27.10.2017 · smart steuern ·

Jeden Monat Steuern sparen – jetzt Freibetrag beantragen

Natürlich ist es schön, wenn Sie mit der Steuererklärung viel Geld zurückbekommen. Aber: Bis Sie die Steuererstattung erhalten, vergeht Zeit – und bis dahin haben Sie quasi dem Staat einen zinsfreien Kredit eingeräumt. Es geht aber auch anders: Mit Freibeträgen können Sie dafür sorgen, dass Sie nicht erst ein Jahr später Geld vom Staat bekommen – sondern jeden Monat ein höheres Netto haben. Wie das geht und warum Sie es unbedingt noch bis zum 30. November machen sollten, erklären wir in diesem Artikel.

Zauberwort: Lohnsteuerfreibetrag

Normalerweise ist es ja so: Ihr Arbeitgeber zieht monatlich die Lohnsteuer von Ihrem Gehalt ab und überweist den Betrag an das Finanzamt. Dieser Betrag ist also eine Vorauszahlung auf Ihre Einkommensteuer, die Sie für das ganze Jahr zu zahlen haben. Sie machen dann im Folgejahr Ihre Steuererklärung – und bekommen in der Regel Geld zurück. Weil Sie zum Beispiel hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen zu tragen hatten. Bei vielen von diesen Ausgaben wissen Sie aber, dass sie regelmäßig anfallen, also auch für das nächste Jahr. Wenn das bei Ihnen so ist, sollten Sie beim Finanzamt einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung stellen. Erkennt die Behörde das an, haben Sie ab dem darauf folgenden Monat dank des Lohnsteuerfreibetrags ein höheres Netto – und das gleich für zwei Kalenderjahre. Das hört sich doch gut an.

Welche Freibeträge gibt es?

Zuerst: Hoffnungen auf eine Anerkennung der Lohnsteuer-Ermäßigung können Sie sich nur machen, wenn Ihre (potenziellen) Ausgaben mindestens 600 Euro übersteigen. Das bedeutet für die Werbungskosten, dass Sie mindestens 1.600 Euro an Aufwendungen haben müssen, da der Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 Euro in den Berechnungen der Lohnsteuer schon mit einkalkuliert ist. Aber auch diese Summe lässt sich schnell erreichen. Wer zum Beispiel einen Arbeitsweg von 25 Kilometer (einfache Strecke) hat, hat schon Werbungskosten von 1.650 Euro. Hinzu können aber auch noch viele weitere Ausgaben wie doppelte Haushaltsführung, Arbeitsmittel oder Weiterbildung kommen. Ausführlich können Sie das in diesem Blogartikel nachlesen. Einen Freibetrag können Sie aber auch erhalten, wenn Sie erhöhte Sonderausgaben wie Unterhalt an Ex-Ehepartner und Kinderbetreuungskosten haben oder außergewöhnliche Belastungen (etwa Krankheitskosten) nachweisen können. Und schließlich können Sie auch profitieren, wenn Sie zum Beispiel jemand für „haushaltsnahe Dienstleistungen“ haben und die Person auch in den nächsten Jahren regelmäßig für Sie arbeitet, etwa als Reinigungskraft.

Was müssen Sie tun – und warum unbedingt bis Ende November?

Wenn Sie anhand der Beispiele denken „Mensch, das betrifft mich ja auch“, dann sollten Sie sich das entsprechende Antragsformular aus dem Internet herunterladen und unterschrieben an das Finanzamt schicken. Achtung: es gibt zwei verschiedene Anträge: einen für den Erstantrag (Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung) und einen für Folgeanträge und einfache Fälle (Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung).
Kommen wir nun zu der Frist. Generell gilt: Wird der Antrag vom Finanzamt anerkannt, gilt der Lohnsteuerfreibetrag für den folgenden Monat – er wird in die elektronische Steuerkarte (ELStAM) eingetragen. Wenn Sie also noch im November den Antrag stellen, greift der Freibetrag schon für den Dezember. Und jetzt kommt’s: Der Freibetrag ist ein Jahresbetrag, er wird immer bis zum Ende des Jahres auf die noch vorhandenen Monate aufgeteilt. Und da nur noch der Dezember zur Verfügung steht, fließt er komplett in die Dezember-Abrechnung ein. Besonders gut ist das natürlich, wenn Sie in diesem Monat noch eine Einmalzahlung vom Arbeitgeber erwarten.
Und weil es sich mit konkreten Zahlen einfacher erklären lässt, hier noch ein Beispiel: Sie geben jetzt Ihren Antrag ab – und erhalten einen Freibetrag von 1.800 Euro. Dann wird dieser komplett in der Lohnabrechnung für Dezember berücksichtigt – und Sie haben ein deutlich höheres Netto. Ab Januar 2018 ist der Freibetrag dann monatlich 1800 : 12 = 150 Euro, was ja auch nicht zu verachten ist.

Wo ist der Haken?

Einen wirklichen Haken gibt es in der Tat nicht. Sie müssen sich eigentlich nur die Mühe machen und den Antrag rechtzeitig ausfüllen und abschicken. Informieren Sie zur Sicherheit auch Ihren Chef oder die Lohnbuchhaltung über Ihren Antrag, denn gerade Ende November kann es passieren, dass Ihr Antrag nicht so schnell bearbeitet wird. Wichtig ist aber prinzipiell nur, dass der Antrag spätestens am 30. November beim Finanzamt ist.
Und der letzte Haken ist nun überhaupt kein Haken: Wenn Sie Freibeträge haben, sind Sie verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Vorher waren Sie das zwar nicht, aber:

  1. Hätten Sie so oder so eine machen sollen, da Sie ja sonst dem Fiskus Geld schenken würden.
  2. Geht das mit unserer Online-Lösung smartsteuer besonders einfach und schnell.

