26.07.2016 · smart steuern ·

Doppelt hält besser – das bringt die doppelte Haushaltsführung (Serie, Teil 58)

Zwar sind zur Zeit viele im Urlaub – doch schon bald beginnt wieder der Ernst des Lebens. Und der heißt in den Zeiten steigender Flexibilität für immer mehr Leute: eine (neue) Arbeitsstelle, die so weit weg ist, dass ein tägliches Pendeln nicht mehr möglich ist. Das bedeutet für Betroffene familiäre und auch finanzielle Belastungen. Wir von smartsteuer leisten unseren Beitrag und erklären, wie Sie wenigstens die finanzielle Seite „abfedern“ können. Das Zauberwort heißt doppelte Haushaltsführung.

Vorab: Ich bin schon mehr als einmal von Freunden zu diesem Thema gefragt worden und stellte dabei fest, dass da viel gefährliches Halbwissen da ist, wie ich es gern nenne. Also Informationen vom Hörensagen, die plötzlich zu absoluten Wahrheiten werden. Deshalb will ich an dieser Stelle vor allem auf die grundlegenden Punkte zum Thema eingehen.  

Wann spricht man von einer doppelten Haushaltsführung?

Wie der Begriff schon nahe legt, braucht man zwei Haushalte. Genauer sieht das so aus:

  • Haushalt 1: die Hauptwohnung, der Lebensmittelpunkt.
  • Haushalt 2: die Zweitwohnung, die aus beruflichen Gründen am Beschäftigungsort bezogen wird – und von der man schneller zur Arbeitsstätte kommt als von der Hauptwohnung.


Nur in dieser Konstellation wird das Finanzamt die Kosten für die doppelte Haushaltsführung als Werbungskosten anerkennen. Welche das genau sind, erfahren Sie im nächsten Absatz. Zuerst muss ich aber noch einige Dinge genauer erklären:

  • Lebensmittelpunkt: Das ist bei Verheirateten die Familienwohnung. Aber auch Nichtverheiratete können Ihren Lebensmittelpunkt abseits des Beschäftigungsorts haben, wenn sie zum Beispiel familiäre Bindungen oder einen gewachsenen Freundeskreis vorweisen können. In der Regel muss der Lebensmittelpunkt durchschnittlich alle zwei Monate besucht werden.
  • Hauptwohnung: In dieser Wohnung muss man sich an der Haushaltsführung beteiligen, auch finanziell (mindestens 10 Prozent der laufenden Kosten). Erwachsene Kinder, die noch ein Zimmer bei den Eltern haben und in einer anderen Stadt studieren, können die doppelte Haushaltsführung nicht in Anspruch nehmen.
  • Zweitwohnung: Am Beschäftigungsort ist fast alles erlaubt: von der Wohnung über ein möbliertes Zimmer bis hin zum Hotelzimmer.
  • Berufliche Gründe: Dazu zählen die Versetzung innerhalb der Firma oder ein neuer Job in einer anderen Stadt.


Was lässt sich in der doppelten Haushaltsführung absetzen?

Da jetzt einigermaßen klar sein sollte, wann eine doppelte Haushaltsführung vom Finanzamt als Werbungskosten anerkannt wird, kommen wir nun dazu, was genau absetzbar ist.

  • Unterkunftskosten: Sie können alle Kosten für Ihre Zweitwohnung am Beschäftigungsort absetzen, allerdings maximal 1.000 Euro pro Monat. Dazu gehören unter anderem die Miete, Nebenkosten, Garagen- oder Stellplatz und Rundfunkbeitrag. Zusätzlich lassen sich Ausgaben für die Einrichtung der Zweitwohnung absetzen, etwa Möbel, Geschirr oder eine Waschmaschine. Für Kosten, die einzeln unter 487,90 Euro (brutto) liegen, geht das sofort. Was mehr kostet, wird über mehrere Jahre abgeschrieben.
  • Umzugskosten: Hier gibt es keine Obergrenzen oder Pauschalen. Sie können alle damit verbundenen Kosten per Nachweis absetzen.
  • Fahrtkosten: Jede Woche kann eine gemachte Fahrt zur Hauptwohnung mit 30 Cent pro Kilometer abgesetzt werden, wenn Sie mit Ihrem eigenen Wagen fahren. Wer fliegt, mit Zug oder Bus fährt, setzt die entstandenen Fahrtkosten ab. Wie bei jedem anderen Arbeitnehmer auch, lässt sich die Kilometerpauschale auch für Fahrten von Ihrer (Zweit-) Wohnung zur Arbeitsstätte absetzen.
  • Verpflegungskosten: Wird oft vergessen, aber in den ersten drei Monaten können Pauschalen für den Verpflegungsmehraufwand angesetzt werden – wie sonst eigentlich nur bei Dienstreisen. Wer länger als 8 Stunden am Tag von seiner Hauptwohnung abwesend ist, bekommt 12 Euro (pro Tag). Bei vollen Tagen sind es 24 Euro.  

