22.12.2016 · smart leben ·

Von Pinata bis Braais: Weihnachtsrituale rund um die Welt

Ein vorweihnachtliches Ahoi aus der Steuerzentrale! Meine Vorbereitungen für das große Fest sind in vollem Gange, der Adventskalender leert sich zusehends und auch den Karpfen fürs Feiertagsessen hab ich natürlich schon höchstpersönlich von der Angel gepflückt. Doch was auch immer bei euch an den heiligen Tagen auf die Teller oder als Schmuck an den Baum kommt – in anderen Teilen der Welt wird Weihnachten teilweise so anders zelebriert, dass man schon ordentlich ins Staunen gerät. In meinem letzten Blogbuch-Eintrag hab ich euch auf einen weihnachtlichen Streifzug durch Europa mitgenommen. Da es rund um die sieben Weltmeere ja aber noch viel mehr zu entdecken gibt, schauen wir heute mal auf die Weihnachtsrituale und Traditionen auf den übrigen Kontinenten!

Weihnachtsrituale in Nordamerika

USA: Für die meisten Bürger der USA ist Weihnachten das Fest aller Feste – eigentlich kann man da gar nicht genug auffahren! Die Fenster und Vorgärten blinken und funkeln und spätestens Anfang Dezember riecht und klingt es an jeder Ecke nach XMAS, wie die Amis sagen. Genau wie in England kommt Santa Claus am Morgen des 25. Dezember durch den Kamin gerutscht, um die Stiefel mit Geschenken zu füllen. Überall im Land gibt es Weihnachtsparaden und hier und da sogar ein amtliches Feuerwerk, das mit seinem ohrenbetäubendem Krach alles Böse in die Flucht schlagen soll.

Grönland: Hier ist vielleicht was los! Na klar, der Weihnachtsmann wohnt bekanntermaßen am Nordpol. Und da Grönland als größte zusammenhängende Landmasse in dessen Umkreis gilt, ist es nur logisch, dass man das Zuhause des bärtigen Geschenkelieferanten eben hier verortet. Der Überlieferung nach lebt er in einer unterirdischen Eishöhle und lässt sich gern mit ausgedienten Baby-Schnullern beschenken. Um selbst einen abzugeben oder seine beeindruckende Sammlung zu bestaunen, muss man nur ins Postamt von Julianehaab fahren – die Schnuller lagern dort in einer Glocke.

Weihnachtsrituale in Australien und Neuseeland

Drinnen knisterndes Feuer, draußen bitterkalt? Was wir in Deutschland sofort mit Weihnachtsstimmung assoziieren, lässt die Menschen in Down Under nur müde lächeln. Das Fest der Liebe fällt hier mitten in den Hochsommer, sodass man statt unterm Christbaum traditionell unter einer Plastiktanne sitzt – oder eben am Strand unter Palmen. Da Kunststofftannen selten nadeln, steht der Baum in der Regel schon Anfang Dezember und wird bis zum Fest nach und nach mit Geschenken unterfüttert. Ausgepackt werden diese dann wie auch in England und Nordamerika traditionell am Weihnachtsmorgen, danach geht es mit Freunden und Familie zum gemeinsamen Barbecue ans Meer.

Australien: An Heiligabend pflegen viele Aussies einen etwa achtzig Jahre alten Brauch: Im Privaten, aber auch auf öffentlichen Plätzen werden am 24. Dezember bei Kerzenschein Weihnachtslieder gesungen und instrumental begleitet. Die sogenannten Carols by Candlelight schaffen so auch im sommerlichsten Urlaubsparadies ein bisschen Weihnachtsatmosphäre nach deutschem Geschmack.

Neuseeland: Bei den Kiwis gibt es das in dieser Form zwar nicht, dafür aber eine andere Besonderheit namens „Pohutukawa“: Dieser Baum, der in Küstenregionen wächst, trägt zur Weihnachtszeit prachtvolle rote Blüten. Er wird deshalb auch als neuseeländischer Weihnachtsbaum bezeichnet. Beim Strand-Picknick am 25. gibt‘s außerdem traditionell „Pavlova“ für alle – ein süßes Nationalgebäck.

Weihnachtsrituale in Südamerika

Wie beispielsweise auch bei unseren italienischen Nachbarn spielen religiöse Aspekte im südamerikanischen Weihnachtsfest eine wichtige Rolle. Auch hier ist die überwiegende Mehrheit der Einwohner katholisch, deshalb ist die Krippe das wichtigste Dekorationsobjekt – quasi unser Tannenbaum.

Mexiko: Mit den sogenannten Posadas zeigt sich Mexiko zu Weihnachten von seiner schillerndsten Seite: kunterbunte Umzüge mit Tanz und Feuerwerk, die als moderne Interpretation der Herbergssuche von Maria und Josef gelten. Ein Brauch für die Lütten: Jedes Jahr wird ein christlich dekorierter Tontopf, die Pinata, so aufgehängt, dass die Kinder ihn mit verbundenen Augen und Kochlöffeln finden und zerschlagen können. Wer es schafft, bekommt die Leckereien im Innern.