 

Zusammenfassung: Jeder Arbeitnehmer kann Freibeträge beantragen und so monatlich mehr Netto vom Brutto haben. Voraussetzung sind regelmäßig höhere Aufwendungen, etwa bei den Werbungskosten.    

 

Juliane Bunte Geschrieben von:
16 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Maria M. sagt:

    Hallo, gilt das Mehr an Ausgaben auch für die Aufwendungen zur privaten Altersvorsorge oder nur für die Werbungskosten?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    es können auch erhöhte Sonderausgaben wie Kinderbetreuungskosten oder außergewöhnlichen Belastungen wie Krankheitskosten eingetragen werden. Vorsorgeaufwendungen wie die Beiträge zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wirken sich beim Freibetrag nicht aus.

  • Christoph E. sagt:

    Guten Morgen,

    ich fahre 54km (einfacher Weg) zur Arbeit. Daher möchte ich auch einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen.
    Bei 220 Tagen und 54km * 0,30€ wären das ja gute 3500€.
    Mein Problem ist, ich arbeite erst seit dem 15.7.2017. Und so wie ich es im Text verstanden habe, würde mir das Finanzamt den Freibetrag von ca. 3500€ komplett in der Lohnabrechnung für Dez 2017 berücksichtigen. Aber das wäre ja dann zuviel, da ich nur das knappe halbe Jahr gearbeitet habe. Für das kommende Jahr wären die 3500€ aber wieder korrekt.
    Kann man das im Antrag irgendwie kenntlich machen? Oder gibt es eine einfachere Lösung?
    Danke für ihre Hilfe im Voraus!

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Wenn Sie den Freibetrag nicht für das Jahr ganz berücksichtigt haben möchten, können Sie den Antrag doch für das nächste Jahr stellen.

  • AnBe sagt:

    Kann ich hier ausser den Werbekosten auch gleich die Versorgungsaufwendungen angeben du diese befreien lassen ?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    Vorsorgeaufwendungen wie die Beiträge zu Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wirken sich beim Freibetrag nicht aus.

  • Hama sagt:

    wie ziehen erst im April 2018 um. Dann hätte ich 60 km Fahrstrecke statt bis jetzt 30 km bis zur ersten Arbeitsstätte. Kann ich das denn jetzt schon bei der Lohnsteuerermäßigung berücksichtigen?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Den Betrag können Sie für die Lohnsteuer 2018 berücksichtigen.
    Wenn Sie jetzt den vollen Betrag anmelden und noch gar keine hohen Werbungskosten haben, kann das zu einer Steuernachzahlung führen.

  • Viktor77 sagt:

    Hallo!
    Ich bekomme jetzt für Dezember einen Freibetrag von ca. 4000€, da ich den Antrag im November noch für dieses Jahr gestellt habe. Die Lohnsteuer beläuft sich aber „nur“ auf ca. 400€. Was passiert mit den restlichen 3600€ Freibetrag für 2017?? Bekommt man die in der Steuererklärung wieder?
    Beste Grüße

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    ein Freibetrag wird bei der Lohnabrechnung berücksichtigt und reduziert damit die zu zahlende Lohnsteuer. Diesen bekommen Sie nicht erstattet.

  • Cornelia Jordan sagt:

    Guten Tag,
    falls man im letzten Jahr nur 10 Monate gearbeitet und dann ALG bezogen hat, auf der Lohnsteuerkarte aber bereits der Freibetrag für das ganze Jahr vermerkt und berücksichtigt wurde, muss man dann im Prinzip mit einer Steuernachzahlung rechnen? Oder ist das abhängig von Entfernung, Verdienst etc.?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Pauschal kann man das nicht beantworten, aber das Programm kann es berechnen. Das AlG 1 geben Sie dann auch an.

  • Hartmut Heering sagt:

    Gibt es einen Trick, wie man das Formular „Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung“ online ausfüllt oder geht das tatsächlich nur händisch?
    Danke und Grüße
    Hardy

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,

    hier gibt es keinen Trick, bitte füllen Sie das Formular händisch aus.

  • René Karg sagt:

    Hallo zusammen,

    ich habe einen täglichen Arbeitsweg (220 Tage im Jahr) von einfach 50km.
    Meiner Rechnung nach wären das 3300€ an Werbungskosten.
    Diese könnte ich nun als Lohnsteuer-Ermäßigung beantragen richtig?

    Bis jetzt habe ich keine Ermäßigung beantragt und meine o.g. Werbungskosten immer erst in der Steuererklärung angegeben und somit immer eine gute Rückzahlung erhalten.

    Wenn ich jetzt die Lohnsteuer-Ermäßigung beantrage und dann meine Steuererklärung mache, muss ich mit einer Nachzahlung rechnen? Oder geht das null auf null auf?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die Berechnung in der Steuererklärung ändert sich, wenn Sie Ihre Werbungskosten auf das Jahr verteilen.
    Es hängt von den weiteren Einkünften, Ausgaben und Kosten ab, ob es auch zu einer Nachzahlung kommen kann.


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