11.11.2016 · smart leben ·

Brille auf und Abfahrt: So sieht die Virtual Reality Welt aus

Ahoi liebe 3D-Nasen und Virtual-Virtuosen, heute geht es für alle Freunde der Dosen-Wirklichkeit um das Thema, was schon seit einiger Zeit in aller Munde ist: Virtual Reality. 2016 scheint das große Zeitalter der Marktreife für verschiedene Hardware-Lösungen eingeläutet zu haben. Dabei vergessen viele, dass das Thema bereits vor über 20 Jahren mal ganz heiß war, wie das lustige Beispiel SegaVR zeigt:

Von pixelig-bunter Grafik und pixelig-bunten 90er-Hemden haben wir uns jedoch inzwischen losgesagt. Nachdem es um das Thema VR nämlich einige Zeit ziemlich ruhig war, gab es in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung rund um die Brillen, die uns fantastische Welten in die heimischen Wohnzimmer bringen können. Doch wo stehen wir heute? Welche Techniken gibt es? Und was hält die Zukunft für Anwendungsmöglichkeiten parat? Der Steuermann behält den Überblick:

Die großen Drei

Der Ursprung des ganzen Virtual Reality Hypes liegt nach wie vor in der Videospielszene. Im Jahre 2012 wurde die Oculus Rift auf der Videospielmesse E3 erstmals vorgestellt und im Weiteren über eine Kickstarter-Kampagne finanziert. Dabei wurde so viel Kohle gesammelt, dass Oculus Rift heute unter den Top50 der am stärksten finanzierten Projekte auf der Crowdfunding-Plattform gelistet wird. Der Hype war geboren. Inzwischen wurde Oculus von Facebook gekauft – gleichzeitig wurden andere technisch starke Systeme angekündigt und auf den Markt geworfen. Zu den großen VR-Brillen-Produzenten gehören neben Oculus heute HTC mit der zugehörigen Brille „Vive“ und Sony mit seiner Playstation-Adaption „Playstation VR“.

Allen gemeinsam ist dabei, dass sie ein eigenes hochauflösendes Display besitzen, wodurch das komplette Sichtfeld abgedeckt und somit eine optimale „Immersion“ geboten wird. Immersion meint, wie sehr man in die virtuelle Welt abtaucht und sich suggeriert, ein Teil von ihr zu sein. Die Zocker unter euch können also mitunter schon auf ihre Kosten kommen – und müssen dafür teilweise tief in die Tasche greifen: Die Brillen liegen momentan zwischen 400 und 1.000 Euro. Nicht mit eingerechnet sind die Spielkonsolen oder Hightech-PCs, die dafür natürlich auch noch benötigt werden. Und Spiele müssen noch separat dazu gekauft werden. Da erreicht man dann flott eine Investitionshöhe von 1.500-2.000 Euro für den VR-Spielspaß daheim. Im Moment also eher ein Thema für die Hardcore-Zocker.

Die drei großen Anbieter verfolgen bei der Realisierung ihrer Virtual Reality Konzepte dabei verschiedene Ansätze. Mit der HTC Vive etwa wird ein realer Raum mit Sensoren fest eingegrenzt. Der Nutzer erhält zwei Controller, mit denen die Hände auch im virtuellen Raum sichtbar und Interaktionen mit der Umgebung möglich werden. Das kann ziemlich lustig sein. Oder angsteinflößend, wie hier:

Von Pappe sein: Smartphone-Halterungen

Aber auch für den schmaleren Geldbeutel hält der Markt einiges an Hardware bereit. Die günstigste Kategorie bilden dabei Smartphone-Halter, die ohne eigene Elektronik auskommen. Pappvarianten sind für wenige Euro bei verschiedenen Online-Händlern erhältlich und bieten schnellen VR-Spaß mit dem eigenen Smartphone. Zwar gibt es auch Plastikvarianten – die bieten jedoch nicht zwingend eine bessere Bildqualität. Die ist nämlich von den verwendeten Linsen abhängig. Erwähnt sein muss, dass Smartphones und deren Lage-Sensoren natürlich ursprünglich nicht für den VR-Gebrauch ausgelegt waren. Daher ruckelt es beim Umherschauen im virtuellen Raum mitunter gewaltig. Für schnelle und vor allem kostengünstige Impressionen dieser neuen Technik aber durchaus zu empfehlen.

