12.04.2016 · smart leben ·

Gewerbe betreiben vom Home Office aus? Nur mit Erlaubnis

Als Freelancer, selbstständiger Kleinunternehmer oder Dienstleister beginnt so mancher Gründer einfach am heimischen Küchentisch mit der Organisation – was wäre logischer, als mit möglichst niedrigen Kosten dort loszulegen, wo die Gründungsidee geboren wurde?

Ob es überhaupt erlaubt ist, daheim zu arbeiten, fällt dabei zunächst gar nicht ins Gewicht: Wer soll denn als außenstehende Person ahnen, ob man daheim ein Hobby ausübt, nebenberuflich jobbt oder gar den ganzen Tag lang in der Wohnung arbeitet?

Doch ganz so einfach ist es nicht, denn zumindest die gewerbliche Nutzung einer Wohnung ist nur mit einer entsprechenden Genehmigung zulässig.

Gewerbe bleibt selten unbemerkt – sobald Erfolg eintritt

Gewerbliche Tätigkeit hat spätestens bei einsetzendem geschäftlichem Erfolg normalerweise einige Begleiterscheinungen, die auch den friedlichsten Nachbarn nicht verborgen bleiben:

Firmenschilder an der Haustür, Laufkundschaft und ein erhöhtes Besucheraufkommen, denn zu manchen Berufen gehört einfach auch Publikumsverkehr. Büromaterial und Anlieferungen quellen im Posteingang über, Gewerbemüll oder Abfallprodukte wie Versandkartons lassen die Papiertonnen der Hausgemeinschaft überquellen.

Ob teilgewerblich oder ganz als Ausübungsort eines Gewerbes, im Zweifelsfall sind Wohnungen nur zum Wohnen da und es geht gar nichts ohne eine Erlaubnis des Vermieters. Ohne eine solche Vereinbarung kann der Vermieter nämlich abmahnen, den Mieter auf Unterlassung der vertragswidrigen Nutzung verklagen oder ihm sogar kündigen, in einigen Fällen sogar fristlos.

Dabei können Hausverwaltung, Miteigentümer, Vermieter oder Nachbarn aber nicht grundsätzlich einen Einspruch gegen eine zuhause ausgeübte Tätigkeit einer Person erheben, denn es ist in sehr vielen Fällen auch erlaubt, in der Wohnung zu arbeiten und dabei auch aktiv erwerbstätig zu sein.

Mischmietverhältnisse: Gewerbliche Nutzung laut Mietvertrag erlaubt

Wenn einige grundlegende Details von allen Beteiligten beachtet werden, ist die Erwerbstätigkeit von der eigenen bzw. gemieteten Wohnung aus grundsätzlich gestattet. Die gewerbliche Nutzung von Wohnraum in reinen Wohngebieten ist zwar nicht gestattet, doch sind Ausnahmeregelungen für durchgehend ruhige gewerbliche Tätigkeiten wie Freelancer im Home Office und ähnliche jederzeit möglich.

Eine Sonderregelung ein Mischmietverhältnis betreffend sorgt dafür, dass der Mieter mit seiner Tätigkeit auf der sicheren Seite ist. Solche Sonderregelungen sollten aber vor der Aufnahme der Tätigkeit daheim unbedingt noch zusätzlich mit den zuständigen Aufsichtsbehörden geklärt werden: Auch unauffällige Gewerbetreibenden ohne Emissionsausstöße und Gerätepark oder Lagerraum müssen damit rechnen, von der Gemeinde für erhöhte Müllabfuhr-Gebühren angeschrieben zu werden, denn normalerweise hat ein aktiver Gewerbebetrieb nun mal auch gewerblichen Abfall.

Wer aber keinen Gewerbeabfall produziert, kann schlicht Einspruch erheben und sollte nach der entsprechenden schriftlichen Erläuterung dann auch keine höheren Müllabfuhrgebühren mehr zahlen müssen.

Mietverträge von Wohnraum zu Gewerbefläche umwandeln?

Besitzern von Eigentumswohnungen kann man die teilgewerbliche Nutzung sowieso nicht untersagen, weil jeder über sein Eigentum frei verfügen kann. Eine einvernehmlich vereinbarte Gemeinschaftsordnung verhindert Streitigkeiten und bindet auch Mieter an die Regelungen, wenn der vermietende Eigentümer diese betreffenden Passagen in den Vertrag übernimmt.

Wenn ein Vermieter jedoch von einem Mieter erwartet, dass er als Selbstständiger mit Home Office den privaten Mietvertrag in einen für gewerbliche genutzte Räume umwandelt, so sollte der Mieter diesem Vorschlag nach Möglichkeit nicht zustimmen.

Dann gelten nämlich die normalen Mieterschutzgesetze nicht und es ist auch damit zu rechnen, dass Gewerbezuschläge erhoben werden. So lange die Wohnung vorrangig als Wohnraum genutzt wird und die Ausübung der Tätigkeit ohne Geräuschbelästigung stattfindet, verstößt ein Home Office aber auch nicht gegen den Mietvertrag.

Für den Großteil der Home-Office-Worker gilt nämlich: Wer die Mitbewohner und Nachbarn nicht stört und am Haus nichts eigenmächtig verändert, darf jederzeit daheim erwerbstätig arbeiten.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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