08.12.2016 · smart leben ·

Durchstarten oder Bruchlandung? Himmel und Hölle in der Höhle der Löwen

„Ich bin raus!“, „Das skaliert nicht!“, „Ich glaube nicht an Sie als Gründer!“ – oder aber – „Eindrucksvolle Zahlen!“, „Super Qualität!“, „Ich würde euch gern ein Angebot machen!“. Wer sich in die Höhle der Löwen begibt, muss mit der Möglichkeit rechnen, vor einem Millionenpublikum gegrillt zu werden. Sollte man die Löwen aber überzeugen können, winkt ein lukratives Investment plus Know-how und Netzwerk der erfahrenen Investoren. In drei Staffeln gab es Beispiele aus beiden Extremen – strahlende Gewinner und blasse Verlierer. Ich zeige euch heute drei Erfolgsgeschichten und drei Startups, die nach dem Pitch Wunden lecken mussten:

Das läuft – Erfolgreiche Pitches

Little Lunch

20 Millionen Euro Umsatzziel in 2016, 600.000 verkaufte Suppen im Monat, 5.000 gelistete Supermärkte. Little Lunch gilt als Paradebeispiel für ein erfolgreiches DHDL-Investment. Die Idee ist denkbar einfach: Fertigsuppen für die Mittagspause im Büro in bio und gesund. Als die beiden Gründer Denis und Daniel Gibsch Little Lunch 2015 in der Höhle vorstellten, waren die Investoren direkt überzeugt. Judith Williams, Frank Thelen und Vural Öger investierten gemeinsam 100.000€ für 30% der Anteile – Öger zog nach der Show seine Beteiligung jedoch wieder zurück. Über den Teleshopping Kanal HSE24, einen gut gebauten Onlineshop und eine bundesweite Listung in Supermärkten konnte sich das Produkt schnell etablieren. Dabei seien die PR-Wirkung der TV-Ausstrahlung und das Netzwerk der Investoren entscheidend gewesen, sagen die Gründer. Frank Thelen hat derweilen geäußert, dass Little Lunch das Potenzial besäße, ein Milliardengeschäft zu werden. Kein Haar in der Suppe!

Von Floerke

Herren-Accessoires wie Fliegen, Krawatten, Uhren, Socken und Manschettenknöpfe stehen im Mittelpunkt bei Von Floerke. Der zugehörige Pitch kam 2015 sehr überzeugend daher – auf jede kritische Frage der Löwen hatte der Unternehmer adhoc eine passende Antwort. Lukrative Marge, Gründerpersönlichkeit und nicht zuletzt die qualitativ hochwertigen Produkte konnten die Investoren überzeugen. Vural Öger, Judith Williams und Frank Thelen setzten sich letztlich mit einem Angebot von 100.000€ durch – kurz bevor Lencke Steiner und Jochen Schweizer ihr eigenes Angebot verlautbaren durften.

Und auch hier ist der weitere Verlauf durchaus vorzeigbar: Die Produkte sind deutschlandweit in Filialen verfügbar, der Umsatz liegt Unternehmensangaben zu Folge bei über 400.00€. Inzwischen ist jedoch nur noch die Zusammenarbeit mit Frank Thelen aktiv. Mit diesem arbeitet der junge Gründer David Schirrmacher aber sicherlich weiterhin am ausgegebenen Unternehmensziel: Von Floerke soll Marktführer für hochwertige Mode-Accessoires werden. Der Weg dorthin ist geebnet.

Ankerkraut

Die richtige Würze brachte Ankerkraut in die diesjährige Staffel der Startup-Show. Als Geschmacksmanufaktur bietet das Hamburger Unternehmen Gewürze und Gewürzmischungen ohne Zusatzstoffe an. Dabei wird eine möglichst frische Lieferung garantiert – dem Standort am Warenumschlagsplatz Hamburg sei Dank. Das energievolle Auftreten, die Story und der vorhandene Gründergeist konnten vor allem Frank Thelen überzeugen. Dieser investierte 300.000€ für 20% Unternehmensanteile und sagt in einem Interview Ende November, dass das Startup „unfassbar gut“ laufe. Bedeutet: Über 500.000€ monatlicher Umsatz, eine Million geplant für das kommende Jahr. Gesalzene Zahlen!

