07.06.2017 · smart steuern ·

Steuerlatein Teil 8: Der Spitzensteuersatz

Verfolgt man die Diskussionen in der Steuerpolitik im Vorfeld der Bundestagswahl 2017, fällt immer wieder der Begriff des Spitzensteuersatzes. Diesen würden immer mehr Menschen bezahlen, heißt es in Studien. Und eigentlich finden alle Parteien, dass da was passieren muss. Was man meistens nicht erfährt: Was ist der Spitzensteuersatz eigentlich und wie würden sich Änderungen tatsächlich auswirken? Und wenn es jemanden gibt, der Ihnen das erklären kann, dann sind wir das. Wir bringen Sie gewohnt leicht verständlich auf den aktuellen Stand.

Zwei Schätzungen – mit immerhin ähnlichen Ergebnissen

Bevor wir Ihnen gleich zeigen, wie es mit dem Spitzensteuersatz genau aussieht, wollen wir zuerst auf die aktuellen Zahlen eingehen.

  1. Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass 2017 rund 2,7 Millionen Steuerpflichtige unter den Spitzensteuersatz von 42 Prozent fallen. Zählt man Ehepaare dazu, die eine gemeinsame Steuererklärung abgeben, sind es sogar 3,7 Millionen Steuerzahler, die dem Spitzensteuersatz unterliegen. Zum Vergleich: 2004 waren es noch rund 1,2 Millionen. Hinzukommen laut der Schätzung des Ministeriums noch rund 100.000 Personen, die mit ihrem Einkommen zum Bereich des sogenannten Reichensteuersatzes von 45 Prozent zählen.
  2. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzt die Zahl der Steuerzahler mit dem Spitzensteuersatz sogar auf 2,4 Millionen und rechnet vor, dass das schon jeder elfte Arbeitnehmer in Deutschland ist – die wiederum mit 48 Prozent knapp die Hälfte aller Einkommensteuern zahlen.

Die Grenzen für Spitzensteuersatz und Reichensteuersatz

Gut, aus den Schätzungen lässt sich schon mal ablesen, dass schon relativ viele Steuerzahler unter diese Steuersätze fallen – und dass es in den letzten Jahren immer mehr geworden sind. Aber für wen gilt denn nun der Spitzensteuersatz von 42 Prozent und für wen der Reichensteuersatz von 45 Prozent? Das ist schnell erklärt. Wer in diesem Jahr ein zu versteuerndes Einkommen von 54.058Euro hat, fällt unter den Spitzensteuersatz. Wer sogar 256.304 Euro und mehr hat, dann entsprechend unter den Reichensteuersatz. (Bei Paaren und gemeinsamer Veranlagung verdoppeln sich die Werte.) Diese Einkommensgrenzen wurden zwar in den letzten Jahren gelegentlich leicht angehoben, aber bei weitem nicht so stark wie die durchschnittlichen Einkommen angestiegen sind. Und deshalb rutschten in der letzten Dekade immer mehr Steuerzahler über die entsprechende Grenze, weil ihr Einkommen angestiegen ist.

Was bedeuten diese speziellen Steuersätze aber genau?

Bedeutet das nun, dass jemand mit 60.000 Euro im Jahr 42 Prozent Steuern zahlt? Vermutlich werden so einige jetzt mit „Ja“ antworten. Aber dem ist nicht so. Die 42 Prozent werden rein rechnerisch nur fällig für das Einkommen, das über den 54.058 Euro liegt. Man spricht dabei von einem Grenzsteuersatz, der sagt, wie viel vom jeweils nächsten Euro zu versteuern ist. Der eigentliche Steuersatz ist der Durchschnittssteuersatz – und der liegt deutlich unter dem Grenzsteuersatz. Im Falle der 60.000 Euro „nur“ bei 27,87 Prozent. Ausführlich können Sie das übrigens in diesem Blogbeitrag nachlesen. Bei der Reichensteuer ist es entsprechend. Wer etwa 300.000 Euro versteuern muss, zahlt davon nicht 45 Prozent Steuern, sondern 39,61 Prozent.

Wie kann oder soll sich das Problem ändern?

Ganz klar, der Begriff Spitzensteuersatz war mal gedacht für Spitzenverdiener, die wegen ihrer Leistungsfähigkeit einen höheren Anteil an der Steuerlast tragen sollen. Mittlerweile fallen aber auch viele darunter, die – sagen wir es nett – ein gehobenes mittleres Einkommen haben und eher zur Gruppe der Durchschnittsverdiener gehören. Und diese, wie auch die Geringverdiener, wollen ja durch die Bank alle Parteien steuerlich entlasten.
Doch viele Wege führen nach Rom – und noch ist nicht absehbar, auf welchen die Parteien ganz konkret setzen. Auf jeden Fall wäre es aber denkbar, einfach die Grenze für den Spitzensteuersatz deutlich nach oben zu heben. Das würde im Endeffekt wirklich alle entlasten, die Steuern zahlen müssen. Allerdings eben auch die „wirklichen“ Spitzenverdiener und die „Reichen“. Deshalb fordert zum Beispiel Dietmar Bartsch von den Linken, dass der Spitzensteuersatz tatsächlich erst bei einem drastisch höheren Einkommen greift, dafür aber auch deutlich nach oben gesetzt wird – auf 53 Prozent (wie es unter der Regierung Helmut Kohls schon mal war). Dadurch sollen Leute mit geringerem und mittlerem Einkommen deutlich entlastet werden – auf Kosten der „Reichen“, die entsprechend mehr Steuern zahlen müssten.

Unsere Einschätzung: Der Spitzensteuersatz gilt mittlerweile für viel zu viele Arbeitnehmer. Es ist kaum vorstellbar, dass die kommende Regierungskoalition nach der Bundestagswahl 2017 die aktuelle Einkommensgrenze für den Spitzensteuersatz belässt – da ja durch die Bank Steuerentlastungen für alle oder wenigstens die meisten in Aussicht gestellt werden. Zwei Probleme gibt es dabei aber: Erstens geht vor der Wahl kaum eine Partei mit exakten Zahlen ins Rennen – und zweitens werden Steuerfragen in einer Koalition aus zwei oder gar drei Parteien sicher heftig diskutiert werden – und wie immer müssen dann Kompromisse gefunden werden.   

     

 

 

Stefan Heine Geschrieben von:
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