20.03.2017 · smart steuern ·

Steueroase sitzt bald auf dem Trocknen

Es gibt sie durchaus, die einst viel gepriesenen aber mittlerweile etwas in Verruf geratenen Steuerparadiese wie Panama, die Cayman-Inseln, die Schweiz und Luxemburg. Was viele aber nicht wissen: Es gibt eine wirkliche, eine absolute Steueroase – und die liegt passenderweise in der Wüste: Saudi-Arabien. So hieß es denn im Königreich lange Jahre: Steuern? Was sind Steuern? Aber: Auch die beste Steueroase ist irgendwann mal trockengelegt und so tut sich gerade schier Unglaubliches in Saudi-Arabien. Denn es gibt dort jetzt Steuern…

Der Staat zahlt(e) alles

Es ist für uns gelernte Mitteleuropäer eigentlich unvorstellbar. Gesundheitsversorgung – kostenlos, Wasser – kostenlos, Strom – Sie ahnen es, auch kostenlos. Und mit Steuern wollte man die über 30 Millionen Einwohner dann auch nicht belästigen. Denn es gab sie einfach nicht. Der enorme Ölreichtum und die hohen Öl- und Gaspreise machten all das möglich. Doch so schön es auch klingt: Zwar ist noch kein unmittelbares Versiegen der Reserven absehbar (wenngleich das irgendwann kommen wird), aber die Ölpreise sind mittlerweile auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und so häufte Saudi-Arabien im letzten Jahr fast 100 Milliarden Dollar Verluste an. Zwar haben die Saudis wohl noch mehr als 500 Milliarden Dollar auf der hohen Kante, doch König Salman sah ein, dass es so nicht weiter gehen konnte. Er gab seinem Sohn Muhammad Bin Salman die Order, die Talfahrt zu stoppen. Der startete dann auch gleich den Transformationsprozess. Er will die Abhängigkeit vom Öl stoppen, in Bildung investieren, viele neue Arbeitsplätze schaffen und, jetzt kommt’s, die Untertanen Schritt für Schritt an Steuern gewöhnen.

Aller Anfang ist leicht

Eins war dabei klar: Die Holzhammermethode würde nicht funktionieren. Deshalb hat der erst 31 Jahre alte Kronprinz zuerst nur bestimmte Steuern eingeführt, in unserem Steuerdeutsch würde man wohl von einer Mehrwertsteuer sprechen. Magere 5 Prozent beträgt der Steuersatz für normale Konsumgüter und Dienstleistungen allerdings nur. Bei uns sind es im Regelfall 19 Prozent, nur beim ermäßigten Steuersatz sind es 7 Prozent. Zudem kommen noch einige wenige Zusatzsteuern, die sich aber aus gesundheitlichen und religiösen Gründen ganz gut verkaufen lassen. Limonaden und ähnliches erhalten einen Aufschlag von 50 Prozent, Tabakerzeugnisse gleich 100 Prozent.

Ja, werden Sie sagen (wenn Sie nicht gerade Raucher sind) – das lässt sich in der Tat aushalten. Ob sich Muhammad Bin Salman aber später an eine größere Baustelle wagt, bleibt zumindest fraglich. Denn eine Einkommensteuer gibt es noch nicht, und wird es vielleicht auch nicht geben. Warum? Nun, vor vielen Jahren versuchte sich der damalige Herrscher schon mal daran: eine Steuer auf das Einkommen, wie wir sie kennen etwa auf den Lohn bei Arbeitnehmern. Doch es blieb damals beim Versuch. Nach heftigen Protesten stampfte der König die Einkommensteuer ganz schnell wieder ein…

Theresa Voigt Geschrieben von:

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