12.05.2017 · smart steuern ·

Steuerlatein Teil 7: Das Ehegattensplitting

Hätten Sie es gewusst? Seit fast 60 Jahren gibt es das Ehegattensplitting in Deutschland. Damit werden Ehepaare und seit einigen Jahren auch eingetragene Lebenspartner steuerlich bevorzugt. Doch wird es auch dabei bleiben? Im Wahlkampf wird das Thema schon eifrig diskutiert. Wir erklären, was es mit dem Ehegattensplitting auf sich hat, nennen Alternativen und sagen, was die Parteien dazu planen.

Klassisches Familienbild

Als das Ehegattensplitting Ende der 1950er Jahre eingeführt wurde, war die Welt noch ein andere als heute. Der Normalfall war die Familie, in der der Ehemann arbeiten ging und das Geld verdiente – und die Frau sich der Erziehung der Kinder widmete. Das Splitting zollte dem Tribut: Ehepartner konnten seitdem die Zusammenveranlagung bei der Steuererklärung wählen. Grob gesagt bedeutet das: Die Einkommen der Partner werden addiert, davon wird die Hälfte genommen und die Steuer berechnet. Dieser Wert wird dann wieder verdoppelt – fertig ist die Einkommensteuer für das Paar. Dieses „Erst-halbieren-und-dann-wieder-verdoppeln“ kann viel ausmachen. Denn da der Steuersatz mit steigendem Einkommen steigt, lohnt sich dieses Splitting für Paare vor allem dann, wenn einer viel und der andere wenig (oder gar nichts) verdient. Wie das in Zahlen aussieht, haben wir in diesem Blogbeitrag zur Splittingtabelle gezeigt.
Die Zeiten habe sich mittlerweile aber geändert. Ehepaare sind oft kinderlos, viele Familien mit Kindern haben keinen Trauschein und den ganz großen steuerlichen Effekt bringt das Splitting eben dann doch bei denen, die eh schon viel verdienen.

Familie und Kinder statt Ehe

Schon seit mehreren Jahren kommen aus der Politik Vorschläge das Ehegattensplitting abzuschaffen oder mit einer „Kinder-Komponente“ zu ergänzen. Mehrheitsfähig war das bisher offenbar nie. Doch im Bundestagswahlkampf 2017 zeichnet sich ab, dass es nun bald Änderungen geben könnte. Denn mit Ausnahme der FDP gibt es aus allen anderen Parteien Signale, dass das Ehegattensplitting nicht so bleiben soll, wie es bisher war. Vom Kinder- oder Familiensplitting ist oft die Rede. Doch was würde das alles überhaupt kosten – oder was würde es umgekehrt dem Staat bringen?
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat es ausgerechnet. Statt Ehegattensplitting sollte individuell besteuert werden, lediglich der möglicherweise nicht ausgeschöpfte  Grundfreibetrag soll auf den anderen Partner übertragen werden können. Damit würden, so die Schätzung, 15 Milliarden Euro mehr in der Staatskasse landen. Und das könnte, so die Studie, in den Ausbau von Kitas und Ganztagsbetreuung oder in die Senkung des Einkommensteuertarifs verwendet werden. Und damit keine Klagen kommen, sollte das alles auch erst zu einem bestimmten Stichtag eingeführt werden. Wer also schon verheiratet ist, könnte aufatmen.

Die Vorschläge der Parteien

Noch sind längst nicht alle Ideen richtig konkret. Aber eine Richtung ist erkennbar.
So sprechen sich SPD, Grüne und Linke für eine Abschaffung des Ehegattensplittings aus. Die Linke tendiert in ihrem Programm für die Idee des DIW, die SPD spricht von einer Kinderkomponente, die es in jedem Fall gibt, also egal, ob verheiratet, unverheiratet oder alleinerziehend.
Bei CDU und CSU soll hingegen das Ehegattensplitting prinzipiell beibehalten werden, aber durch eine Kinderkomponente ergänzt werden. Bei der CDU soll umgeschichtet werden, das heißt, Eltern ohne Kinder haben dann einen geringeren Splittingvorteil als Eltern mit Kindern. Die CSU hingegen spricht von einem Kindersplitting, was über höhere Steuerfreibeträge für jedes Kind erreicht werden soll. Und die AfD will eine Ergänzung des Ehegattensplittings durch ein sozial gerechtes Familiensplitting.

Unsere Einschätzung: Da fast alle Parteien Interesse an einer Reform des Ehegattensplittings bekunden, sollte nach der Wahl was passieren können. Allerdings gibt es immer noch eine große Hürde zu überwinden: Das eher linke Lager um SPD, Grüne und Linke will die Abschaffung (was die Bedeutung des immer noch auch christlichen Wertes der Ehe schwächen würde), das konservative Lager um CDU, CSU und AfD will den Splittingvorteil nur für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften prinzipiell beibehalten, aber auf verschiedenen Wegen modifizieren.
Wir von smartsteuer meinen, dass eine einseitige Entlastung für Verheiratete nicht mehr zeitgemäß ist.


Björn Waide Geschrieben von:

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