22.03.2016 · smart steuern ·

Was ist eine vorausgefüllte Steuererklärung? (Serie, Teil 43)

Sitzen Sie auch gerade über der Steuererklärung? Da muss man ganz schön konzentriert sein, um Zahl für Zahl aus den verschiedensten Unterlagen an der richtigen Stelle richtig einzutragen. Wie schön wäre es, wenn sich die Steuererklärung von allein ausfüllen würde? Wie von Zauberhand sozusagen. Ziemlich schön wäre das, wenn man ehrlich ist.

Und jetzt kommt’s: Das ist gar kein Wunschdenken mehr, denn das gibt es sogar schon. Zumindest prinzipiell und ein kleines bisschen. Ich rede von der vorausgefüllten Steuererklärung (Abkürzung: VaSt). Was es damit auf sich hat, erfahren Sie hier.

Worum geht es in der vorausgefüllten Steuererklärung genau?

Sie ahnen es natürlich, mit Zauberkräften hat das Ganze nichts zu tun. Eher mit Digitalisierung. Denn: Immer häufiger werden unsere „Finanzdaten“ elektronisch (also digital) gespeichert – und vor allem auch gleich elektronisch an die Steuerbehörden übermittelt. Es ist also so, dass zum Beispiel die Daten Ihrer (elektronischen) Lohnsteuerbescheinigung beim Finanzamt vorliegen, Sie sie aber trotzdem in die Steuererklärung eintippen müssen.
Und da kommt die VaSt ins Spiel: Die vorausgefüllte Steuererklärung ist aber beileibe keine fertige Steuererklärung, die Sie einfach abschicken könnten. Die VaSt ist stattdessen nicht mehr als ein Service der Steuerbehörden. Denn damit lassen sich bei der Finanzverwaltung gespeicherte Daten über das Internet abrufen und in die eigene Steuererklärung übernehmen. Aus diesem Grund wird die VaSt auch oft als Belegabruf bezeichnet.  

Was lässt sich abrufen?

Zur Zeit können Sie die folgenden Informationen von den Steuerbehörden abrufen:

  • vom Arbeitgeber übermittelte Lohnsteuerbescheinigungen,
  • Mitteilungen über den Bezug von Rentenzahlungen,
  • Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen,
  • Vorsorgeaufwendungen (etwa Rürup- oder Riesterverträge)
  • Lohnersatzleistungen (etwa Arbeitslosengeld)

Schritt für Schritt sollen in den nächsten Jahren noch weitere Daten abrufbar sein, so sieht es zumindest der „Gesetzentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“ vor.

Das klingt alles in der Theorie nicht schlecht. Auch wenn der Nutzen für den Steuerzahler im Moment eher überschaubar ist, denn um so schrecklich viele Daten geht es noch nicht. Immerhin werden so Tippfehler vermieden. Das große Aber: Jeder muss trotzdem noch mal überprüfen, ob die abgerufenen Daten tatsächlich stimmen – und diese gegebenenfalls korrigieren.    

Wie funktioniert das Ganze prinzipiell?

Einfach ist die VaSt am Anfang leider auch noch nicht. Das ist vor allem der Sicherheit geschuldet. Denn es muss natürlich gewährleistet sein, dass wirklich nur die Person die Daten abrufen kann, die auch dazu berechtigt ist. Ich skizziere hier in aller Kürze, was Sie machen müssten.

  • Registrierung beim ElsterOnline-Portal: Sie brauchen dort Ihre elfstellige Steuer-Identifikationsnummer und müssen in der kostenlosen Variante ELSTER Basis online Ihre persönlichen Daten eingeben. Dann erhalten Sie per E-Mail unmittelbar eine Aktivierungs-ID und per Briefpost Tage später zusätzlich einen Aktivierungscode. Aus diesen Daten wird online eine sogenannte Zertifikatsdatei generiert. Mit dieser Datei und einer PIN melden Sie sich erstmals bei ElsterOnline an („Login“). Damit sind Sie überhaupt erstmal registriert.
  • Beantragung eines Abrufcodes: Um Belege abzurufen, reicht das aber noch nicht. Zu diesem Zweck müssen Sie zusätzlich einen Antrag bei ElsterOnline stellen. Dann erhalten Sie wiederum per Briefpost ein paar Tage später den sogenannten Abrufcode.

