21.09.2016 · smart leben ·
Lesezeit: 4 Min.

Unter Kollegen: Wie viel Nähe ist gut fürs Team?

Moin Landratten, kennt ihr den Satz „Wir sind Kollegen, keine Freunde“? Den pflegte unser Smutje immer zu sagen, wenn die Besatzung  es mal wieder auf den Rum in seiner Kombüse abgesehen hatte. Klar, auf so einem Kutter rückt man als Mannschaft manchmal näher zusammen, als einem lieb ist. Und dennoch gelang es dem alten Pfannenschwenker, sich den Respekt der anderen zu bewahren, indem er von Zeit zu Zeit klare Grenzen zog. Für mich war das eine Lektion fürs Leben, denn auch in weniger exotischen Berufen spielt die richtige Balance im Umgang mit Kollegen eine wichtige Rolle – für das eigene psychische Wohlbefinden auf der einen und die fachliche Achtung auf der anderen Seite. Dass das gar nicht immer leicht ist, wissen wir wohl aus der eigenen täglichen Arbeitspraxis alle. Egal in welcher Position man ist: Will man trotz sozialer Harmonie beruflich geschätzt werden, gilt es, auch unter liebgewonnenen Büronachbarn ein gesundes Gleichgewicht zwischen herzlichem Umgang und einem bestimmten Auftreten zu wahren. Doch genau das fällt vielen Menschen schwer.

Zwischen Freundschaft und Konkurrenz

Man geht gemeinsam in die Mittagspause, tauscht sich über alles Mögliche aus, tratscht über den neuen Chef. Wer sich mit den Kollegen blendend versteht, geht erwiesenermaßen mit besserer Laune zur Arbeit und hält auch großem Druck besser Stand – schließlich ist immer jemand da, mit dem man seinen Frust bei einem Kaffeepäuschen teilen kann. Problematisch wird ein Zuviel an persönlicher Nähe dann, wenn man sich plötzlich in einer Konkurrenzsituation wiederfindet, es also beispielsweise darum geht, wem die nächste Beförderung zusteht oder wer das nächste große Projekt betreuen darf. Ist man nun zuvor schon mehrfach gemeinsam in der Kneipe versackt oder trifft sich am Wochenende regelmäßig zum Brunch, ist es nahezu unmöglich, ohne größere zwischenmenschliche Katastrophen in eine freundlich-distanzierte Haltung zurückzuschalten und die eigenen beruflichen Interessen durchzusetzen. Karriereberater und Psychologen raten deshalb, Freundschaften am Arbeitsplatz immer mit Bedacht zu führen und das eigene Sozialleben keinesfalls nur auf das berufliche Umfeld zu beschränken. Schließlich redet man am Ende doch die meiste Zeit über den Job – und das muss in der spärlich bemessenen Freizeit ja nun irgendwie auch nicht sein.

Positive Effekte

Ein bisschen Vorsicht ist bei zu engen Kontakten also geboten. Gegen das eine oder andere Feierabendgetränk in netter Runde hat aber natürlich niemand etwas einzuwenden – meist nicht mal der Chef. Der freut sich nämlich in der Regel, wenn seine Mitarbeiter den Austausch suchen, gemeinsam an einem Strang ziehen, so mental noch enger mit dem Unternehmen verwachsen und es aktiv nach vorn treiben, statt es nur als Mittel zum Geldverdienen zu begreifen. Wer die Bindung zu den Kollegen schmiert, fühlt sich eher als Teil eines großen Ganzen, einer eingespielten Maschinerie. Und agiert so im Job-Alltag verantwortungsbewusster. Noch besser als ein kleiner Schwips in Kollegenrunde sind daher gemeinschaftliche Aktivitäten, die nicht nur Spaß machen und zusammenschweißen, sondern auch Fähigkeiten schulen, die ein vielschichtiges Gruppengefüge zum Funktionieren braucht. Auch Kollegen, die sich normalerweise eher ungern auf dem Flur oder aufgrund ihrer Position nur selten im Konferenzraum begegnen, kommen so zwangsläufig miteinander in Kontakt. In vielen Firmen steht daher zusätzlich zur alljährlichen Weihnachtsfeier auch gelegentlich ein Firmen- oder Teamevent auf dem Plan, von dem alle Beteiligten möglichst langfristig profitieren sollen.

