26.01.2017 · smart leben ·

Studieren mit Kind: Zwischen Baby und Bachelor

Kinder, Kinder! Nein, ausnahmsweise seid nicht ihr gemeint – heute geht es in meinem Steuermann-Blogbuch tatsächlich um den lieben Nachwuchs. Und weil der zwar (die Pubertät mal ausgenommen) für Eltern das schönste Geschenk auf der Welt sein kann, aber eben auch so einige Anforderungen mit sich bringt, sollte man zu jeder Zeit bestens informiert ins Familienleben starten. Besonders dann, wenn man als Mama und Papa in spe nicht in einer gemütlichen Festanstellung steckt, schon seit einer Weile regelmäßig ein paar Taler auf die hohe Kante legt und Aussicht hat auf bezahlte Elternzeit. Wenn man so weit noch gar nicht ist, weil man beispielsweise (noch) studiert. Doch wie läuft das, studieren mit Kind?

Das laxe Studentenleben? Gibt’s nicht mehr

Heute ist das mit der Studiererei ja ein bisschen anders als noch vor zwanzig, dreißig Jahren. Das gute alte Diplom hat ausgedient, überall wird man nun Bachelor oder Master und überhaupt will heute fast jeder an die Uni, der die Hochschulreife in der Tasche hat. Während ein Studium früher als Privileg galt, sind die Hörsäle heute oftmals überfüllt und Absolventen beliebter Studienfächer haben es nach dem Bachelor schwer, beruflich einen Fuß in die Tür zu bekommen. Also hängen sie oft noch einen Master dran – und machen hinterher und zwischendurch noch diverse Praktika, um den Lebenslauf aufzumotzen.

Doch selbst, wer alles lückenlos durchzieht, muss für den Masterabschluss in der Regel mindestens fünf Jahre an die Uni. Im Normalfall ist man also bereits Mitte, Ende zwanzig, bevor es ans Geldverdienen, rauf auf die Karriereleiter und dann irgendwann vielleicht auch an den Nestbau geht. Wer allerdings nach dem Abi erstmal eine Ausbildung durchlaufen und sich dann doch noch fürs Studium entschieden hat, ein bisschen getrödelt oder mittendrin die Welt bereist, kratzt beim Jobeinstieg gegebenenfalls sogar schon an der Dreißig. Möchte man bei der Geburt des ersten Kindes aber noch verhältnismäßig jung sein, muss man also entweder die eigenen Pläne hintenanstellen – oder eben kreativ, mutig und verantwortungsvoll genug sein, um das Baby parallel zum Studium zu schaukeln.

Abschluss und Alltag – die Doppelbelastung

Gerade in der ersten Zeit brauchen Kinder eine Vollzeitbetreuung. Doch leider sind mit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System auch die Zeiten von „Komm ich heut nicht, komm ich morgen“ vorbei: Die meisten Studiengänge sind heute ähnlich durchstrukturiert wie Schuljahre, inklusive vollem Stundenplan und strikter Anwesenheitspflicht. Nach der Geburt mal eben vier Wochen zuhause bleiben? Alles machbar, erfordert aber vermutlich ein Urlaubssemester. Dazu kommen Schlag auf Schlag Hausarbeiten, Prüfungsphasen, Gruppentreffen mit Kommilitonen und und und. Bedeutet im Klartext: Alle zwei Stunden Fläschchen geben, wickeln, waschen, spazieren, Schlafentzug, Erschöpfung – das klassische Säuglingsprogramm passt nur mit viel Energie unter den gleichen Hut.

Studieren mit Kind: Auch eine Frage der Finanzen

Und das ist ja nur eine Seite der Medaille, schließlich möchte man seinem Kind auch in finanzieller Hinsicht etwas bieten können. Doch das Leben ist nun mal nicht immer planbar und bekanntermaßen entsteht Nachwuchs nicht immer aus einem bewussten Entschluss. Doch egal, ob Wunschkind oder nicht: Entscheidet man sich während des Studiums für ein Baby, braucht man in jedem Fall einen guten Plan. Woran sich im Vergleich zu früher nämlich eher wenig geändert hat, ist die Tatsache, dass die meisten Studenten nicht gerade in Zaster schwimmen. Doch ein Kind kostet eine amtliche Stange Geld – von der Erstausstattung einmal abgesehen, wird es im Laufe der Jahre sogar immer mehr. Mit wie viel genau man in welchem Alter durchschnittlich rechnen muss, habe ich euch vor einer Weile hier schonmal zusammengetragen. Also, was tun, wenn die Geburt absehbar, aber das Konto ständig leer und selbst die Mensa perspektivisch für zwei zu teuer ist?