Autsch – Hier haben die Löwen Zähne gezeigt

Sixtyone Minutes

Mit großen Ambitionen sind die beiden Gründer Monique Hoell und Michael Gnamm in der allerersten Folge von „DHDL“ angereist, versprachen Sie dem Nutzer doch anhand ihres digitalen Concierge-Dienstes täglich viel mehr Zeit zu haben. Wie das? Als persönlicher Assistent soll Sixtyone Minutes sämtliche Anfragen des Verwenders beantworten und erledigen können. Ob die Buchung einer Reise, das Finden einer Reinigungskraft, der Standort des nächsten Supermarktes – die Mitarbeiter von Sixtyone Minutes sollten alle Wünsche der Kunden innerhalb von ca. einer Stunde erfüllen können. Und hier lag auch schon das erste Problem für die Löwen: Wenn man eine Stunde für solche Anfragen brauchen würde, sei das Konzept von gestern, meinte Vural Öger. Auch die restlichen Löwen hatten für den Dienst nicht viel übrig. „Verrückte und dumme Idee“, „Kein überzeugendes Konzept“, „Scheitern vorprogrammiert“ waren nur einige der bissigen Kommentare. Vor allem die inhaltlich breite Palette an Aufträgen, die durch die Positionierung als 360 Grad Service auf die Gründer zukommt, wurde kritisch gesehen. Folgerichtig kam der angepeilte Deal nicht zustande. Das Unternehmen bestand jedoch weiter – und bekam beispielsweise mit GoButler Konkurrenz auf dem deutschen Markt. Inzwischen ist es um das Startup jedoch ruhig geworden. Eine Website existiert nicht mehr, keine App im Appstore, kein Social Media Auftritt. Es scheint, als hätte sich die Prophezeiung der Löwen bewahrheitet und der Gründung war keine goldene Zukunft vergönnt.

St. Erhard

Nicht weniger als eine Flaggschiffmarke unter den deutschen Bieren wollte Christian Klemenz mit seinem Hopfengetränk „St. ERHARD“ etablieren. Dabei war sein Ziel in der Höhle der Löwen ein 350.000€ Invest – bei einer Beteiligungsquote von gerade einmal 5%. Die sich daraus ergebende Unternehmensbewertung von 7 Millionen Euro war den Juroren eindeutig zu hoch gegriffen – sie ließen den jungen Gründer komplett auflaufen. Die Idee, eine deutsche Biermarke im indischen Markt – der trotz großer Beliebtheit des deutschen Nationalgetränkes noch über ein sehr geringes Bier-Angebot verfügte – zu positionieren, konnte die Löwen als Geschäftsmodell nicht überzeugen. Die schlechte Beurteilung seitens der Investoren hat dem Gründer bis heute jedoch nachweislich nicht geschadet – das Bier wird weiterhin gebraut, der Umsatz liegt bei über einer Million Euro und das Unternehmen beschäftigt um die 40 Mitarbeiter. Außerdem wurde das Geschäftsfeld mit der Eröffnung von Bier-Fachgeschäften, den sogenannten Bierotheken, erfolgreich erweitert. Prost!

WeCharge

In der 2016 veröffentlichten Staffel durfte sich WeCharge Gründer Andreas Fesl eine ordentliche Packung von den Löwen abholen. Seine Idee: Laden an jeder Ecke. Nein, damit ist kein bundesweites Filialnetz von Backshops oder Spielzeuggeschäften gemeint, sondern das Aufladen von Elektrofahrzeugen – eCars, eRoller, etc. Diese seien laut Gründer spätestens in 10-20 Jahren deutlich in der Mehrheit gegenüber etwa Benzin- und Dieselfahrzeugen. Problematisch wird laut Gründer jedoch die Verfügbarkeit von Aufladestationen sein, obwohl doch eigentlich jeder Haushalt über die entscheidende Ressource Strom verfügt. Hier setzt WeCharge an: Privathaushalte können ihren Strom aus der Dose über eine digitale Plattform anbieten, „Stromer“-Fahrer ihre Ladestationen suchen, ihren Saft abholen und direkt über die App abrechnen. So weit so gut. Und obwohl Digital-Experte Frank Thelen e-mobility als „eines der wichtigsten Themen aktuell“ sieht, bekommt die Idee wenig Zuspruch. Die Gründe sind vielfältig: „Zu lange Ladezeiten“, „Konkurrenten wesentlich weiter“ oder „viel zu hohe Unternehmensbewertung“ etwa. Zusätzlich konnte der Gründer nicht unbedingt mit seiner Vita, in der bereits eine gescheiterte Unternehmung stand, überzeugen. Wie sich das Projekt entwickelt, ist aktuell schwierig zu beurteilen. Eine Website existiert nicht, der Facebook-Auftritt wird nur sehr sporadisch gepflegt. In einem Interview mit Gründerszene sagt der Gründer Anfang Oktober, dass er in Verhandlung mit verschiedenen in- und ausländischen Investoren stehe. Also abwarten. Vielleicht laden wir unsere Autos ja tatsächlich irgendwann mal per WeCharge. Oder dem Dienst wird der Strom komplett abgedreht.

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