Kolumbien: Warum nur einmal feiern, wenn es auch elfmal geht? Das haben sich wohl die Kolumbianer gedacht. Zunächst mal gehen sie am 14. Dezember traditionell mit der ganzen Familie Moos sammeln, um damit die heimische Krippe auszuschmücken. Am selben Abend gibt’s dann die erste festlich-religiöse Zusammenkunft – sie wird von nun an bis zum Heiligabend Tag für Tag wiederholt. Geschenke gibt es in Kolumbien nur für die Kinder: Die Eltern verstecken sie nachts unter ihren Betten und am nächsten Morgen glauben die Kinder, El Niño Jesus, das Christkind habe sie besucht. Drumherum gibt es in der Weihnachtszeit viele Stierkämpfe und immer wird irgendwo Salsa getanzt.

Weihnachtsrituale in Asien

Philippinen: Bestimmt könnte irgendeiner von euch schlauen Köpfen mir erklären, ob und warum es hier kulturell eine Verbindung gibt: Die Philippinen zelebrieren ähnlich wie die Kolumbianer schon neun Tage in Folge die Abendmesse, bevor die „Noche buena“ anbricht – der Heilige Abend. Nun geht’s erst zur krönenden Mitternachtsmesse und dann ran an die Festtafel und an Schinken und Käse. Der Brauch besagt, wer jeden Tag zur Messe geht, der bekommt einen Wunsch erfüllt.

Japan: Ganz anders die Japaner: Viele von ihnen kennen die Weihnachtsgeschichte nur vom Hörensagen. Stattdessen hält sich der Glaube an einen gewissen Santa Claus, der am 25. Dezember Geburtstag feiert. Das wichtigste Element in der japanischen Weihnacht ist das Geschenke-Kaufen, Konsum steht im Vordergrund und die Einkaufspassagen sind entsprechend festlich geschmückt. In einigen eher traditionellen, ländlichen Regionen ist der religiöse Aspekt etwas bedeutsamer.

China: Festliche Dekoration und Weihnachtsbäume findet man zur Weihnachtszeit auch auf den Straßen und Plätzen Chinas. Da der überwiegende Teil der Chinesen dem buddhistischen Glauben angehört, gilt der eigentlichen Geschichte dahinter aber wenig Interesse. Es sind vor allem junge, international geprägte Leute, die die westlichen Traditionen verbreiten. Damit auch den Weihnachtsmann: Er heißt hier „Dun Che Lau Ren“ und steckt seine Geschenke in aufgehängte Socken.

Indien: Auch wenn in Indien gerade einmal zwei Prozent Christen mit vorrwiegend katholischem Glauben leben, haben sie doch ihre eigenen Traditionen. In Kerala hängt man zu Beginn der Weihnachtszeit beispielsweise übergroße Sterne aus Papier über die Haustüren, in Goa werden als typische Weihnachtsgerichte Fischcurry und Kuchen aufgetischt. Der österreichische Exportschlager „Stille Nacht, heilige Nacht“ wird witzigerweise auch in Indien gern gesungen.

Weihnachtsrituale in Afrika

Kenia: Ohne ein festliches Familienessen geht es zu Weihnachten auch in Kenia nicht. Nach dem großen Schmaus an Heiligabend putzen und dekorieren traditionell die Kinder das Haus. Am nächsten Tag wird nach altem Brauch pro Familie eine Ziege geschlachtet, deren Fleisch dann am Abend direkt auf den Tisch kommt. Im Anschluss überbringen die Kenianer Weihnachtsgeschenke an Nachbarn und Freunde und feiern die ganze Nacht eine ausgelassene Weihnachtsparty – bei bis zu 30° Celsius.

Namibia: Da Namibia vor etwas mehr als hundert Jahren noch eine deutsche Kolonie war, haben sich hier einige unserer Bräuche gehalten. Zwar kann der Tannenbaum auch gern mal ein Dornbusch sein, dafür wird Weihnachten als Fest der Besinnlichkeit und des Zusammenseins verstanden. Der überwiegende Teil der Namibier veranstaltet das Festessen am 25. Dezember. Meist kommt dann „Pap en Vleis“ auf die Teller – ein Hirse- oder Maisbrei mit Fleisch. Das ehemalige Hirtenvolk der Hereros legt traditionell ein Tierfell vor dem „Heiligen Feuer“ nieder. Darauf herumzutreten soll Glück bringen.

Südafrika: Am Kap findet man den wohl buntesten Weihnachtsrituale-Mix. Neben der europäischen Prägung durch die Niederländer gibt es auch die für Australien typischen Grill-Gelage, sogenannte Braais, am hochsommerlichen Strand. Doch daneben gibt es in den diversen südafrikanischen Kulturen noch etliche weitere Bräuche. So suchen die Xhosa über die Feiertage beispielsweise den Medizinmann der Familie auf, während die Kapmalaien im Dezember ihre Häuser auf Vordermann bringen. Zu Essen gibt es in der sprichwörtlichen Regenbogennation beim großen Mahl am ersten Weihnachtstag demnach auch alles von Truthahn bis „Umngqusho“ – ein traditionelles Gericht aus braunen Bohnen, Mais und Schafsfleisch. Die Reste werden am 26. Dezember unter den Armen verteilt. In diesem Sinne: geseënde Kersfees – frohe Weihnachten!

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