21.06.2017 · smart steuern ·

Steuerlatein Teil 9: Geringfügige Beschäftigung

Staunen Sie vielleicht ein kleines bisschen über das Thema? Da geht es doch nur um diese Minijobs, also um nicht so viel Geld. Recht haben Sie. Aber wissen Sie, wie das da mit den Steuern ist? Und den Sozialabgaben? Und was ist, wenn man etwas mehr verdient als eigentlich vorgesehen? Wir erklären Ihnen alles rund um das Thema geringfügige Beschäftigung.

Arten der geringfügigen Beschäftigung

Allgemein spricht man dabei von den sogenannten Minijobs. Dazu zählt die kurzfristige Beschäftigung, bei der die Beschäftigungsdauer aktuell pro Jahr auf drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage beschränkt ist. Ein typisches Beispiel dafür sind Saisonarbeiten. Zweite Möglichkeit für einen Minijob ist die geringfügig entlohnte Beschäftigung. Über sieben Millionen geringfügig entlohnte Beschäftigte gibt es laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland. Die Bandbreite ist dabei groß und reicht vom Studentenjob über den Minijob in Privathaushalten bis hin zum Nebenjob, den viele haben, um sich zum eigentlichen Gehalt noch etwas hinzuzuverdienen. Woran liegt diese Beliebtheit?

450 Euro und (fast) alles drin

Minijobs werden auch oft 450-Euro-Jobs genannt (das lässt die kurzfristige Beschäftigung aber außen vor) – doch der Begriff erklärt eben schon einiges. Man darf als Minijobber nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen, oder aufs Jahr gerechnet nicht mehr als 5.400 Euro. Wer also einige Monate über die 450-Euro-Grenze kommt, aber im Jahr mit allen Einnahmen wie Weihnachtsgeld unter 5.400 Euro bleibt, hat einen Minijob. Und das ist wichtig. Denn der Minijob hat viele Vorteile. Für den Minijobber werden keine Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung fällig, von der Rentenversicherungspflicht kann man sich auf Antrag befreien lassen, der Beitrag beträgt allerdings aktuell auch nur 3,7 Prozent. Auch um die Steuer muss man sich als Minijobber nicht kümmern, 450-Euro-Jobs erhöhen zudem nicht das zu versteuernde Einkommen. Im Großen und Ganzen heißt es beim 450-Euro-Job: Brutto ist gleich Netto – zumindest für den Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber muss hingegen Sozialversicherungsbeiträge und Steuern abführen. Einziger Wermutstropfen: Ein Minijobber muss sich anderweitig krankenversichern. Wer bereits einen sozialversicherungspflichtigen Job oder eine Familienversicherung hat, ist fein raus. Alle anderen müssen sich freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichern.

Die Schattenseite der 450-Euro-Jobs

Sicher gibt es jede Menge Minijobber, die gern noch etwas mehr verdienen würden. Doch das lohnt sich oft nicht. Zwar gibt es noch die sogenannten Midijobs, bei denen man zwischen 451 und 850 Euro pro Monat verdienen kann, doch bei denen werden je nach Verdienst Sozialversicherungsbeiträge fällig, die zwar anfangs nicht so hoch wie normal sind, aber trotzdem erstmal gezahlt werden müssen. Zudem zählen Midijobs auch bei der Steuererklärung. Wenn etwa ein Ehepartner einen regulären Job hat und der andere einen Midijob – kann es bei der gemeinsamen Veranlagung passieren, dass ein schlechter bezahlter Minijob besser wäre.
Die Schwelle vom Minijob zum regulären, sozialversicherungspflichtigen Job ist einfach zu groß. Unter den aktuellen Umständen wird sich das auch nicht ändern. Es sind im Bereich der gering bezahlten Jobs vor allem die Sozialabgaben, die aus einem ausreichenden Brutto eben nur ein nicht ausreichendes Netto machen. Aus der Politik kommt zu diesem Punkt meist höchstens nur ein „Wir könnten die Sozialbeiträge eventuell um 0,x Prozent senken“, was aber das Grundproblem nicht löst. Immerhin gibt es von den Grünen und aus der SPD Hinweise, dass man sich dieses Problems annehmen will – und über Steuerzuschüsse für Geringverdiener (die so wenig haben, dass sie nicht mal Steuern zahlen müssen) nachdenkt. Es bleibt also spannend.

Fazit: Minijobs sind auf der einen Seite eine gute Sache für viele. Doch sie sorgen andererseits durch ihre Attraktivität dafür, dass sich für viele der „Aufstieg“ in einen sozialversicherungspflichtigen Job kaum lohnt. Da muss gehandelt werden.

 


Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Delphine Barnowski sagt:

    Hallo, kein Kommentar, nur eine Frage: Da ich einen versicherungspflichtigen Teilzeitjob ausübe, hatte ich bisher noch einen Minijob. Dabei kam ich allerdings nie auf 450€ monatlich. Ist es möglich, einen zweiten Minijob anzunehmen, wenn dabei insgesamt die 450€ nicht überschritten werden.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,

    hat ein Minijobber keine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung, kann er mehrere 450-Euro-Minijobs nebeneinander ausführen (bis maximal 450 Euro). Eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung ist eine mehr als geringfügige Beschäftigung.

    Hat ein Minijobber eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung, kann er daneben nur einen 450-Euro-Minijob ausüben. Weitere 450-Euro-Jobs werden mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und sind mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung in der Regel versicherungspflichtig.

  • Avatar S.Foerster sagt:

    wie verhält es sich denn, wenn ich neben meiner Hauptbeschäftigung 450 Euro aus selbstständiger Arbeit, wie z.B. mit Stickarbeiten verdiehnen möchte?
    VG

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Selbstständige Arbeit fällt nicht unter die Kategorie MiniJob, denn dann ist man kein Angestellter mehr, sondern sein „eigener Herr“.

  • Avatar Karin sagt:

    Schöne GrüßeHallo, ich habe auch eine Frage zum Thema Minijob und würde mich über eine
    Antwort sehr freuen: Mein Mann ist sozialversicherungspflichtig vollbeschäftigt und ich übe einen 450-Euro-Job aus, wir sind zusammen veranlagt. Ich frage mich jetzt, ob ich meine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte steuerlich angeben kann, aufgrund der Zusammenveranlagung, obwohl ich natürlich selbst keine Steuern zahle?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Da ein pauschal versteuerter MiniJob nicht angegeben wird, können auch die Kosten dafür nicht geltend gemacht werden.


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