06.05.2016 · smart steuern ·

Steuererklärung und Studenten – Darum sollte jeder eine machen (Serie, Teil 48)

Es gibt viele Sachen, an die Studenten denken beziehungsweise denken müssen. Aber was die wenigsten auf dem Zettel haben, sind Steuern und die Steuererklärung. Damit habe ich doch nichts zu tun, ich verdiene doch kaum was, das nützt mir doch überhaupt nicht – Gründe gegen eine Steuererklärung finden sich zuhauf. Dem halte ich nur einen einzigen Grund entgegen, aber der ist schlagkräftig: GELD! Denn wer als Studentin oder Student keine Steuererklärung abgibt, verschenkt jede Menge Euros. Vielleicht nicht gleich und während des Studiums, sondern möglicherweise erst, wenn das Berufsleben anfängt. Lesen Sie, warum das so ist, was es mit Erst- oder Zweitausbildung zu tun und welche Rolle Werbungskosten beziehungsweise Sonderausgaben dabei spielen.

Studenten Steuererklärung starten

An die Zukunft denken

Ich weiß, Studenten mögen es kurz und knackig. Deshalb schon mal die kurze und vereinfachte Begründung, warum JEDER Student eine Steuererklärung machen sollte: Auch Studenten haben Ausgaben, die sie aber wegen ihrer geringen Einnahmen meist steuerlich nicht absetzen können. Weil das ungerecht ist, können sie diese Ausgaben aber als Verluste in ihrer Steuererklärung „notieren“ – und später, wenn sie wirklich Steuern zahlen müssen, von der Steuerschuld abziehen. Details und Hintergründe folgen jetzt – ich empfehle schon mal, bis zum Ende dran zu bleiben.

Schlupfloch geschlossen

Rückblick: Bis Ende 2014 ließ sich in einigen Studienfächern mit einem Trick gut Steuern sparen. Beispiel: Medizin-Studium. Wer davor eine nur wenige Wochen dauernde Ausbildung zum Rettungssanitäter absolvierte, konnte sich sein Studium als Zweitausbildung anerkennen lassen. Und das ist beziehungsweise war steuerlich besser. Was so gut daran ist, lesen Sie im folgenden Absatz. Diese Steuerlücke wurde aber 2015 geschlossen. Im Einkommensteuergesetz steht jetzt, leider nicht so leicht verständlich (siehe den Link zu Paragraph 9, Absatz 6 ganz unten), was als Erstausbildung akzeptiert wird. Kurzform: Sie muss mindestens ein Jahr dauern – und das bei Vollzeit. Wer nach dem Bachelor noch den Master machen will, ist auf der sicheren Seite. Denn das Masterstudium ist immer eine Zweitausbildung.
Wer bisher gelesen hat, fragt sich sicher, warum ich so ein Aufheben um Erst- und  Zweitausbildung mache. Antwort kommt jetzt.

Der Unterschied zwischen Sonderausgaben und  Werbungskosten

Nach der aktuellen rechtlichen Lage lassen sich in einer Erstausbildung nur Sonderausgaben absetzen, in der Zweitausbildung hingegen Werbungkosten. Der Unterschied ist beträchtlich:

  • Sonderausgaben sind auf 6.000 Euro pro Jahr begrenzt. Viel wichtiger ist aber, dass sie sich bei der Steuer nur mit den Einnahmen aus dem gleichen Jahr verrechnen lassen. Da Studenten aber in der Regel nur geringe Einnahmen haben, müssen Sie meist überhaupt keine Steuern zahlen – egal ob mit oder ohne Sonderausgaben gerechnet wird. Die Ausgaben gehen also sprichwörtlich ins Leere.
  • Mit Werbungskosten ist die “Verlustfeststellung” (Verlustvortrag) möglich. Die Ausgaben, die der Student hat, die sich aber steuerlich nicht berücksichtigen lassen, können damit als Verlust „vorgetragen“ werden. Das lässt sich Jahr für Jahr machen und das Finanzamt „merkt“ sich den Betrag. Wichtig: Es dürfen immer nur die Werbungskosten eingetragen werden, die in dem jeweiligen Jahr angefallen sind, nicht aus allen Vorjahren. Wenn aus dem Student dann ein Berufstätiger geworden ist – und er Steuern zahlen muss, lassen sich die angesammelten Verluste in den ersten Berufsjahren von den aktuellen Steuern abziehen.

 

Hoffnung für alle Studenten

Ha, rufen Sie vielleicht: Das betrifft ja alles nur Studenten, deren Studium eine Zweitausbildung ist – und doch nicht jeden. Stopp, denn jetzt kommt’s: Ende 2014 rief der Bundesfinanzhof das Bundesverfassungsgericht an. Die Frage verkürzt: Ist es mit dem Grundgesetz vereinbar, dass die Ausgaben innerhalb einer Erstausbildung nicht als Werbungskosten anerkannt werden.

Nun, knapp eineinhalb Jahre später sind wir noch nicht weiter gekommen. Die Mühlen der höchsten deutschen Justiz mahlen eben langsam. Die Verfahren (Aktenzeichen 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14 und 2 BvL 26/14) laufen, eine Entscheidung ist aber nicht in Sicht. Das Finanzamt wird also Stand jetzt den Verlustvortrag bei einem Erststudium nicht anerkennen. Legen Sie Widerspruch ein und berufen Sie sich dabei auf das laufende Verfahren. Nur so kann der Verlustvortrag geltend gemacht werden, wenn das Bundesverfassungsgericht dann positiv entschieden hat.
Ach, Sie wollen noch wissen, was Sie als Student absetzen können? Dann schauen Sie mal in diesen Artikel rein.

Zusammenfassung: Jeder Student sollte jedes Jahr seine Steuererklärung machen, am besten natürlich mit unserer Online-Lösung smartsteuer. Nur so kann es eine beträchtliche Steuerersparnis am Anfang des Berufslebens geben.

Studenten Steuererklärung starten

Zum vorherigen Teil der Serie: Muss ich eine Steuererklärung abgeben? (Serie, Teil 47).

Weitere nützliche Steuertipps für Studenten bekommt ihr jetzt auch über unseren Geld-zurück-Letter! Einfach anmelden und Geld zurückholen.

Theresa Voigt Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Teresa sagt:

    Allerdings darf man dann während des Studiums kein Geld verdienen (mit der Ausnahme von Minijobs/450€-Job, die beim Finanzamt ja nicht auftauchen), oder sehe ich das falsch? Ich habe den Verlustvortrag nämlich beantragt bei meiner letzten Steuererklärung, aber meine Werbungskosten waren geringer als meine Einkünfte (lagen dennoch unter dem Grundfreibetrag von 8.472,00 €) und deswegen gäbe es laut FA ja gar keinen Verlust für mich. Lohnt sich also scheinbar nur für Studenten, die nicht nebenbei arbeiten…

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Ein Verlust kann nur entstehen, wenn die Werbungskosten höher sind als die Einnahmen.
    Bei Studenten, die arbeiten, kann das der Fall sein. Dann wird kein Verlust festgestellt, weil keiner entstanden ist.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)