13.04.2016 · smart leben ·

Einfach abschalten: Auszeit für Handy & Co.

Das waren wieder herrlichste Sonnenstunden am Wochenende, nicht wahr? Da kommt man doch gleich doppelt so gut aus der Koje! Es sei denn, man hat das Handy beim abendlichen Einschlummern einfach unters Kopfkissen geschoben, um es morgens direkt wieder hervorzugrabbeln. Nur kurz alle Nachrichten, die Ebay-Verkäufe und den Kontostand gecheckt, durch Facebook gescrollt, einmal gegähnt, durchgestreckt, auf die Uhr geguckt und zack – eine Stunde um. Was hätte man in diesen sechzig verschenkten Frühlingsminuten nicht schon alles Schönes anstellen können? Die gute Nachricht: Stellt man sich diese Frage in derartigen Momenten selbst, ist Hopfen und Malz noch nicht verloren. Nur durch kritische Selbstreflexion des eigenen Online-Verhaltens und bewusste Offline-Einheiten lässt sich das Hineinrutschen in eine waschechte Internetsucht vermeiden. Höchste Zeit, heute also mal mit euch über einen gesunden Umgang mit Medien und Technologien zu schnacken.

Auf der Suche nach dem Aus-Knopf

Jetzt mal Butter bei die Fische: Wann, abgesehen vom letzten System-Update, war euer Handy zum letzten Mal richtig aus? Nicht lautlos im Kino, nicht im Flugmodus, sondern aus? Bei mir zumindest ist es lange her. Nicht umsonst wurde deshalb auch „Smombie“, die Kurzform von Smartphone-Zombie, zum Jugendwort des Jahres 2015 gewählt. Handy, Tablet und Laptop sind mittlerweile einfach überall dabei – und das gilt nicht nur für die Jungspunde unter uns. Gucken wir uns morgens in Bus und Bahn mal aktiv um oder werfen einen Blick ins Auto nebenan, fällt auf: Auch erwachsene Menschen im fortgeschrittenen Alter stecken auf dem Arbeitsweg die Nasen in ihre technischen Gerätschaften, kommunizieren am Steuer oder tippen im Gehen gedankenverloren vor sich hin. Kein Wunder, dass auf diese Weise immer mehr Unfälle passieren. Dabei könnte es so einfach sein: Man schiebt einen Regler von links nach rechts, klickt auf „Herunterfahren“ oder hält den Power-Schalter lang genug gedrückt. Und plötzlich sieht man die Außenwelt wieder scharf und kann der Realität seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Aber ich muss doch erreichbar sein, sagt ihr jetzt? Nun ja, nicht zwingend.

Immer auf Abruf?

Der technische Fortschritt hat aus uns eine rundum vernetzte, dauerkommunizierende Gesellschaft gemacht. Egal ob beruflich oder privat: Wer mal nicht binnen fünf Minuten auf Anrufe, SMS und Mails reagiert, gilt schnell als ignorant oder schreibfaul. Kleine Spielereien, wie zum Beispiel die unterschiedlich farbigen Häkchen bei WhatsApp, setzen uns zunehmend unter Antwortdruck. Natürlich kann man auch hier tricksen – allein die Tatsache jedoch, dass man das buchstäbliche Abschalten verbergen muss oder eine Ausrede benötigt, grenzt doch schon ganz schön an Irrsinn. Schließlich brauchen wir im Trubel des Alltags auch Ruhe und Raum für uns, die eigenen Gedanken und Konzentration auf das Hier und Jetzt. Eine gesunde Work-Life-Balance also mit einem schönen Freizeitanteil, der nicht nur aus telefonieren und tippen bestehen sollte. Auch wenn man sie noch so gern hat: Selbst engste Freunde oder Familienmitglieder können durch permanenten Smartphone-Kontakt sozialen Stress verursachen. Da muss man hier anrufen, da antworten und schon hat man den freien Abend mit einem straffen Programm verbracht, das sich eher wie Pflichterfüllung anfühlt.

