23.12.2016 · smart steuern ·

Alte Fonds, neue Steuern – aber erst ab 2018

Die Regel war eigentlich ganz einfach: Wer vor 2009 in einen Fond investierte, musste auf daraus entstehende Gewinne keine Steuern bezahlen. Punkt. Doch dieser fast schon heilige Bestandsschutz für Investmentfonds fällt – allerdings erst ab 2018. Ab dann müssen Anleger wie auf andere Kapitalerträge prinzipiell die Abgeltungsteuer zahlen. Wir erklären, was Anleger steuerlich beachten sollten – und warum alles vielleicht doch nicht ganz so wild ist, wie es auf den ersten Blick klingt.

Die Vorgeschichte

Früher, das heißt vor 2009, war die Besteuerung von Wertpapieren wie Aktien und Fonds ganz anders geregelt als heute. Damals waren Gewinne immer dann steuerfrei, wenn man das Wertpapier mindestens ein Jahr lang gehalten hatte. Bei der seit 2009 eingeführten Abgeltungsteuer werden hingegen pauschal 25 Prozent auf Gewinne aus Wertpapiergeschäften als Steuer fällig (plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer), allerdings erst ab dem Sparerfreibetrag von aktuell 801 Euro. Mehr dazu lesen Sie übrigens in diesem Blog-Beitrag.
Ein solch grundlegender „Systemwechsel“ wie dieser im Jahr 2009 brauchte natürlich Übergangsregeln. Und die klangen ja auch gut: Wer vor dem Stichtag in Wertpapiere investierte, erhielt Bestandsschutz. Der wurde auch immer wieder verlängert. Doch damit ist es nun bald vorbei – aber nicht für alle Wertpapiere, wie wir gleich sehen werden.

Das neue Investmentsteuergesetz

Bereits im Sommer ging das „Gesetz zur Reform der Investmentbesteuerung (Investmentsteuerreformgesetz – InvStRefG)“ durch Bundestag und Bundesrat. Auf 46 Seiten inklusive Inhaltsverzeichnis geht es unter anderem um eine steuerliche Gleichstellung von inländischen und ausländischen Fonds. Die Steuererklärung soll dadurch einfach werden, weil dafür nur noch vier Angaben gebraucht werden: Höhe der Ausschüttung, Fondswert zu Jahresanfang und zu Jahresende sowie die Art des Fonds.
In 56 Paragraphen ist alles genauestens beschrieben, die „Bombe“ platzt dann auch erst im allerletzten. Denn dort steht in den „Anwendungs- und Übergangsvorschriften“ im Absatz 6 klipp und klar, dass Gewinne bis 31.12.2017 steuerfrei bleiben, Wertveränderungen in Fonds, die nach dem 1.1.2018 entstehen, hingegen steuerpflichtig sind.
Hier kommt das ganz große ABER: Steuern auf Veräußerungsgewinne solcher alten Fonds werden erst ab einem Gewinn von 100.000 Euro fällig. Und das ist dann schon wieder eine ganze Menge. Wie geschrieben, alle Gewinne von 2009 bis 2017 bleiben steuerfrei.
Am Jahresende 2017 wird auf dem Papier so getan, als hätte der Anleger seine Fondsanteile verkauft und gleich wieder gekauft. Der alte Bestandsschutz ist dann weg. Gewinne die bis dahin entstanden waren, bleiben steuerfrei, alles was danach kommt, unterliegt der Abgeltungsteuer – aber mit der Freigrenze von 100.000 Euro.

Was bedeutet das für Fondsanleger – und was ist mit Aktien?

Zuerst, weil das sicher auch eine berechtigte Frage ist: Verträge zur Riester-Rente und zur Rürup-Rente bleiben auch weiterhin von der Abgeltungssteuer verschont. Also kein Grund zur Panik. Das gilt auch für den durchschnittlichen Anleger in Fonds. Denn: Bis Ende 2017 bleibt alles, wie es ist, und danach muss man auch erstmal 100.000 Euro Gewinn machen, um steuerpflichtig zu werden. Unser Tipp ist also ganz einfach: Das Investment in Fonds jetzt bloß nicht überstürzt verkaufen, sondern halten – bis der seit 2018 aufgelaufene Gewinn irgendwann in (ferner) Zukunft mehr als 100.000 Euro beträgt.

Und zu guter Letzt: Aktienbesitzer betrifft das alles gar nicht. Die können sich weiterhin auf steuerfreie Gewinne freuen, wenn sie diese Wertpapiere seit 2008 oder länger halten. Zumindest solange, der Gesetzgeber da nicht auch was ändert…

Franziska Zachert Geschrieben von:

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