27.01.2017 · smart steuern ·

Kommen jetzt höhere Steuern auf Fleisch und Milch?

Die letzten Reste vom Festtagsbraten waren kaum verdaut, da sorgte Anfang Januar eine Schlagzeile für Unruhe – übrigens nicht nur bei Fleischessern. Denn das Umweltbundesamt forderte höhere Steuern für Fleisch, aber auch für Milch und überhaupt alle tierischen Lebensmittel.

Der Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten. Was hat das Umweltbundesamt überhaupt mit Lebensmitteln zu tun? Wie kommt die Behörde auf diese Idee und wie soll das konkret aussehen? Wir geben die Antworten und erklären am Ende auch, wie realistisch das Ganze ist.

Umweltschädliche Subventionen

Kommen wir also gleich zur ersten Frage: Was hat das Umweltbundesamt mit Lebensmitteln zu tun? Ich versuche es so kurz wie möglich zu machen. Das Amt schaut sich regelmäßig an, wo der Staat klimaschädliches Verhalten direkt oder indirekt belohnt, und zwar in Form von steuerlichen Subventionen. 57 Milliarden Euro seien das im Jahr, so die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger. Die größten Posten liegen dabei bei den Klassikern Energie und Verkehr. So ist die steuerliche Bevorteilung von Dieselkraftstoff eigentlich Gift für die Umwelt, denn bei der Verbrennung von Diesel entsteht 13 Prozent mehr CO2 als bei Benzin, weshalb das Amt Diesel mindestens so hoch besteuern würde wie Benzin.
Nun kommen aber die Lebensmittel, versprochen. Denn erstmals erwähnte das Umweltbundesamt neben den erwähnten Klassikern auch die Mehrwertsteuer (!) für tierische Produkte als klimaschädliche Subvention, in Höhe von insgesamt 5,2 Milliarden Euro. Was hat das mit der Mehrwertsteuer zu tun, fragen Sie vielleicht? Antwort im nächsten Absatz.

7 oder 19 Prozent – der ermäßigte Mehrwertsteuersatz

Lebensmittel des Grundbedarfs unterliegen dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Zur Verdeutlichung: Wer für 100 Euro (netto) einkauft, zahlt in diesem Fall 107 Euro – statt der eigentlich fälligen 119 Euro (bei 19 Prozent). Ausführlich können Sie darüber in diesem Blogbeitrag nachlesen. Ginge es nach dem Umweltbundesamt, würden bald die 119 Euro fällig, solange der Einkauf nur aus tierischen Lebensmitteln besteht. Dazu gehören die schon erwähnten Fleisch und Milch. Aber eben auch viele andere tierische Produkte vom Ei, über Käse, Joghurt und Butter bis hin zu Wurst.
Und warum sollen tierische Lebensmittel nun eigentlich umweltschädlich sein? Das Amt rechnet hier vor, dass etwa die Produktion von einem Kilo Rindfleisch zwischen 7 und 28 Kilo an Treibhausgasen verursacht. Bei Obst und Gemüse sind es hingegen weniger als 1 Kilo.
Und was mit den 5,2 Milliarden Euro an Steuermehreinnahmen geschehen soll, wusste das Umweltbundesamt auch: Der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent soll sinken. Nicht-tierische Lebensmittel würden dadurch günstiger – aber auch der öffentliche Nahverkehr, denn für den gilt auch der 7-Prozent-Satz.

