30.10.2017 · smart leben ·

Wie zeitgemäß ist der Weltspartag?

Seit mehr als 90 Jahren gibt es ihn schon: den Weltspartag. Initiiert wurde er 1924 zur Förderung des Spargedankens – von den Sparkassen in aller Welt. Das war nach den katastrophalen Folgen der Inflation Anfang der 1920er Jahre etwa in Deutschland eine gute Idee. Mittlerweile wirkt sie aber doch ein bisschen antiquiert. Das gute alte Sparbuch hat mittlerweile mehr oder weniger ausgedient, denn es wirft kaum noch Zinsen ab. Aber trotzdem kann man den heutigen Weltspartag zum Anlass nehmen, mal über das Sparen nachzudenken. Und wenn Sie alles gelesen haben, sind Sie dran: Was sind Ihre Gedanken zum Weltspartag, wie versuchen Sie zu sparen? Teilen Sie uns das und den anderen Lesern bitte als Kommentar hier im Blog oder auf Facebook mit.

Gestern und heute

Früher – und ich sage nicht, dass da alles besser war – also früher lief die Sache doch so: Man hatte einen Traum. Nicht so groß wie der Traum von Martin Luther King („I have a dream“), aber eben einen Traum. Den von einem neuen Fernseher zum Beispiel. Und dann wurde daraufhin gespart, jeden Monat etwas Geld aufs Sparbuch gepackt – bis der Traum endlich wahr werden konnte. Heute muss das keiner mehr machen. Den Fernseher werfen die Elektronikmärkte einem fast hinterher, natürlich mit 0-Prozent-Finanzierung und 36 Monaten Laufzeit. Da fällt es schon schwer, den Spargedanken weiter zu verfolgen. Banken und Sparkassen spielen in diesem Spiel aktiv mit – dass solche verlockenden Finanzierungen immer mehr Menschen in die Schuldenfalle treibt, wird dann gern vergessen. Und das wird in der Regel am Weltspartag auch eher nicht erwähnt, aber wofür haben Sie uns?

Sparen und Kinder

Für Kinder ist der Weltspartag natürlich auf den ersten Blick eine feine Sache. Es gibt von Sparkasse & Co. kleine Geschenke und bestimmt zahlen Mama oder Papa und natürlich vor allem Omas und Opas gern was in das neue Sparschwein ein. Und das Prinzip ist ja immer noch richtig: Die Kinder sollen den Umgang mit Geld lernen, dass man sich eben nicht alles kaufen kann und man sparen muss, wenn man unbedingt etwas kaufen möchte, was den Rahmen des Taschengelds sprengt. Aber zwei Sachen werden leider außer Acht gelassen:
Erstens: Die Motivation „Zinsen“ für ein langfristiges Sparen auf einem Sparbuch gibt es aktuell nicht und es ist nicht absehbar, wann sich das ändern wird.
Zweitens: Die Kinder „lernen“ immer nur, wie es früher war – also erst sparen und dann kaufen. Erst wenn Sie (fast) erwachsen sind, geht es los mit dem Kauf auf Pump. Dann aber richtig: teure Markenklamotten, Urlaub und vor allem Smartphones und Tablets. Die Folge: Immer mehr junge Menschen geraten in die Schuldenfalle – nicht nur, aber auch, weil sie den Umgang mit Geld nicht „zeitgemäß“ erlernt haben.

So zeigt die obere Statistik die Höhe der durchschnittlichen Schulden pro Bundesbürger nach Altersklassen im Jahr 2007 auf. Besonders erschreckend dabei ist, dass bereits 18 bis 19-Jährige rund 3.300 Euro Schulden haben. In der nächst älteren Gruppe (20 bis 24-Jährige) sind es sogar schon 5.000 Euro! Zudem steigt auch die Anzahl der Jugendlichen, die schon einmal Schulden hatten von Jahr zu Jahr. So waren es im Jahr 2012 noch 22 Prozent, in dem Jahr 2015 schon 31 Prozent aller Jugendlichen. In drei Jahren ist die Verschuldungsquote der 14 bis 24-Jährigen somit um neun Prozent gestiegen. In eine schuldenfreie Zukunft kann somit jeder Dritte nicht mehr schauen.

 

Eine ganz subjektive Idee

Vielleicht sollte man am Weltspartag mal drüber nachdenken, wie Kinder an die Zeit mit den verlockenden Krediten herangeführt werden könnten. Probieren Sie es vielleicht mal so: Geben Sie Ihrem Kind (nach dem es das mit dem klassischen Sparen begriffen hat) doch einen kleinen Kredit, zum Beispiel für ein Zeitschriftenabo, das es sich so sehr wünscht. Als Sicherheit haben Sie ja die regelmäßigen Taschengeldzahlungen. Erklären Sie Ihrem Kind, wie lange es dauern wird, bis es wieder Taschengeld geben würde. Ganz wichtig: Bleiben Sie in der Zeit unbedingt standhaft. Ihr Kind kann sich in der Rückzahlungsphase nichts anderes kaufen – und erfährt dabei, wie hart es sein kann mit einem Kredit.

Zwei Tipps zum Thema Sparen zum Abschluss

Erstens: Im letzten Jahr hatten wir zum Weltspartag hier im Blog von smartsteuer einen tollen Gastbeitrag zum Thema Sparen oder freisetzen: Wie man mehr Geld für den Alltag herausholen kann, ohne spürbar zu verzichten. Darin gab Franziska Luh, die Gründerin von FinGym, ganz praktische Ratschläge zum Thema „Sparen“. Immer noch sehr lesenswert!
Zweitens: Einen ganz anderen Spartipp bieten wir aus eigenem Haus. Denn mit unserer Online-Lösung smartsteuer haben Sie Ihre Steuererklärung einfach und schnell gemacht – und damit oft jede Menge Geld gespart.

In diesem Sinne: Einen schönen Weltspartag!

 

Björn Waide Geschrieben von:
ein Kommentar

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Ich sehe den Weltspartag heute etwas kritisch. Durch solche Aktionen wurden die Menschen sehr eintönig und wurden so immer mehr auf ihr geliebtes Sparbuch geprägt. Das allerdings das klassische Sparbuch angesichts der Inflation sogar ein Vermögenskiller ist wollen nur leider sehr wenige Menschen akzeptieren


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