Die Samsung VR, LG 360 oder Google Daydream View sind bekannte Vertreter der Smartphone-Lösungen mit eingebauter Elektronik. Hierbei enthalten die Geräte meist eigene Sensoren, um die Kopfbewegungen im Raum zu optimieren. Die LG360 besitzt sogar ein eigenes Display und transportiert das Bild vom Smartphone über einen USB Anschluss auf die Brille.

Wie beispielsweise die Papplösung von Google, das Cardboard, funktioniert, könnt ihr hier sehen:

Was kann das Ding?

Wie angesprochen ist die Videospielbranche eine der zentralen Treiber von Virtual Reality. Games sind zudem aktuell das wohl größte Anwendungsgebiet. Die Einsatzmöglichkeiten für VR sind jedoch nahezu unbegrenzt und könnten künftig für zahllose gesellschaftliche Bereiche interessant werden.

Tourismus und Events

Aktuell zwar eher Appetizer als vollwertiger Urlaub, aber dennoch: British Airways hat in diesem Jahr eine kleine Europatour gemacht und potenziellen Kunden mit Hilfe von VR-Brillen Lust auf bestimmte Urlaubsziele gemacht. Was hier noch ein netter Marketing-Stunt war, könnte in etwas weiter entfernter Zukunft den Urlaub ergänzen oder sogar ersetzen. Dafür müsste vermutlich jedoch die Interaktion und Bewegung in der virtuellen Welt darstellbar sein – die Entwicklung sogenannter „Fource-Feedback-Anzüge“ versucht diese Richtung einzuschlagen. Dabei sind natürlich nicht nur Reisen in der Gegenwart denkbar: Das antike Rom oder New York in den 20er Jahren besuchen? Mit VR ein durchaus denkbares Szenario.

Konzerte live vom Sofa aus erleben ist derweil schon möglich – so geschehen vor Kurzem bei den Red Hot Chili Peppers. Ausverkaufte Hallen sind dann kein Problem mehr – die Atmosphäre eines echten Gigs zu transportieren da schon eher.

Therapie

Spinnen und Höhe sind die zwei Volks-Phobien der Deutschen. Konfrontationstherapie heißt die medizinische Antwort – und ist mit Virtual Reality konkreter und einfacher zu realisieren als je zuvor. Per Knopfdruck die Vogelspinne ins Zimmer holen oder den Patienten auf’s Empire State Building schicken – kein Problem. Ohne die virtuelle Lösung wird die Therapie aus Zeit- oder Kostengründen momentan hingegen selten angewendet.

Aber auch in der Behandlung von Schmerzen, Depressionen und sogar bei Folgen von Schlaganfällen bieten sich durch VR einschlägige Möglichkeiten. Problematisch ist hierbei aktuell noch, dass der Konsum von Virtual Reality Szenarien teilweise mit Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schwindel verbunden ist. Diese sollten jedoch durch technische Entwicklungen beseitigt werden können.

Shopping

Klamotten online shoppen ist schon lange ein großes Thema – Klamotten online anprobieren wird wohl das nächste sein. Unternehmen wie Adidas und Zalando experimentieren aktuell bereits mit virtuellen Umkleidekabinen – andere versuchen sich an virtuellen Stores, die man von zu Hause aus betreten und erkunden kann. Natürlich wird das ganze erst wirklich sinnvoll, wenn die breite Masse einen Zugang zu VR besitzt – auch hier stehen wir also eher noch am Anfang.

Neben diesen Teilgebieten gibt es natürlich noch viele andere: Ob das Durchführen von Lehrgängen, immersive Filme, Businessmeetings oder Weltraumforschung – Virtual Reality hat das Potenzial unser Leben grundlegend zu verändern. Bis das flächendeckend der Fall sein wird, streicht aber sicher noch ein wenig Zeit ins Land. Und bis dahin haben wir ja auch noch die ganz echte Realität. Ein Glück.


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