12.08.2016 · smart steuern ·

Mehr Rente, mehr Steuern und was bei der Altersvorsorge gerade steuerlich passiert

Altersvorsorge, Renten und Steuern – es gibt wohl kaum ein anderes Feld, wo gerade so viel passiert. „Schuld“ daran ist der komplette steuerliche Umbau des deutschen Rentensystems. Aktuell betroffen sind rund 160.000 Rentner, die mit der Rentenerhöhung zum 1. Juli 2016 erstmals steuerpflichtig wurden. Zudem entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die aktuelle Besteuerung der Altersvorsorge rechtens ist. Wir sagen Ihnen, was Sie wissen müssen.

Vorgelagerte und nachgelagerte Versteuerung von Renten

Bis zum Jahr 2004 wurden die Beiträge für die Rente aus dem schon versteuerten Einkommen bezahlt. Dieses Prinzip der vorgelagerten Besteuerung hat sich seit 2005 geändert. Nach und nach greift das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt:
Die Renten werden Jahr für Jahr stärker besteuert, weil der steuerpflichtige Anteil der Rente steigt. Ab dem Jahr 2040 soll dann die komplette Rente besteuert sein.

Rentenbesteuerung

Quelle: Bundesministerium der Finanzen


Im Gegenzug steigt der Anteil der Beiträge zur Altersvorsorge, der sich von der Steuer absetzen lässt, Jahr für Jahr. Ab dem Jahr 2025 sind es 100 Prozent der Beiträge. 

Sonderausgabenabzug

Quelle: Bundesministerium der Finanzen

 

Rentenerhöhung und die steuerlichen Folgen

Generell gilt für Rentner wie für Arbeitnehmer, dass es einen Grundfreibetrag gibt, der steuerfrei ist. Bleibt der steuerpflichtige Teil der Rente unter diesem Wert, muss auch keine Steuer gezahlt werden. Wie das im Detail aussieht, hatten wir schon ausführlich in diesem Artikel beschrieben.  Nun rutschten, wie im letzten November prophezeit, dank einer kräftigen Rentenerhöhung von 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten viele Rentner über die Grenze des Grundfreibetrags. 160.000 Rentner seien betroffen, heißt es beim Finanzministerium. Bekommen Rentner jetzt Post vom Finanzamt und werden zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert, heißt das aber noch nicht, dass sie auch wirklich Steuern zahlen müssen. Denn wie bei Arbeitnehmern lassen sich Ausgaben auch von der Steuer absetzen und so die Steuerlast mindern oder auf Null bringen. Betroffene Rentner sind in der Regel vermutlich auch nur knapp über den Grundfreibetrag gerutscht und müssen, wenn überhaupt, recht wenig Steuern bezahlen.
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Besteuerung von Ausgaben für die Altersvorsorge ist rechtens

Der Systemwechsel von der vor- zur nachgelagerten Besteuerung von Renten über einen langen Zeitraum bringt aber auch andere Probleme mit sich, wegen der vor kurzem zwei Urteile beim Bundesverfassungsgericht gefallen sind. Vereinfacht gesagt fanden es eine Angestellte und ein Steuerberater nicht fair, dass sie die Ausgaben für die Altersvorsorge nicht als Werbungskosten von der Steuer absetzen können, sondern „nur“ als Sonderausgaben, was steuerlich tatsächlich in der Regel ungünstiger ist. Sie klagten sich durch die Instanzen und verloren. Nun war das Bundesverfassungsgericht dran – und ließ die Verfassungsbeschwerde nicht mal zu. Die Richter waren stattdessen der Meinung, dass das aktuelle Verfahren gerecht ist, solange es nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt. Kleinere Ungerechtigkeiten seien bei dieser Rentenumstellung eben nicht zu vermeiden (Az. 2 BvR 290/10, 2 BvR 323/10).

Zusammenfassung: Jahr für Jahr werden mehr Rentner ihre Rente versteuern müssen. Wer wiederum seine Beiträge für die Altersvorsorge von der Steuer absetzen will, kann das weiterhin nur als Sonderausgaben und nicht als Werbungskosten.

 


Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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