31.07.2017 · smart steuern ·

Das bringt die Ehe für alle steuerlich

Jahrelang wurde darum gestritten – und dann ging alles ganz schnell. Die sogenannte Ehe für alle ging mit großem Getöse und offener Abstimmung durch den Bundestag und kurz darauf auch durch den Bundesrat. Heftig wurde darüber im Vorfeld und auch danach diskutiert. Und manchmal auch mit seltsamen Argumenten. Damit wollen wir uns hier aber höchstens am Rande beschäftigen. Stattdessen soll es nach einem kurzen Abriss um die steuerlichen Aspekte gehen, die die gleichgeschlechtliche Ehe mit sich bringt.

Bisher: „Ehe light“ für gleichgeschlechtliche Paare

Es ist nicht so, dass nicht schon bisher zwei homosexuelle Menschen so etwas wie den Bund fürs Leben schließen konnten. Seit dem 1. August 2001 durften sie beim Standesamt eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen – so die formale Beschreibung. Diese Lebenspartnerschaft unterschied sich gerade zu Beginn deutlich von der Ehe, wenngleich es auch viele Punkte gab, in denen sie der Ehe rechtlich gleichgestellt war. Aber: Über die Jahre kamen sich Ehe und Lebenspartnerschaft rechtlich immer näher. So wurde schon 2005 das Unterhaltsrecht angeglichen, die Adoption von Stiefkindern erlaubt und auch die Versorgung von Hinterbliebenen geregelt. 2010 war dann die Erbschaftsteuer dran: Das Bundesverfassungsgericht entschied, dass auch hier Lebenspartner im Vergleich zur Ehe nicht benachteiligt werden dürfen.

Wie sieht es nun mit der Steuer aus?

Nun, zuletzt war da gerade auf Facebook in den Kommentaren viel Falsches zu lesen. So würde die Gleichbehandlung dazu führen, dass es der „klassischen“ Ehe steuerlich schlechter gehen würde als bisher – schließlich müssten jetzt ja auch die neuen, gleichgeschlechtlichen Ehen „bezahlt“ werden. Das ist natürlich ziemlich großer Blödsinn. Fakt ist, schon 2013 wurden Lebenspartnerschaften steuerlich der Ehe gleichgestellt – nach einem entsprechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Das heißt: Auch Lebenspartner konnten schon die gemeinsame Veranlagung wählen und vom Ehegattensplitting profitieren. So einfach ist das! Und durch die Ehe für alle wird niemandem etwas weggenommen. Wie viel Lebens- und bald Ehepartner bei der Steuer durch gemeinsame Veranlagung sparen, können Sie zum Beispiel im Blogartikel über die Splittingtabelle nachlesen. Allgemeines über Heiraten und Steuerklassen finden Sie hier.
Vielleicht haben Sie auch mitbekommen, dass das Ehegattensplitting bei einigen Parteien vor der Bundestagswahl 2017 auf dem Prüfstand steht. Nachlesen können Sie das in unserem Steuerlatein über das Ehegattensplitting.

Was bringt die Ehe für alle dann überhaupt?

Auf jeden Fall erstmal die völlige rechtliche Gleichstellung – praktisch betrifft das vor allem das Recht, wie andere Ehepaare Kinder adoptieren zu können. Hinzu kommt, dass der etwa hölzerne Begriff Lebenspartner nun nicht mehr nötig ist, die Liebenden können sich ganz offiziell Ehepartner nennen und „richtig“ heiraten – und zwar ab dem 1. Oktober 2017. Und wer sich in den letzten 16 Jahren „verpartnert“ hat, kann auch noch mal zum Standesamt gehen – und aus der Lebenspartnerschaft eine richtige Ehe machen.

Zusammenfassung: Die Ehe für alle nimmt niemandem etwas weg. Steuerlich ändert sich nichts, denn schon seit 2013 haben auch Lebenspartnerschaften die gleichen steuerlichen Rechte wie eine Ehe.  

 

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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