24.10.2017 · smart steuern ·

Weniger Erbschaftsteuer nach Pflege der Eltern

Unsere Gesellschaft wird immer älter und pflegebedürftiger. Zum Glück kümmern sich viele erwachsene Kinder um ihre Eltern. Doch bisher waren diese steuerlich schlechter gestellt als familienfremde Personen, die die Pflege übernahmen. Damit ist nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs jetzt Schluss. Kinder erhalten damit die gleichen Freibeträge beim Erben wie andere Personen. Wie das im Detail aussieht, lesen Sie in diesem Artikel.

Wie war die Lage bisher?

Viele Leute machen es – und das sogar unentgeltlich. Sie kümmern sich um pflegebedürftige Senioren. Das können die eigenen Kinder sein, aber auch die Nachbarn – ganz gleich, sie helfen wo sie können. Und wer anderen hilft, soll bei der Steuer belohnt werden. Wie genau, fragen Sie? Nun, wer Senioren unentgeltlich oder für kleines Geld pflegt – und von diesen auch beim Erbe bedacht wird – kann bei der Erbschaft zusätzlich zu den gesetzlichen Freibeträgen auch noch einen Pflegefreibetrag von 20.000 Euro geltend machen. Und jetzt kommt’s: Das galt aber nicht für die Kinder. Die gingen beim Pflegefreibetrag leer aus. Der Grund: Kinder sind zum Unterhalt der Eltern verpflichtet.

Frau klagte gegen diese Praxis

Ungerecht fand das eine Frau, die ihre Mutter auf eigene Kosten zehn Jahre lang bis zu deren Tod gepflegt hatte. Danach erbte sie rund 785.000 Euro. Damit lag sie über dem Steuerfreibetrag von 400.000 Euro und musste Erbschaftsteuer zahlen. Sie machte zudem den Pflegefreibetrag von 20.000 Euro geltend, doch das Finanzamt lehnte das ab. Alles half nichts, der Rechtsstreit landete schließlich vorm Bundesfinanzhof (BFH).
Die Richter fällten dann ein weitreichendes Urteil (Az. II R 37/15): Kinder, die ihre Eltern regelmäßig betreuten und über 400.000 Euro erben, können wie jeder andere auch den Pflegefreibetrag in Anspruch nehmen. Dadurch sparen sie Steuern. Und der BFH legte sogar noch einen drauf: Das Ganze kann auch rückwirkend möglich sein und sogar dann, wenn die Eltern keine Pflegestufe hatten. Damit wurde der Begriff „Pflege“ wesentlich weiter gefasst. „Sie ist die regelmäßige und dauerhafte Fürsorge für das körperliche, geistige oder seelische Wohlbefinden einer hilfsbedürftigen Person“, hieß es in der Urteilsbegründung des BFH. Im konkreten Fall hatte die Mutter sogar Pflegegeld nach der Pflegestufe III erhalten.

Was bedeutet das Urteil?

Vielleicht sagen Sie jetzt, wer erbt denn mehr als 400.000 Euro? Denn nur ab dieser Erbmasse spielt der Pflegefreibetrag überhaupt eine Rolle. Es gibt genügend Fälle, nicht umsonst spricht man heute von der Erbengeneration. Und selbst wenn es nicht so viel Bares sein sollte, kommt man mit einer geerbten Immobilie schnell über diese Grenze. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich die regelmäßige Pflege in irgendeiner Form dokumentieren lässt. Dann können Sie den Pflegefreibetrag in der Erbschafsteuererklärung abziehen – und sparen dadurch Steuern. Falls Sie unmittelbar betroffen sind, Sie aber schon die Erbschaftsteuererklärung abgeben haben, besteht trotzdem noch Hoffnung. Zum Beispiel dann, wenn der Bescheid noch offen ist oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht.

Zusammenfassung: Wer seine Eltern pflegt, kann jetzt beim Erbe nicht nur den gesetzlichen Freibetrag in Anspruch nehmen, sondern auch zusätzlich den Pflegefreibetrag.

 

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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