Einer für alle und alle für einen

Anders als eine reine After-Work-Freundschaft setzt eine gute Teambuilding-Aktivität auf Elemente, die auch im Berufsleben eine wichtige Rolle spielen. Je nachdem, auf welche Unternehmung die Wahl am Ende fällt, sind Respekt, Mut, Gemeinschaftsgefühl, Anpackmanier, Offenheit, Toleranz, Führungsqualitäten oder Geduld gefragt. Manchmal auch alles auf einmal. In scheinbar völlig banalen geistigen oder körperlichen Aufgaben zeigt sich manchmal, wer als koordinierender Kopf einer Gruppe besonders gut funktioniert, wer die Team-Mitglieder zusammenhält oder am besten darin ist, den voranpreschenden Kollegen den Rücken frei zu halten. Nicht nur für die Mitarbeiter selbst ist es also fantastisch, am Event-Tag den Schreibtisch gegen eine vielversprechendere Kulisse einzutauschen – auch die Vorgesetzten und Personalmanager können hier oft interessante Entdeckungen machen. Aber völlig egal, ob die Chefs nun dabei sind oder euch allein zum Wandertag schicken: Zunächst mal braucht es eine gute Event-Idee. Mögt ihr es sportlich, kulturell oder lieber kreativ? Für fast jeden Geschmack findet man heute in größeren Städten das passende Angebot.

Evergreens der Firmenausflüge

Ein absoluter Klassiker ist natürlich noch immer der gemeinsame Besuch auf der Kegel- oder Bowlingbahn. Hier wird der sportliche Ehrgeiz jedes Einzelnen entfacht und die gegeneinander antretenden Teams motivieren sich gegenseitig zu Glanzleistungen an der Kugel. Für persönliche Gespräche ist beim Warten auf der Bank genauso Platz wie für das eine oder andere Kaltgetränk. Auch der gemeinsame Koch- oder Cocktailkurs hat sich als in den letzten Jahren als Firmen-Event etabliert. Zunächst heißt es zurückhalten, zuhören und lernen – dann wird selbst der Rührlöffel geschwungen, sich abgesprochen und gegenseitig unter die Arme gegriffen. Wie beim Kegeln oder Bowling lassen sich auch hier die Teams nach jedem (Durch)Gang neu kombinieren, sodass jeder mal mit jedem zu Rande kommen muss. Dank der abschließenden Verkostung in großer Runde bleibt auch bei diesem Event Raum für Geselligkeit und den einen oder anderen Schnack.

Teambuilding mit Pfiff

Wer sich ein bisschen mehr Abenteuer wünscht, kann natürlich auch eine Schnitzeljagd für Erwachsene, ein Krimi-Dinner oder beispielsweise ein sogenanntes Escape-Spiel in Betracht ziehen, bei dem man über das Finden von Hinweisen und Lösen von Rätseln aus einem verschlossenen Raum entkommen muss. Bei Aktivitäten dieser Art steht die reibungslose Zusammenarbeit noch mehr im Vordergrund als bei den Unternehmungs-Evergreens und der Teamgeist kann so richtig in Wallungen geraten. Euch ist weniger nach Denksport und mehr nach echter Leibesertüchtigung? Je nach Jahreszeit und Budget sind Drachenboot- oder Seifenkistenrennen, Paintball und Lasertag tolle Teambuilding-Alternativen. Insbesondere hier sollte man jedoch vorher das Okay der Kollegen einholen, damit auch jeder am Ende mit Spaß bei der Sache ist. Denn bei allen positiven Nebeneffekten ist das jawohl noch immer die Hauptsache, oder?

Welche Teambuilding-Events habt ihr bereits mitgemacht und was hat euch besonders gut oder eher weniger gefallen? Ich freu mich über eure Erfahrungen in den Kommentaren!

Geschrieben von:
Avatar Der Steuermann ist wortwörtlich mit allen Wassern gewaschen: Nachdem er Zeit seines Lebens die Ozeane bereist und vom Kap der guten Hoffnung über das Bermuda-Dreieck bis zur Beringstraße alles gesehen hat, lässt er sich auf seine alten Tage nieder, um seinen reichen Erfahrungsschatz mit unseren Blog-Lesern zu teilen. Konkret heißt das: jede Menge smarte Tipps, Ratschläge und Wissenswertes zu verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen. Dabei zeichnet er sich stets durch Kumpelhaftigkeit, Direktheit und einen gesunden Pragmatismus aus.
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