03.04.2017 · smart steuern ·

Steuerlatein Teil 5: Die Kapitalertragsteuer

Kapitalerträge, das klingt erstmal nach viel Reichtum. Aber lassen Sie sich nicht täuschen. Sehr viele Deutsche erzielen Kapitalerträge und auf die wird prinzipiell eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent fällig. Seit 2009 läuft das so – doch jetzt kommen aus der Politik Vorschläge, diese spezielle Steuer abzuschaffen. Klingt doch erstmal gut. Doch leider wäre für nicht wenige Steuerzahler das Gegenteil der Fall – mehr Steuern wären fällig! Wir erklären, warum das so ist und was es mit der Kapitalertragsteuer auf sich hat.

Kapitalerträge – alles abgegolten

Ob Zinsen oder Dividenden und Gewinne aus Aktiengeschäften: seit 2009 greift bei den meisten dieser Einkünfte die Abgeltungssteuer (die Ausnahmen lassen wir heute mal außen vor). 25 Prozent Steuer werden automatisch auf die Kapitalerträge fällig, oben drauf kommen noch der Solidaritätszuschlag und bei Kirchensteuerpflicht auch die entsprechenden Prozente. Damit ist dann alles abgegolten, deshalb auch der Begriff Abgeltungssteuer. Das war 2009 ein großer Fortschritt, denn zuvor gab es verschiedene Steuersätze für verschiedene Einnahmequellen und es gab entsprechend jede Menge Papierkram.
Und auch wenn zur Zeit mit den Zinsen kaum ein Staat zu machen ist, haben doch viele mit einem Fond oder einem Aktiendepot ein paar erkleckliche Einnahmen aus Kapitalerträgen.
Meist kriegt der Anleger nicht mal mit, dass er diese Kapitalertragsteuer zahlt. Denn das jeweilige Geldinstitut überweist die entsprechenden Beträge von sich aus ans Finanzamt. Es sei denn, Sie haben der Bank einen Freistellungsauftrag erteilt. Denn es gibt den Sparerpauschbetrag von 801 Euro für Singles und 1602 Euro für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften. Bleiben Sie mit Ihren Kapitalerträgen im Jahr unter diesen Werten, brauchen Sie keine Kapitalertragsteuer zu zahlen.

Bewährte Lösung

Das klingt eigentlich alles ganz vernünftig, echte Kleinanleger zahlen keine Steuern auf ihre Kapitalerträge und das Verfahren ist einigermaßen überschaubar, es gibt viel weniger Bürokratie als früher. Dazu kommt noch die sogenannte Günstigerprüfung. Die kann jeder Steuerzahler in der Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung beantragen. Ist das zu versteuernde Einkommen recht gering und ist der Grenzsteuersatz unter 25 Prozent, werden die Kapitaleinkünfte (über dem Sparerpauschbetrag) entsprechend mit einem geringen Steuersatz versteuert. Das ist der Fall, wenn das zu versteuernde Einkommen plus die Kapitalerträge bei höchstens rund 16.000 Euro (Singles) oder 32.000 Euro (Paare) liegt.
Der einzige Punkt: Wer ein sehr hohes Einkommen hat, profitiert vom Steuersatz von 25 Prozent. Denn für sein „normales“ Einkommen wird im Vergleich ein deutlich höherer Steuersatz fällig. Das war auch mal eine der Grundideen der Abgeltungssteuer, denn viele Reiche verlagerten wegen der hohen Steuern ihre Finanzgeschäfte ins Ausland – und der deutsche Staat sah gar nichts an Steuern.

Vorstoß aus Brandenburg

Und genau an dieser Stelle setzt die Politik an. Die Steuerflucht sei heute kein großes Problem mehr – und es sei außerdem ungerecht, dass Einkommen aus Arbeit oft höher besteuert wird als die Kapitalerträge. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Die Linke) brachte dann deshalb einen Antrag zur Abschaffung der Abgeltungssteuer in den Bundesrat ein. Ob er damit Erfolg hat, ist zumindest fraglich, doch laut einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ gebe es die Idee der Abschaffung auch in anderen Parteien, selbst der Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) soll nicht abgeneigt sein.
Da kann man Schäuble nun auch wieder verstehen, denn: Würde die Abgeltungssteuer abgeschafft, müssten die Kapitalerträge wieder wie normales Einkommen versteuert werden. Und sehr oft liegt der Steuersatz da über 25 Prozent. Folge: Der Staat würde höhere Steuereinnahmen haben. Und die kämen eben nicht nur von den Reichen, die vermutlich ohnehin wieder versuchen würden, ins Ausland zu gehen. Sondern vom durchschnittlichen Steuerzahler. Denn ein zu versteuerndes Einkommen von 16.000 Euro haben schon so recht viele – und sie müssten mehr Steuern auf Kapitaleinkünfte zahlen als bisher.

Unsere Meinung: Nein, das ist nicht der richtige Weg. Wo über alle Parteien hinweg sonst immer betont wird, dass die mittleren Einkommen steuerlich entlastet werden müssen, würde die Abschaffung der Abgeltungssteuer das Gegenteil für viele Steuerzahler bedeuten.

Björn Waide Geschrieben von:
3 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Reinhard Franz sagt:

    #Unsere Meinung: Nein, das ist nicht der richtige Weg.
    Das ist nachvollziehbar. Aber wie wäre es mal mit einem Vorschlag für den richtigen weg? Könnte man von Steuerexperten das erwarten?

  • Björn Waide Björn Waide sagt:

    In unserer aktuellen Serie zur Bundestagswahl geht es erst einmal um eine Erklärung von Begriffen und erste Einordnung. Alles andere würde an dieser Stelle zu weit führen.

  • Roberto sagt:

    Und was wäre, wenn man jegliche Transaktion, ob Abhebung, Einzahlung am Automaten, oder Millionentransfers mit einer gleichen Steuergebühr belegen würde ? ( Vorschlag von Richard David Precht – unbedingt angucken ).


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