14.11.2017 · smart steuern ·

Höhere Steuern – geringere Löhne

Es ist eine einfache Rechnung für Arbeitnehmer: Steigt die Lohnsteuer, sinkt der Nettolohn. Doch wie sieht es aus, wenn Unternehmen mehr Steuern zahlen müssen? Wer zahlt dann die Zeche, welche Auswirkungen hat das für die Mitarbeiter? Das wollten Wissenschaftler des renommierten Ifo-Instituts in München genauer wissen. Das Ergebnis ihrer Langzeitstudie: Die gestiegenen Kosten müssen die Arbeitnehmer zur Hälfte tragen! Wie die Wirtschaftsexperten darauf gekommen sind und welche Ergebnisse sie darüber hinaus vorweisen können – Sie erfahren es hier leicht verständlich.

Gewerbesteuer im Blickpunkt

Unternehmen müssen verschiedene Steuern zahlen. Meist ist der Steuersatz dabei bundeseinheitlich gleich – die Ausnahme bildet die Gewerbesteuer. Über diese bestimmen die Gemeinden in eigener Regie. Sie erhalten die Einnahmen und können auch die Höhe der Steuer über den sogenannten Hebesatz festlegen. Und der schwankt nicht nur im Bundesgebiet deutlich, viele Gemeinden erhöhen (oder senken) den Satz auch immer wieder. Die Idee der Wissenschaftler war nun: Was passiert mit den Löhnen, wenn sich die Gewerbesteuer ändert?

20 Jahre Beobachtung

Weil es eine wissenschaftliche Studie ist, haben die Experten das ganze große Rad gedreht. Als Untersuchungszeitraum wählten sie rund 20 Jahre, von 1993 bis 2012. In diesem Zeitraum stellten sie in 10.001 Gemeinden 17.999 Änderungen des Gewerbesteuersatzes fest. Dann brauchten die Wissenschaftler noch die Daten über die Lohnentwicklung in den entsprechenden Kommunen. Leider – möchte man fast meinen – gab es nicht in allen die Daten aus der Sozialversicherung, mit denen sich die Löhne und Steuern ableiten lassen.
Deshalb konnten schließlich nur 3.522 Gemeinden mit 6.802 Gewerbesteueränderungen in die Langzeitstudie einfließen. Aber das ist immer noch eine mehr als solide Datenbasis.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

Der wohl wichtigste Fakt ist, dass die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen im Durchschnitt rund 51 Prozent der gestiegenen Steuerlast tragen mussten. Das heißt also, dass bei steigendem Gewerbesteuersatz die Mitarbeiter entweder weniger verdienten – oder ihre Löhne im Vergleich zu anderen Gemeinden nur deutlich weniger anstiegen. Oder kurz gesagt: Die Gemeinden sorgen mit einem Anheben der Gewerbesteuer dafür, dass ihre Bewohner schlechter da stehen als die in anderen Kommunen.
Es zeigte sich aber auch, dass gut qualifizierte Arbeitnehmer weniger betroffen sind – ganz klar, sie finden bei schlecht werdenen Rahmenbedingungen auch woanders einen Job. Anders sieht es bei geringer qualifizierten Tätigen aus. Die werden ja eh schon schlechter bezahlt – und die Betroffenen leiden dann auch noch am stärksten unter einer höheren Gewerbesteuer. Das bedeutet auch, dass Frauen eher betroffen sind als Männer.
Ebenfalls deutlich war, dass vor allem kleine und mittlere Unternehmen unter einer höheren Gewerbesteuer leiden. So müssen etwa kleine Baufirmen wegen des Kostendrucks die Steuerlast auf ihre Angestellten abwälzen, um überhaupt überleben zu können. Größeren Firmen – dann in der Regel mit mehreren Standorten – macht eine höhere Gewerbesteuer in der Regel nicht so viel aus.

Zusammenfassung: Höhere Gewerbesteuern treffen vor allem die „Kleinen“ – Arbeitnehmer und kleine Firmen.

Juliane Bunte Geschrieben von:
2 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Bienenstich sagt:

    Das ist wenig überzeugend. Es wird ein Zusammenhang dargestellt, den man nicht nachvollziehen kann. Wo ist die Kausalität zwischen Veränderung der Gewerbesteuer und Lohnentwicklung? Dan müsste bei sinkender Gewerbesteuer ja auch der Lohn steigen.

  • Alex sagt:

    Viele „kleine“ oder „mittlere“ Unternehmen sind in Rechtsform Einzelunternehmer oder GmbH & Co. KG, wenige reinge GmbHs. Bei diesen ist die Gewerbesteuer mit dem 3,8 fachen des Messbetrages auf die persönliche Einkommensteuer anrechenbar (§ 35 EStG). Heißt: So lange der Hebesatz nicht mehr als 380% beträgt, ist die Erhöhung keinen Cent teurer für die armen Unternehmer. Selbst in Metropolen wie München oder Hamburg beträgt sie nur 490% oder 470%, tatsächliche Belastung dementsprechend nur die Differenz daraus.


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