Der Realitäts-Check

Nun ja, seien wir ehrlich. Ein bisschen an den Haaren herbeigezogen klingt das alles schon. Aber das hat ja im Zweifel am Ende bisher auch keinen gestört, solange nur mehr Steuern eingenommen wurden.
Die gute Nachricht aber zum Schluss: Der Vorstoß aus dem Umweltbundesamt hat nicht viele Anhänger an den entscheidenden Stellen gefunden. Okay, Greenpeace findet das toll. Aber selbst bei den Grünen (!) hält man nicht viel von Steuererhöhungen auf Fleisch & Co, wenngleich weniger Fleischproduktion natürlich erstrebenswert sei. Und um die Idee gänzlich zu „beerdigen“, meldete sich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in einem Zeitungsinterview zu Wort: „Das sind Vorschläge des Umweltbundesamtes, nicht die des Umweltministeriums. Von einigen Einzelmaßnahmen, die enthalten sind, halte ich nichts.“ Und falls Sie es nicht wussten: Das Umweltbundesamt ist der Umweltministerin untergeordnet…


Franziska Zachert Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Alex sagt:

    „Nicht-tierische Lebensmittel würden dadurch günstiger – aber auch der öffentliche Nahverkehr, denn für den gilt auch der 7-Prozent-Satz.“
    Wer es glaubt: Natürlich niemand. Wer schreibt den Unternehmen vor, dass die ermäßigte Umsatzsteuer an den Kunden weitergegeben wird? 2006/2007 bei der Erhöhung von 16 auf 19 % wurden ja auch nicht alle Biere, Säfte oder sonst was um die 3 % Umsatzsteuer erhöht. Und 2010 wurden die Übernachtungen auch nicht billiger, als es von 19 auf 7 % runterging. Die Bruttopreise werden die gleichen sein, auch wenn die 7 % geringer werden sollten.

  • Avatar Dr. Carsten Kettner sagt:

    Die Idee des UBA, die Mehrwertsteuer für tierische Produkte zu erhöhen, ist nicht wirklich neu, und da es sowieso niemanden interessiert, ist diese Idee auch nicht weiter einer Diskussion wert. Was mich stört, ist die einseitige Betrachtung von Sachverhalten, ohne aufs Ganze schauen. Wenn tierische Produkte teurer werden, ist damit zu rechnen, dass diese Produkte weniger Absatz finden. Damit einher gehen Seitwärtsbewegungen des Konsumten in Richtung pflanzlicher Produkte, und dass diese gänzlich umweltschonend angebaut würden, wäre mir neu…

  • Avatar Jan sagt:

    Guten Morgen Deutschland,

    Meine Kuh die frisst ihr Gras. Damit hat sie ihren Spaß. Dann wiederkäut sie es ganz kurz und lässt gelegentlich darauf n’en Fur.. .Das Gras wächst ohne Pestizid, das fände meine Kuh dann perfid. Fleisch zu reduzieren, würde meine Kuh auch kapieren. Immer mehr Obst und Gemüse im Laden zu heuern, würde dieses verteuern auch ohne es anders zu besteuern. Um auch die kleinen Steuerzahler zu quälen, wünschte man sich die Märchensteuererhöhung zu wählen. Doch wenn Bayern’s Minister schon klagt, gg. das was sein Dienstfahrzeug Co2 auszustoßen vermag, der Bürger fraget sich ganz schier, was solle denn das und diese Steuergier. Die Leut haben es gerafft, ohne Steuern man keinen Staat zum Leben erschafft. Doch diese Leut für dumm zu erklären, merket ihr spätestens beim nächsten Wählen. In diesem Sinne wünsch ich euch Politokanten viel Spaß mit eurer sinneseingebenden Kraft. Habt ihr nix besseres zu tun, schicken wir euch 1000 Kühe vor’s Amt zum muhen. Da werden sie das Schwänzchen hoch reißen und mal kräftig vor die Türe sch…. .
    Scheinbar nur nach diesem Gemuhe und Geröhr verschaffe sich der Bürger wieder Gehör. Was ist dies für ein armes Land, hat man bei den Grundnahrungsmitteln noch eine höhere Steuer erkannt.
    Bei über 2500 Milliarden Schulden müssen sich auch noch meine Urenkel mit dem Abzahlen gedulden.
    Auch der nächste Hohn folgt auf selbem Fuße schon. Ich find es mies, wenn auf so manchen Auto klebet Werbung für Greenpeace. Radelt lieber durch das Land, macht euch glaubwürdiger und bekannt.

    viel Spaß noch
    J.H. aus BE


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)