20.01.2017 · smart steuern ·

Work-and-Travel: Steuer für Rucksacktouristen in Australien

Wir meckern ja gern über die Steuerpolitik in Deutschland. Aber schauen wir doch mal nach Australien. Hier passiert gerade etwas, dass auch viele junge reiselustige Deutsche unmittelbar betrifft: Sie müssen jetzt die „Backpacker Tax“ (Rucksack-Steuer) von 15 Prozent zahlen, wenn sie im Land einen Aushilfsjob annehmen. Wir erklären, was das genau bedeutet und ob es Alternativen gibt.

Der Traum von der Freiheit

Es ist eine großartige Gelegenheit für junge Leute bis 30, die Welt zu entdecken: Mit einem Work-and-Travel-Visum (auch Working Holiday Visum genannt) können sie bis zu einem Jahr in Australien sein – und sich das Geld für den Aufenthalt vor Ort verdienen. Meist waren das Jobs als Erntehelfer, seltener in der Gastronomie, in Hotels oder in der Tourismusbranche. Meist zum Mindestlohn von knapp 18 australischen Dollar (umgerechnet rund 12 Euro pro Stunde) oder höchstens knapp drüber. Das klingt auf den ersten Blick zwar nicht schlecht, ist bei den sehr hohen australischen Lebenshaltungskosten aber auch nicht umwerfend viel. Immerhin: Bis zu einem Verdienst von 18.200 australischen Dollar (12.800 Euro) war das steuerfrei. Hunderttausende Rucksackreisende machten jedes Jahr Work-and-Travel in Australien. Vor allem in der Landwirtschaft war die Ernte ohne die „Backpacker“ nicht mehr denkbar.

15 Prozent Steuer als Kompromiss

Entsprechend groß war der Aufschrei, als die Regierung 2015 ankündigte, eine Steuer in Höhe von 32,5 Prozent auf den Lohn für die Rucksackreisenden einzuführen, und zwar ohne jeden Freibetrag, also ab dem ersten Dollar. Vor allem die Farmer fürchteten zu recht, dass die Backpacker bei dieser Steuer nicht mehr ins Land kommen würden und deshalb zum Beispiel die Ernte nicht komplett gemacht werden kann. Dann wurde wie auf dem Basar gehandelt und gefeilscht, erst ging es runter auf 19 Prozent, dann kamen Forderungen nach 10,5 Prozent und schließlich einigte man sich Ende 2016 auf 15 Prozent.
Das ist für viele Rucksackreisende immer noch viel (netto rund 2 Euro weniger die Stunde beim Mindestlohn), aber für den Staat Australien ist es eigentlich nicht so viel. Bei etwas mehr als 200.000 Work-and-Travel-Visa, die etwa in der Saison 2014/15 vergeben wurden, dürften die Steuereinnahmen bei einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag liegen. Und die dürften noch niedriger liegen, wenn einfach weniger Backpacker zum Reisen und Arbeiten ins Land kommen…

Alternativen bieten sich an

… denn es gibt durchaus auch andere Länder, die mehr als eine Reise wert sind, und die ebenfalls Work-and-Travel anbieten, also ein einjähriges Visum inklusive der Erlaubnis, Geld in einfachen Jobs verdienen zu können. An erster Stelle ist da der kleine Nachbar Australiens zu nennen, Neuseeland, wo es übrigens eine Steuer gibt, die aber „nur“ 10,5 Prozent beträgt. Hoch im Kurs steht Kanada. Allerdings mittlerweile so hoch, dass die Visa per Losverfahren verteilt werden. Besonders exotisch, aber vielleicht deshalb auch besonders interessant sind Japan und Chile, die ebenfalls Work-and-Travel anbieten.
Und was viele übersehen: Der Sprung in das EU-Ausland mag zwar nicht so spektakulär sein wie der in die bisher genannten Länder, dafür ist er aber ganz einfach. Denn in EU-Staaten können Sie als Deutscher ohne jede Einschränkung reisen und arbeiten.    

Franziska Zachert Geschrieben von:

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