03.02.2017 · smart steuern ·

Eine Katzensteuer – kommt die etwa auch noch?

Irgendwie musste das ja passieren. Eine Katzensteuer. Für alle rund 13 Millionen Katzen in Deutschland. Das Überraschende war eher, dass die Forderung nicht aus der Politik kam, sondern aus den Medien. Und nicht aus irgendeiner Zeitung, sondern aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). „Unkontrollierbares Haustier – Besteuert die Katzen!“ lautete die Überschrift des Kommentars, der eine Lawine auslöste. Und als ob es keine wichtigeren Themen gäbe, wurde in Deutschland fast nur noch über die Katzensteuer diskutiert (und ein bisschen über Donald Trump). Doch wie kommt die FAS auf ihre Forderung? Und wie realistisch ist das überhaupt? Wir gehen der Sache auf den Grund – auch wenn wir uns natürlich wichtigeres vorstellen könnten…

Sind Katzen wirklich so gefährlich?

Hier im Blog haben wir schon öfter über Steuern für Tiere geschrieben. Schon Ende 2014 gaben wir in diesem Artikel über die Hundesteuer den überhaupt nicht ernst gemeinten Hinweis, dass man doch eine Katzensteuer einführen solle. Schließlich gebe es mehr Katzen als Hunde – und allein mit den Hunden betragen die Steuereinnahmen über 300 Millionen Euro im Jahr.

Jörg Albrecht, der Kommentator der FAS, meint es hingegen völlig ernst. Für ihn töten Katzen alles, was sich bewegt und nicht größer als sie selbst ist. Katzen hätten einen Killerinstinkt, der sich nicht abtrainieren lasse. Besonders Vögel würden unter den Tieren leiden. In den USA seien es laut einer Studie Jahr für Jahr mehr als eine Milliarde Singvögel, die Katzen zum Opfer fallen. Zudem lassen die Katzen auch noch einen großen ökologischen Fußabdruck. Die Konsequenz für Herrn Albrecht ist klar: Eine Katzensteuer müsse her, eine Hundesteuer gebe es schließlich auch. Katzenbesitzer würden sich nicht drum scheren, was ihr Stubentiger anrichtet.    

Nun könnte man das als einzelne Meinung abtun, vielleicht hat der Autor ja gerade schlechte Erfahrungen mit Katzen gemacht – oder bezahlt viel zu viel Hundesteuer. Aber so kam es nicht. Spätestens als die Bild-Zeitung das Thema groß auf die erste Seite packte, war es mehr geworden.

Gedankenspiele um die Katzensteuer

Wenn es eine Katzensteuer geben würde, würde es nicht automatisch weniger Katzen geben. Vermutlich eher im Gegenteil, denn nicht wenige Katzenbesitzer würden aus Geldgründen ihre „Lieblinge“ ins Tierheim bringen oder gar einfach aussetzen, was die Katzenpopulation eher ansteigen lassen würde. Wenn überhaupt etwas helfen könnte, wären das klare und bundesweite Kastrations-Regeln, so sehen es Experten. Nicht erwiesen sei es zudem, dass Katzen für einen Rückgang von Wildvögeln verantwortlich wären.

Doch zurück zur Katzensteuer. Die ließe sich nicht mal so einfach einführen. Denn eine Katzensteuer wäre wie die Hundesteuer eine Gemeindesteuer. Das bedeutet, dass die Gemeinden – jede für sich – überlegen müssten, ob sie eine solche Steuer einführen wollen („Steuerfindungsrecht“). Sie müssten extra dafür Leute beschäftigen, die Steuerbescheide aufsetzen und die Steuern eintreiben.
Bliebe noch die Frage, was die Gemeinden mit den Steuereinnahmen machen würde. Prinzipiell müssten Sie ja keinen Verwendungszweck angeben, aber psychologisch wäre es schon gut bei einer neuen Steuer, wenn da etwas motivierendes stehen würde. Doch das allein wäre schon schwer.

Viel Aufregung um nichts?

