01.07.2016 · smart leben ·

Mit dem Handy im Ausland – unsere 5 Fragen und 5 Antworten

Es ist nur ein paar Jahre her, da erlebten viele Urlauber nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland die sprichwörtlich böse Überraschung: Ihre Handyrechnung betrug mehrere hundert Euro und machte den Urlaub nachträglich viel teurer. Dafür müsste man heutzutage schon sehr lange telefonieren, simsen und im Internet surfen. Doch wie sieht es genau aus? Worauf sollten Sie achten? Wir erklären es Ihnen gleich.

Bevor ich zu den Fragen und Antworten komme, muss ich mal ein kleines Loblied singen auf eine Institution, die sonst eher Prügel bezieht. Ich spreche von der EU. Ja, die EU mit der angeblichen Norm für die Krümmung von Gurken. Aber: Geht es um die Handynutzung, wären wir ohne EU-Kommission und EU-Parlament echt aufgeschmissen. Denn jahrelang füllten sich die Mobilfunkfirmen die Taschen mit dem sogenannten Roaming, das sie sich gegenseitig in Rechnung stellten, wenn man im Ausland (notgedrungen) ein anderes Mobilfunknetz nutzte. Die milliardenschwere Rechnung zahlten wir, die Verbraucher. Seit knapp zehn Jahren sorgt die EU für nahezu jährlich sinkende Preise für die Handynutzung im EU-Ausland. Einfach mal danke sagen, spätestens wenn man etwa in der Schweiz (und damit nicht in der EU) ist, wo man sich aufgrund der Preise nicht mal traut, das Handy überhaupt anzufassen. Doch nun geht es los.

1. Was kostet die Handynutzung in der EU?

Wie schon oben beschrieben, sind die Preise über die Jahre deutlich gesunken. Seit 30. April 2016 gibt es nun wieder neue Vorgaben der EU. Und die sind leider erstmals kompliziert. Bis dahin gab es einfach Obergrenzen für abgehende und ankommende Gespräche, SMS und Datennutzung im Internet. Nun gibt es zusätzlich noch maximale Aufschläge auf den Tarif in Deutschland. So sieht das dann aus – der Aufschlag bezieht sich auf den Tarif im Heimatland.

  • Abgehende Gespräche: Aufschlag von höchstens 5,95 Cent/Minute, Maximalpreis 22,6 Cent/Minute
  • Ankommende Gespräche: höchstens 1,36 Cent/Minute
  • SMS: Aufschlag von höchstens 2,38 Cent/SMS, Maximalpreis 7,14 Cent/SMS
  • Datennutzung: Aufschlag von höchstens 5,95 Cent/Megabyte, Maximalpreis 23,8 Cent/Megabyte

Die Idee dahinter – es soll im EU-Ausland nur noch ein bisschen teurer sein als in der Heimat – mag ja okay sein, aber in der Praxis führt das nur zu Verwirrungen… Schwacher Trost: Damit ist im nächsten Jahr Schluss, denn ab 15. Juni 2017 sollen in der ganzen EU die Inlandspreise gelten, wenn man auf Reisen ist.

2. Ich habe eine Flatrate – wie sieht es da aus?

Das ist eine gute Frage: Eigentlich müsste das bedeuten, dass man bei einer Flatrate im Ausland maximal diese Aufschläge zu zahlen hat. Denn der Tarif in der Heimat sagt ja, dass zum Beispiel alle Gespräche in der Flatrate abgegolten sind. Wird aber nicht immer so gehandhabt, weil das nirgendwo eindeutig steht. Da es in einer Flatrate ja gar keinen Minutenpreis gibt, nehmen wir doch gleich mal den Maximalpreis – ist dann ein Gegenargument.
Inklusivminuten oder Inklusiv-SMS sollten im EU-Ausland auch „angerechnet“ werden. Hier ist aber genau hinzuschauen, wie es nach Aufbrauch des Inklusivkontigents aussieht. Immerhin: Nach und nach lenken die Anbieter zwar in eine kundenfreundliche Richtung ein, doch Fallen lauern noch immer…

3. Geht’s nicht genauer, was trifft für mich zu?

Leider nicht. Manchmal hängt es zum Beispiel davon ab, ob man einen bestimmten Tarif neu abschließt oder ob man nur Bestandskunde ist. Unterschiede zwischen Vertrags- und Prepaidkunden gibt es natürlich auch. Zudem werben die Mobilfunker auch mit neuen Tarifen, in denen das EU-Roaming schon drin ist. Das Einzige, das wirklich hilft: Schauen Sie auf die Internetseite Ihres Anbieters in die Tarifbestimmungen im Ausland – oder rufen Sie die Hotline an. Prüfen Sie, ob sich ein Tarifwechsel lohnt. Oft gibt es zudem Auslandsoptionen, die für den ein oder anderen Sinn machen können.

4. Was passiert außerhalb der EU?

Wer außerhalb der EU verreist, sollte noch etwas genauer hinschauen. Gibt es innerhalb der EU wenigstens noch die Maximalpreise, kann es in der Schweiz, den USA oder vielen anderen Ländern deutlich teurer werden. Minutenpreise von mehr als 1 und zum Teil mehr als 2 Euro für Gespräche sind möglich, Internet reicht bis zu 12 Euro pro Megabyte.

5. Internet ist mir zu teuer – was kann ich tun?

Zwar bauen immer mehr Mobilfunker in die Verträge eine bestimmte Datenmenge im Ausland ein. Aber oft landen gerade Prepaid-Kunden dann doch beim Maximalpreis von mehr als 20 Cent/Megabyte – und damit kommt man nicht weit. Wenn Sie das nicht wollen, können Sie zum Beispiel schauen, ob Sie eine Auslandsoption für die Datennutzung buchen können, das ist in der Regel viel günstiger. Falls Sie das nicht getan haben, dann aber doch viel surfen: Immerhin gibt es seit ein paar Jahren einen Kostenschutz. Haben Sie 59,50 Euro im Abrechnungszeitraum „versurft“, wird die Leitung automatisch gekappt – und Sie müssen ausdrücklich zustimmen, wenn Sie weiter surfen wollen. Dieser Kostenschutz greift übrigens sogar weltweit.
Auf der absolut sicheren Seite sind Sie, wenn Sie das Daten-Roaming in Ihrem Smartphone ausgestellt lassen. Dann können Sie eben nur ins Internet, wenn Sie WLAN haben. Ist ja im Urlaub vielleicht auch nicht das Verkehrteste…

Theresa Voigt Geschrieben von:

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