.

Bei vielen Banken geht das inzwischen sogar online.

Warum die Steueridentifikationsnummer?

Mit der Steuer-ID kann das Bundeszentralamt für Steuern zuverlässiger prüfen, ob von Steuerpflichtigen den Freibetrag überschreitende Freistellungsaufträge gestellt werden.

Auch Verwechslungen durch gleich lautende Namen werden so vermieden, denn mit der Steuer-ID können Aufträge eindeutig zugeordnet werden.

Die Steuer-­ID steht auf dem Einkommensteuerbescheid oder auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung. Darüber hinaus kann sie beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) erfragt werden. Das geht auch online auf der Internetseite des BZSt. Die Nummer kommt dann aus Datenschutzgründen per Post.

Prüfen Sie also am besten zeitnah, ob allen Geldinstituten für die vorhandenen Freistellungsaufträge die Steuer-ID zur Verfügung steht – und holen Sie es nach, falls noch nicht erfolgt.

Sonst werden Ihre Freistellungsaufträge aus der Zeit vor 2011 automatisch ungültig und Sie verschenken Ihre Chance auf steuerfreie Kapitalerträge.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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