Alles für den Job

Das kann genauso giftig wirken, wie eine durch Kommunikation ins Unendliche ausgedehnte Arbeitszeit. Insbesondere im Medien- und Digitalbereich scheint der Feierabend häufig nur auf dem Papier zu existieren. Weil viele junge Leute in diese Branchen streben, und die ja ohnehin immer online sind, ist es hier oft Gang und Gäbe, auch nach dem offiziellen Dienstschluss noch kurzfristige Absprachen per Mail oder Telefon zu treffen. Und wenn’s um den eigenen Job geht, spielt man eben mit und ist 24/7 verfügbar, schließlich möchte man ihn gut machen und nicht verlieren. Am Anfang ist die zusätzliche Belastung nach Dienstschluss vielleicht auch nicht zwingend als solche zu erkennen, doch der Stress kommt meist schleichend und mit ihm im schlimmsten Fall auch happige gesundheitliche Folgen. Ein anderes – aber nicht weniger schwerwiegendes – Krankheitsbild zeigt sich bei Personen, die bereits mit voller Fahrt in eine pathologische Online-Sucht hineingeschippert sind.

Abhängig vom Internet

Laut verschiedener wissenschaftlicher Studien sind etwa ein bis drei Prozent der Deutschen aktuell internetsüchtig und etliche weitere stark gefährdet. Bei ca. 60 Millionen aktiven Internetnutzern ergibt das bis zu 1,8 Millionen Betroffene – die gleiche Anzahl alkoholabhängiger Menschen lebt neuesten Erkenntnissen zufolge in Deutschland. Diese Sucht ist also keinesfalls Pillepalle, sondern als Erkrankung durchaus ernst zu nehmen. Im Grunde sind aber natürlich nicht die technischen Geräte selbst problematisch, sondern das, was der User damit macht. Dazu zählt neben Chats und dem Austausch in Internetforen auch das exzessive Suchen nach Informationen im Netz, das Spielen oder das Online-Shoppen. Besonders anfällig für diese, wie eigentlich jede, Form der Sucht sind Personen, die im wahren Leben nur wenig Halt und Anerkennung finden und auf der Suche nach einer harmonischeren Parallelwelt sind, in der echte Menschen mit Ecken und Kanten nicht existieren. Einmal ins Online-Universum abgedriftet fällt die Bewältigung der Realität dann oft nur umso schwerer und echte Sozialbeziehungen geraten zunehmend ins Wanken. Das Abkapseln verstärkt also das Außenseitertum und man rutscht ungebremst in einen Teufelskreis.

Ganz bewusst im Offline-Modus

So schlimm steht es um euch noch nicht? Das ist gut, denn so habt ihr noch die Chance, euch selbst rechtzeitig die Online-Entwöhnung zu verschreiben und seid noch nicht auf professionelle Hilfe angewiesen. Ab und zu mal vollkommen abzuschalten kann nämlich auch bei kurzen Zeitintervallen schon eine ordentliche Wirkung auf der Stress-Skala zeigen. Setzt euch zum Beispiel ein persönliches Limit und schaltet die Geräte einfach konsequent zu einem bestimmten Zeitpunkt aus. Ihr werdet sehen, dass man doch gar nicht so viel verpasst, sich die Welt auch ohne permanente Erreichbarkeit weiterdreht und fast alles auch noch am nächsten Tag beantwortet oder geregelt werden kann. Und wer sein Smartphone allein schon deshalb über Nacht mit ins Schlafzimmer nimmt, weil er es als Wecker benutzt, sollte es lieber abseits des Bettes deponieren statt es kurz vorm Einschlafen unters Kopfkissen zu stopfen. So kommt man nämlich ganz nebenbei auch nicht in die Versuchung, morgens noch dreimal die Schlummertaste zu drücken, sondern stürzt sich direkt hinein – ins echte Leben.

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