Und so tobt der Streit im Blätterwald und im Internet weiter. Dabei kann man sich die Diskussion um eine Katzensteuer eigentlich sparen, wenn man nur fragt, wie das Ganze kontrolliert werden soll. Denn viele Katzen verlassen ihre Wohnung nie oder selten. Und wie soll ein Finanzbeamter wissen, hinter welchen Wohnungstüren Katzen leben? Was ist mit freilaufenden Katzen? Die haben in der Regel auch kein „Besitzerschild“ um den Hals. Und wenn sogar der Bund der Steuerzahler sagt, dass Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis stehen würden, ist die Katzensteuer schon tot, bevor sie überhaupt kommt. Und ganz ehrlich: Wir brauchen nicht noch eine Bagatellsteuer, die Hundesteuer reicht in diesem Zusammenhang völlig aus. Apropos Hundesteuer, kann man die nicht eigentlich abschaffen…

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Jessica Wagner sagt:

    Ich frage mich, wie man jede einzelne Katze erfassen will? Und wie geht man mit Katzenbesitzern um,deren Katzen nicht raus dürfen? Warum sollten die eine Steuer zahlen, wenn sie überhaupt keinen Vogel fangen können!?

  • Avatar Carsten Kettner sagt:

    Ich halte das für eine Schein-Debatte, möglicherweise losgetreten, weil jemand keine Lust mehr hatte sich über Trump zu echauffieren, auch wenn es hierzulande genügend andere Themen gibt.
    Vielleicht ist es auch ein Hundebesitzer, der neidvoll nicht mehr zusehen will, dass er Hundesteuer zahlt und Katzenbesitzer nicht. Dass Katzen auf Beute gehen, ist unbestritten. Aber es fallen ihnen nicht nur Vögel (und von denen auch in erster Linie kranke und schwache) zum Opfer, sondern auch Mäuse und andere Nager. Also durchaus positiv.
    Lustig jedenfalls, dass dieser Kommentar nicht still-schweigend mit Ignoranz bedacht wird, sondern großartig kommentiert wird. Demnach geht es uns in diesem unseren Lande sehr gut: Wir haben keine anderen Probleme.

  • Avatar Marcus Umland sagt:

    Bevor man über die Einführung einer Katzensteuer nachdenkt, sollte die Herrschaften lieber mal daüber nachdenken, welche Aufgaben ein Volksvertreter hat. Die Steuergelder werden ja jetzt schon in Geldbeutel gesteckt, die schon voll genug sind und die Menschen, die wirklich Unterstützung benötigen bekommen keine.

    Aber mehr Steuereinnahmen verspricht ja auch mehr Geld für gewisse Kreise.

  • Avatar Ich sagt:

    Auf den Kleinsten herumzuhacken (Katzenbesitzer gehören zum Großteil zu Schmalverdienern, die sich eine Katze der Tierliebe wegen annehmen) ist typisch für unsere Gesellschaft. Auf eine Pferdesteuer ist erstaunlicherweise noch gar keiner gekommen, handelt es sich ja wohl eher um Lobbyisten.
    Hat zumindest jedes Töchterchen sein Pferdchen bei den Besserverdienern, die sich monatliche Kosten für die Haltung eines Pferdes von 500 EUR aufwärts leisten können.
    Katzen machen sich (leider) über Vögel her, wahrscheinlicher erwischen sie jedoch Mäuse, die in ihrer Population eine echte Plage sind.
    Auch dass für die Haltung von Hunden voll abgeschröpft wird, halte ich in in meinen Augen für ein asoziales Gesellschaftsbild.

    Derartige Diskussionen sind einfach nur absurd. Sollen die, die meinen, das Geld doch holen wo es im Überfluss ist und nicht bei unteren Einkommensgruppen, die Verzicht leisten, um sich um das Wohl eines Tieres kümmern zu können.

    Nachdem man als Neugeborener inzwischen schon bei Geburt eine Steuer-Ident-Nr. bekommt, können die Geister dieses Aberwitzes sich ja mal Gedanken machen, wie Katzenbabys steuerlich registriert werden können.
    Alternativ könnte man eine Großschar an freilaufenden Tieren ja auch beliebig auf den Straßen abknallen.

    Gut, dass es noch Menschen gibt, die Verantwortung für Tiere zeigen und nicht solche überheblichen Ignoranten, die auf derart abstruse Gedanken kommen.

    Im übrigen bekommt man für Hundesteuer keine Gegenleistung, diese ist nichts anderes als eine Vermögenssteuer am kleinen Mann, der scheinbar soviel noch zum Fressen hat, dass er sich ein Tier leisten kann.

  • Avatar Wolfgang Saalfeld sagt:

    Man kommt ins Kübeln, wenn man sowas liest, als ob es nicht wichtigeres gibt als die Katzensteuer. Man muss sich wundern, mit was man sich auf den Ämtern
    und Behörden beschäftigt, um der Bevölkerung noch mehr Geld aus der Tasche zuziehen.
    Für mich ist das reine Utopie.


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