Was tun? Die ersten Anlaufstellen

Egal, ob die weitere Karriereplanung, Betreuungsfragen oder finanzielle Nöte: Studierende Eltern sind definitiv nicht allein. Abgesehen davon, dass nach aktuellen Zahlen deutscher Studentenwerke etwa sieben Prozent der Uni-Gänger Kinder haben, gibt es auch anderswo Austauschmöglichkeiten und Unterstützung. Natürlich ist es toll, wenn Freunde und Familie mit ihrer Mithilfe einen Teil der Sorgen abfedern, doch selbstredend hat nicht jeder das große Glück, sich bei Geldnot an die Eltern wenden oder Opa und die beste Freundin als Babysitter einspannen zu können. Deshalb hat heute beinahe jede deutsche Hochschule eine Anlaufstelle für schwangere Studentinnen bzw. studierende Eltern. Hier kann man sich nicht nur gezielt über den Spielraum im jeweiligen Studiengang informieren, sondern auch von der Erfahrung in Sachen finanzielle Möglichkeiten, Wohnraum und Kinderbetreuung vor Ort profitieren und alle offenen Fragen klären.

Studieren mit Kind: Die wichtigsten Antworten in Kürze

Zunächst mal: An vielen Unis gibt es heutzutage eine Ganztagsbetreuung für Kinder, die einem auch kleine Besuche zwischen zwei Vorlesungen erlaubt. Wer kurz vor und direkt nach der Geburt ganz für sein Baby da sein will, kommt vermutlich nicht um ein Urlaubssemester herum, viele Dozenten lassen aber in Bezug auf die Abgabefristen von Prüfungsleistungen auch mit sich reden. Wird das Kind pünktlich zur Klausur krank, genügt ein ärztliches Attest für einen Nachschreibemin. Und auch finanziell gibt es verschiedene Hilfen, um den Belangen des Babys als Student gerecht werden zu können. Zunächst mal wird die Mutter, mancherorts auch der Vater des Kindes, für einen gewissen Zeitraum von den Studienbeiträgen befreit. Dazu gibt es ganz regulär das monatliche Kinder- und Elterngeld. Hat die Mutter zuvor schon einmal gearbeitet – auch in einem kleinen Nebenjob – hat sie außerdem Anspruch auf Mutterschaftsgeld, das sich am letzten Nettoeinkommen bemisst. Nur ein paar Taler pro Tag, aber besser als nichts, nicht wahr? BAföG-berechtigt wird man durch die Geburt eines Kindes hingegen nicht automatisch, da es sich allein aus dem Vermögen der eigenen Eltern errechnet.

Hier findet ihr viele weitere nützliche Infos und Links rund um das Thema Studieren mit Kind.

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Caty sagt:

    Ich habe auch unerwartet ein Baby im Studium bekommen. Ich finde es wichtig, dass man den studirenden Eltern Mut macht, dass das Studium trotzdem schaffbar ist ! 🙂 Ich habe mit Baby ein super Bachelor Abschluss geschafft – lasst euch nicht einschüchtern. Wenn die Großeltern während der Vorlesungen auf das Kleine aufpassen ist einem schon viel geholfen. Super Artikel! 🙂

  • Avatar Anton sagt:

    An Caty, echt Respekt für diese Leistung. Das schaffen nur die wenigsten! Hut ab! 😀

  • Das ist natürlich nicht leicht, aber ich selbst glaube, dass es wert ist. Ich selbs kenne einen Freindin von mir, die ein Baby hatte als sie studierte und sie hat es geschaft das alles zu planen und ihr Studiem zu beenden.


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