Erst mit Zertifikatsdatei, PIN und Abrufcode ist der Belegabruf schließlich überhaupt möglich.

Zusammenfassung: Die vorausgefüllte Steuererklärung ist ein Service der Steuerbehörden, mit dem sich Steuerdaten online abrufen lassen. Das bringt heutzutage noch keine großen Erleichterungen für den Steuerzahler. Aber das wird sich in der Zukunft sicherlich noch verbessern.

Zum vorherigen Teil der Serie: Die Top 6 der Gründe, warum Sie eine Steuererklärung machen sollten (Serie, Teil 42)

 


Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Stefan sagt:

    Interessanter und – leider – wahrer Beitrag. Momentan ist es noch mehr Arbeit, sich für den Belegabruf anzumelden als die Daten selbst einzutippen…
    Dennoch eine Frage: unterstützt Smartsteuer denn den Belegabruf, dh kann man die Belege automatisch in die Steuererklärung laden? Habe die Funktion bisher noch nicht entdeckt.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Leider sind wir für das Jahr 2015 noch nicht für die vorausgefüllte Steuererklärung bereit.
    Der Punkt steht aber aus der Agenda.

  • Avatar Konrad sagt:

    Wie sieht es denn mit dem Steuerjahr 2017 aus?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Gut, die Technik arbeitet bereits an einer Umsetzung.

  • Avatar Mario Müller sagt:

    Wäre super wenn man hier Bescheid bekommen könnte! Ich habe mich zwar eben angemeldet bei Smartsteuer, aber wenn die Datenübernahme nicht in absehbarer Zeit kommt, spare ich mir den Stress mit Eintippen und gehe wie schon seit 15 Jahren wieder zu Wiso Steuer… Obwohl ich lieber auf Smartsteuer umsteigen würde, aber nicht um den Preis von Stunden Mehrarbeit.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Herr Müller,
    wir planen derzeit die Technik für die vorausgefüllte Steuererklärung Ende Februar online zu haben.
    Ich hoffe, das passt in Ihren Zeitplan.

  • Avatar Andreas Leinweber sagt:

    Gibt es schon Neuigkeiten wann die vaST funktioniert?
    Ich habe nämlich das Zetrifikat schon auf meinem Rechner gespeichert und würde gerne loslegen 🙂

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Wir planen VaSt Anfang März fertig zu haben. 😉

  • Avatar D.V. sagt:

    gibt es die VaST mittlerweile bei Ihnen im Funktionsumfang? Würde gerne Ihren Dienst kaufen, aber das steht und fällt für mich mit der VaSt-Funktionalität!

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Hallo,

    die vorausgefüllte Steuererklärung zählt auch zu unserem Funktionsumfang. Nach dem Einloggen finden Sie den Funktionalität auf der linken Seite über „Daten abrufen – meine »vorausgefüllte Steuererklärung«“.

  • Avatar S.SU sagt:

    Wo kann ich bei ELSTER die Freigabe für SMARTSTEUER aktivieren?
    Es wird unter Hilfe bei smartsteuer angezeigt -> „dann loggen sie sich bei elster ein und genehmigen Smartsteuer den Belegabruf“.
    Wäre schön wenn hier erklärt werden könnte wo ich das freischalten kann.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Tag,

    besteht bereits ein Benutzerkonto bei ELSTER, dann erhält die Person, für die der Abruf beantragt wurde, von ELSTER eine E-Mail. Diese E-Mail enthält den Hinweis, dass ein Antrag zur Genehmigung vorliegt. Die Genehmigung erfolgt dann online über das bestehende Benutzerkonto bei ELSTER.


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