15.02.2016 · smart leben ·

Das Geschäftskonto – warum es für Selbstständige wichtig ist

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine nebenberufliche Selbstständigkeit oder für eine Existenzgründung basierend auf einer Geschäftsidee. Die Anfangsphase einer Gründung bringt überwältigend viele Aufgaben mit sich und meistens noch nicht besonders viele Einnahmen – kein Wunder also, dass viele Jungunternehmer es aufschieben, sich ein Geschäftskonto zuzulegen.

Das private Konto für den Einstieg ins unternehmerische Leben zu nutzen ist allerdings gar keine gute Idee. Abgesehen davon, dass es den AGB vieler Banken widerspricht, ein privates Girokonto geschäftlich einzusetzen, gibt es noch diverse andere Gründe, die dagegen sprechen.

Geschäftskonto und privates Konto immer getrennt voneinander führen

Noch bevor die erste Privateinlage stattfindet, Kosten gebucht werden oder Einnahmen eintrudeln, sollten Sie unbedingt über ein separates Geschäftskonto verfügen, über das sämtliche Transaktionen laufen. Später wird es schon deswegen schwieriger, weil Kunden und Lieferanten die Kontoverbindung kennen und eine Umstellung zusätzlichen Aufwand bedeutet, weil Sie alle Kontakte informieren müssen.

Das Finanzamt bzw. die Gesetzgebung sehen ein Geschäftskonto für Einzelunternehmer und Freiberufler zwar gar nicht zwingend vor, doch wenn die AGB Ihrer Bank einen entsprechenden Passus enthalten, kann es jederzeit im ungünstigsten Moment Probleme mit dem Zugriff auf Ihr Konto geben. Für eine GmbH, UG oder Ag wiederum sind Firmenkonten dann sowieso gesetzlich vorgeschrieben.

Für Gründer – aber für alle anderen Unternehmer auch – ist einer der wichtigsten Faktoren für den geschäftlichen Erfolg der Überblick über die eigene Finanzsituation. Sie müssen täglich mit einem Minimum an Aufwand erkennen könnnen, wie es um Ihre Finanzen steht.

Das lässt sich um ein Vielfaches leichter bewältigen, wenn private Rücklagen, Ein- und Ausgaben und Umsätze sowie sämtliche anderen geschäftliche Transaktionen sauber voneinander getrennt sind. Nur wer überhaupt erkennt, wenn Zahlungseingänge fehlen oder Steuerrücklagen gefährlich schmelzen, kann rechtzeitig gegensteuern.

Risiken für Inhaber von Geschäftskonten und mehrere Konten für Absicherung

Die Kontoführungsgebühren für Geschäftskonten lassen sich, wie alle anderen geschäftlichen Ausgaben, natürlich steuerlich geltend machen – Sie geben Sie einfach bei der Steuererklärung mit smartsteuer mit an. Für private Girokonten finden sich viele Angebote, die ab einem bestimmen monatlichen Mindestzufluss kostenlos in Anspruch genommen werden können.

Das private Konto sollten Sie nicht nur beibehalten, weil Sie sich dann einfach ein Gehalt als Unternehmer überweisen können, statt jede private Ausgabe als Privatentnahme zu kennzeichnen. Sie sichern sich damit auch ein Stück weit Handlungsfreiheit und nötige Unabhängigkeit, denn:

Jede Bank außer einer Sparkasse darf einem Geschäftskunden jederzeit den Girovertrag kündigen, ohne dass es hierfür einen bestimmten Grund geben muss (Urteil: OLG Bremen vom 9.12.2011, Az. 2 U 20/11). Mit einem bereits existierenden weiteren Konto bei einer anderen Bank ist es wesentlich einfacher, offene Forderungen auszugleichen und in Ruhe eine weitere Option für ein Geschäftskonto zu suchen, zum Beispiel ein Konto bei einer Sparkasse.

Sparkassen dürfen nämlich nach ihren AGBs nicht einfach den Girovertrag kündigen, ohne dafür sachliche Gründe zu haben (BGH Urteil vom 11.3.2003, Az. XI ZR 403/01).

Ebenfalls ein Faktor: Kreditwürdigkeit

Noch ein Detail, die Sie bei der Wahl einer Bank oder Sparkasse bedenken sollten: Unternehmerische Planung erfordert gelegentlich einen Kredit, nicht nur bei Geschäftsgründung. Wenn Sie diesen sinnvollerweise bei Ihrer Hausbank anfragen möchten, kennt diese bereits Ihre Umsätze – auch dann ist es von Vorteil, wenn sich private und geschäftliche Vorfälle nie vermischt haben.

Sparkassen, die Postbank, Volks- und Raiffeisenbanken und Regionalbanken gehören zu den gängigsten „Hausbanken“ kleinerer Unternehmer und Selbstständiger. In jedem Bundesland gibt es außerdem Förderinstitute, die Förderprogramme des jeweiligen Bundeslandes verwalten und sie Gründern und Unternehmen zur Verfügung stellen – meistens auch das mit Hilfe der bzw. über die Hausbank.

Welche Bank kommt in Frage?

Die Hausbank ist ein wichtiger Geschäftspartner jeden Unternehmers, spätestens sobald zusätzlich zur Kontoführung noch Kredite ins Spiel kommen. Hören Sie sich in Ihrem geschäftlichen Umfeld um, ob sich eine bestimmte Bank um Ihre Branche besonders verdient gemacht hat und wo Ihre Partner zufrieden sind.

Im zweiten Schritt entscheiden sowohl Bauchgefühl als auch Fakten, persönlicher Eindruck und Sympathie darüber, ob das Service-Angebot und die dargelegten Konditionen zu Ihrem Bedarf passen.

Informieren Sie sich auf den Internetseiten der Anbieter, aber machen Sie sich unbedingt auch persönlich einen Eindruck von dem Ansprechpartner, der sich zukünftig um Ihre Belange kümmern soll.

Im Idealfall werden Sie nämilch sehr lange und vertrauensvoll mit Ihrer Bank arbeiten, daher lohnt der Aufwand, wenn Sie die Entscheidung für Ihr Geschäftskonto besonders sorgfältig und nur nach detaillierten Vergleichen verschiedener Banken und Sparkassen treffen.


Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Bravo! Noch nie habe ich einen Bericht gefunden, der genau dieses Thema so genau erklärt. Als Gründungscoach erkläre ich seit 14 Jahren genau diese Zusammenhänge, zwar mit dem Erfolg, dass zumindest früher oder später das Privatkonto vom Geschäftskonto getrennt wird bei Kleinst-, Kleinunternehmern und Freiberuflern, aber die Wahl des Bankhauses ist doch eher der persönlichen Empfindung, wie z.B. GLS, weil man ein gewisses Wertegefühl als Gründer aus seiner Verbrauchersicht mitbringt. Ob das per se gut und richtig ist oder andersherum betrachtet, ob es per se gut und richtig ist, dass Sparkasse und Volksbank etc pp sich nicht definitiv viel mehr im Wertesystem der Kunden auch wiederspiegeln lassen, sind wichtige Aspekte des Veränderns bei Banken. Der Beitrag ist gut und wichtig. Schade, dass noch keine anderen Kommentare von Gründern und Unternehmerns dazu hier zu finden sind.


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