17.03.2017 · smart steuern ·

Wermutstropfen bei Rentenangleichung

35 Jahre nach dem Vollzug der deutschen Einheit im Jahr 1990 soll es 2025 endlich so weit sein: ein einheitliches Rentenrecht in ganz Deutschland. Das Bundeskabinett hat kürzlich einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Die Rentenangleichung dürfte natürlich vor allem Rentner im Osten freuen, hat aber an anderer Stelle Folgen. Denn höhere Renten bedeuten, dass immer mehr Rentner auch Steuern zahlen müssen. Warum das so ist und was die Rentenreform bedeutet – Sie lesen es in diesem Artikel.

Gleiches Recht für alle

Es hat eine Weile gedauert, aber vor kurzem hat Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) endlich ihren Gesetzentwurf zur Reform der Rentenversicherung bei ihren Ministerkollegen (dem Bundeskabinett) durchgebracht. Einer der Kernpunkte ist die Rentenangleichung des Ost- an das Westniveau. Dazu wird der sogenannte Rentenwert im Osten schrittweise bis 2024 angehoben, so dass ab 2025 die Renten angeglichen sind. Das heißt aber nicht, dass dann alle die gleiche Rente haben. Die Rentenhöhe hängt natürlich immer noch davon ab, wie viel man eingezahlt hat – also wie viele „Entgeltpunkte“ man dadurch angesammelt hat. Bisher war es aber so, dass die Entgeltpunkte im Osten weniger wert sind als im Westen (aktuell: 28,66 Euro zu 30,45 Euro). Das heißt: ein Ostrentner erhält bei gleicher Zahl an Entgeltpunkten weniger Rente. Und genau das soll sich bis 2025 ändern.

Wer übernimmt die Rechnung?

Die Kosten werden zum großen Teil von den aktuellen Beitragszahlern in die Rentenversicherung getragen.
Ab 2022 soll zudem der Bund mitfinanzieren, beginnend mit 200 Millionen Euro in 2022 ist ab 2025 ein Zuschuss von 2 Milliarden Euro pro Jahr geplant.
Indirekt zahlen schließlich auch ostdeutsche Beitragszahler: Während die Rentenwerte jährlich erhöht werden, wird die höhere Bewertung der Löhne für die Rentenberechnung im Osten jährlich abgesenkt.

Rentner und Steuern

Nun könnte die Freude groß sein, denn mehr Geld zu haben ist immer ein Anlass dafür. Doch viele ostdeutsche Rentner werden noch ihr böses Erwachen erleben, und das ist der Wermutstropfen: Denn steigende Renten bedeuten, dass immer mehr Rentner steuerpflichtig werden. Zudem kommt, dass jedes Jahr mehr Neurentner Geld an den Fiskus zahlen müssen. Warum das alles so ist, erklären wir hier in aller Kürze. Ausführliche Informationen finden Sie in diesem und in diesem Blogbeitrag.

  • Renten unterliegen seit 2005 der Besteuerung. Allerdings ist nur ein Teil der Rente steuerpflichtig. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt vom Renteneintrittsjahr ab. Beispiele: 2005 – 50 Prozent, 2010 – 60 Prozent, 2015 – 70 Prozent, 2020 – 80 Prozent.
  • Der Teil, der nicht besteuert wird, ist der Rentenfreibetrag. Wichtig: Der wird einmalig ermittelt, und zwar im ersten Rentenjahr! Wer also zum Beispiel 2015 in Rente ging und damals eine Rente von 16.000 Euro im Jahr erhielt, hat einen Rentenfreibetrag von 30 Prozent der Rente, also 4.800 Euro. Dieser Rentenfreibetrag bleibt über alle Rentenjahre gleich, selbst wenn die Rente steigt.
  • Wie bei allen anderen Personen auch, haben Rentner einen steuerlichen Grundfreibetrag, das sogenannte Existenzminimum (aktuell 8.820 Euro). Wer unter diesem Wert bleibt, muss keine Steuern zahlen.

Grobe Rechnung: Jedes Jahr steigt die Rente an. Der Rentenfreibetrag bleibt hingegen konstant. So kann es passieren, dass die Differenz aus aktueller Rente und dem Rentenfreibetrag plötzlich über dem steuerlichen Grundfreibetrag liegt – und deshalb Steuern (und eine Steuererklärung) fällig werden. Und da die Renten im Osten in den nächsten Jahren stärker steigen als im Westen, werden vermutlich auch mehr Ostrentner in diesen „Steuermodus“ kommen.

Eine gute Nachricht haben wir zum Schluss aber noch: Auch Rentner können ihre Steuererklärung mit unserer cleveren Online-Lösung smartsteuer machen. Damit geht alles ganz einfach und kein Punkt zum Steuersparen wird vergessen. Denn auch oder gerade Rentner haben bestimmt keinen Cent zu verschenken.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Dietrich Schulz sagt:

    In ihrer Abhandlung wird nicht erwähnt, das die Steuer eines Ostrentners , der bereits 2005 Rentner war, immer höher sein wird als die des Westrentners mit gleichen erworbenen Rentenpunkten. Da der Rentenfreibetrag 50% der Rente im Jahr 2005 beträgt und die Ostrente zu diesem Zeitpunkt ca 89% der Westrente betrug ist auch der Rentenfreibetrag nur ca89 % ! Aus meiner Sicht widerspricht das dem Grundgesetz.l Leide weis ich nicht, ob es hierzu bereits richterliche Entscheidungen gibt. Nach meiner Auffassung muss der Rentenfreibetrag bei gleicher Lebensleistung für Ost – und Westrentners gleich sein!


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