 

Zusammenfassung: Wer aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung an einem anderen Ort bezieht, kann Kosten für doppelte Haushaltsführung absetzen. Dazu gehören Unterkunfts-, Umzugs-, Fahrt- und Verpflegungskosten.

 

Zum vorherigen Teil der Serie: Mit einem Ferienjob als Schüler Geld verdienen (Serie, Teil 57)

 

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Fabian sagt:

    Vielen Dank für die umfangreichen Informationen Frau Voigt.

    Ich habe da eine Frage zu dem Unterpunkt Hauptwohnung:
    In meinem Fall habe ich den Lebensmittelpunkt noch bei meinen Eltern, welche 155 km von meiner Universität entfernt liegt. Die neue Wohnung liegt knapp 25km von meiner Universität entfernt. Mit Berücksichtigung der grundlegenden Kriterien der doppelten Haushaltsführung, wären diese hiermit gegeben.
    Aber Sie beschreiben in dem Unterpunkt Hauptwohnung, dass Erwachsene Kinder eine doppelte Haushaltsführung nicht in Anspruch nehmen könnten.
    1. Unter welcher Bedingungen wäre dies dennoch möglich?
    2. Ist es kategorisch komplett ausgeschlossen, dass die Miete des Zweitwohnsitzes in der Zweitausbildung in dieser Konstellation definitiv nicht als Werbungskosten angegeben werden können und somit kein Verlustvortrag mit der Miete aufgebaut werden kann? (Während des Masterstudiums könnte ein erheblicher Betrag dank der unbegrenzten Werbungskosten entstehen)

    Ich würde mich über eine Rückmeldung ihrerseits sehr freuen! 🙂

    Liebe Grüße
    Fabian

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Fabian,
    der Ansatz der Mietkosten als Werbungskosten bei einem Studium ist möglich. Hier im kostenlosen
    Ebook für Studenten ist es auf Seite 25 kurz erläutert.

  • Avatar Fabian sagt:

    Hallo Juliane,

    vielen lieben Dank für die schnelle Rückmeldung 🙂

    Liebe Grüße

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Fabian,
    gerne, wir versuchen immer schnellstmöglich zu reagieren.

  • Guten Tag,
    vielen Dank für die hilfreichen Informationen. Da ich berufsbedingt 500 km weit weg von meiner Familie ziehen werde, muss ich dort auch einen Zweitwohnsitz anmelden. Da möchte ich natürlich auch den Vorteil nutzen und gewisse Kosten absetzen. Viele Grüße Yvonne

  • Avatar Willi sagt:

    Ich habe alles mit Interesse gelesen und befürchte, dass es in meinem Fall nicht zu einer Reduzierung der Einkommensteuer kommt. Es ist folgende Situation: Ich habe mit meiner Partnerin (eheähnliche Gemeinschaft) zusammen in Berlin gewohnt. Sie ist im Februar 2017 in ein geerbtes Haus nach NRW gezogen (und hat in NRW selbständig gearbeitet), ich bin berufsbedingt noch bis August 2017 in Berlin geblieben und habe dort weitergearbeitet. Zu Ende August habe ich dann gekündigt und bin ebenfalls nach NRW gezogen. In der Zwischenzeit (02/2017 bis 08/2017) haben wir also an getrennten Orten gelebt. Ich bin so oft wie möglich bei meiner Partnerin in NRW gewesen, zumal an diesem Haus (von meiner Mutter geerbt) viele Arbeiten zu verrichten waren. Kann ich unter diesen Umständen Kosten für doppelte Haushaltsführung geltend machen? Falls (wider Erwarten) ja, was konkret?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,

    Voraussetzungen für die doppelte Haushaltsführung sind u.a.

    – Sie haben einen eigenen (Haupt-)Hausstand (z. B. Haus/Wohnung, in dem Ihre Familie lebt).
    – Sie haben am Beschäftigungsort (bzw. in dessen Nähe) eine Zweitwohnung.
    – Die doppelte Haushaltsführung ist beruflich veranlasst.


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