28.04.2017 · smart steuern ·

Brillen und mehr: was lässt sich absetzen?

Ganz klar, im Vergleich zu vielen anderen Ländern ist unser Gesundheitssystem sehr gut. Doch trotzdem gibt es nicht wenige Stellen, wo es heißt: Das muss man selbst tragen oder eine nicht unerhebliche Zuzahlung leisten. Das fängt in der Apotheke und der Physiotherapie an, setzt sich bei Krankenhausaufenthalten fort und endet bei Brillen, Hörgeräten, Zahnersatz oder gar einem Rollstuhl. Die spannende Frage lautet: Lassen sich diese – zum Teil beträchtlichen – Ausgaben wenigstens von der Steuer als Krankheitskosten absetzen? Und wenn ja, in welcher Form? Hier gibt’s den Durchblick, nicht nur für Brillenträger.

Krankheitskosten als Werbungskosten – geht das?

Wer regelmäßig diesen Blog liest, weiß natürlich was Werbungskosten sind. Für alle anderen in Kurzform: Das sind Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Arbeit entstehen. Das Gute daran: Diese lassen sich ohne jede Einschränkung von der Steuer absetzen. Aber: Was haben Krankheitskosten mit der Arbeit zu tun? Sehen Sie, das passiert wohl nur in sehr seltenen Fällen. Und das gilt auch und insbesondere für Brillen. Sogar eine spezielle Computer-Arbeitsbrille können Sie nicht als Werbungskosten von der Steuer absetzen. So entschied es der Bundesfinanzhof schon im Jahr 2005. Kurzbegründung: Die Korrektur einer Sehschwäche gehört in den privaten Lebensraum. Anders wäre es nur, wenn die Sehschwäche eindeutig durch die Arbeit bedingt ist, aber da dürfte der Nachweis einigermaßen schwierig sein.

Außergewöhnliche Belastungen – damit geht’s dann doch  

Nach der schlechten Nachricht haben wir auch eine gute – oder zumindest eine bessere. Brillen lassen sich doch noch absetzen – als außergewöhnliche Belastung. Das gilt auch für alle anderen Krankheitskosten, für die sie privat zahlen mussten. Auch die Kosten für Fahrten zu Behandlungen oder zum Optiker zählen dazu. Vorbeugende Maßnahmen wie eine Rückenschule fallen allerdings nicht darunter. Wichtig: Heben Sie alle Quittungen und Verordnungen auf, bei einigen Sachen müssen Sie auch noch eine Bestätigung haben, dass die „Maßnahme“ medizinisch notwendig war.
Warum dann die ganze Aufregung, werden Sie vielleicht fragen. Ist doch egal, ob das Kind nun Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastung heißt? Und da sind wir wieder bei einer schlechten Nachricht. Das macht leider doch einen großen Unterschied. Werbungskosten lassen sich uneingeschränkt in voller Höhe absetzen. Bei den außergewöhnlichen Belastungen gilt das erst, wenn die Grenze der zumutbaren Belastung überschritten ist – und dann lassen sich auch nur die Kosten absetzen, die über der Grenze liegen.

Was ist zumutbar?

Kurz gesagt: Das legt der Staat fest, oder genauer das Einkommensteuergesetz. Und wie so oft in solchen Fällen, ist es eher kompliziert. Denn die Zumutbarkeitsgrenze hängt von drei Faktoren ab: vom Einkommen, vom Familienstand und von der Anzahl der Kinder. Abhängig davon beträgt die zumutbare Belastung zwischen 1 und 7 Prozent des Einkommens.
Dabei gibt es drei Einkommensgruppen: bis 15.340 Euro, über 15.340 bis 51.130 Euro und über 51.130 Euro. Da die meisten wohl in der mittleren Gruppe liegen, gehen wir die dort einmal in allen Möglichkeiten durch: Wer Single ist, hat 6 Prozent, bei Paaren sind es 5 Prozent. Gibt es ein oder zwei Kinder, landet man schon bei 3 Prozent und bei drei oder mehr Kindern ist es nur noch 1 Prozent – jeweils vom Einkommen. Dazu kommt noch, dass der Bundesfinanzhof vor kurzem eine Entscheidung getroffen hat, die das Prozedere noch mal komplizierter macht. Aber, und das ist mal eine gute Nachricht: Mit dem Urteil (Az.: VI R 75/14) sinkt für viele die persönliche Grenze der zumutbaren Belastung – es lässt sich also mehr absetzen. Ausführlich können Sie das im Blogbeitrag „Zumutbare Belastung – die Grenzen sinken nachlesen. Dort finden Sie auch konkrete Rechenbeispiele. 

Klar ist aber, dass eine Brille meist nur als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden kann, wenn auch noch andere Krankheitskosten im selben Jahr entstanden sind. In der Regel ist es also so, dass der Kauf einer Brille allein zumutbar ist – und deshalb nicht steuerlich begünstigt wird.

Juliane Bunte Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)