12.12.2017 · smart steuern ·

Das ändert sich 2018 steuerlich bei Fonds

Es gibt Begriffe, die braucht eigentlich kein Mensch: InvStRefG ist wohl einer davon. Ausgeschrieben heißt das Ganze „Gesetz zur Reform der Investmentbesteuerung“, was auch nicht viel lustiger klingt. Aber: Dieses Gesetz gilt ab 1. Januar 2018 und bringt viele Veränderungen bei der Besteuerung von Fonds mit sich. Wir stellen Ihnen heute die wichtigsten vor – wie gewohnt leicht verständlich. Und vorab schon eine gute Nachricht: Vieles wird dadurch einfacher.

Kein Bestandsschutz für alte Fonds

Die wirklich ganz aufmerksamen und regelmäßigen Leser unseres Blogs erinnern sich vielleicht noch daran, dass wir darüber vor einem Jahr geschrieben haben – und zwar ausführlich unter dem Titel Alte Fonds, neue Steuern – aber erst ab 2018. Deshalb wollen wir diesen Punkt hier nur nochmal kurz abhandeln. Wer vor 2009 in einen Fond investierte, musste bisher keine Steuern auf Veräußerungsgewinne zahlen. Dieser Bestandsschutz endet aber zum 1. Januar 2018: Wer danach verkauft, zahlt Steuern. Aber rennen Sie jetzt bloß nicht los und verkaufen. Denn: Dank eines schon recht stattlichen Freibetrags von 100.000 Euro bleiben alle Verkaufsgewinne ab 2018 bis zu dieser Grenze steuerfrei. Wenn Sie zu der kleinen Zahl von Leuten gehören, die absehen können, dass sie über diese Grenze kommen könnten (gleich oder in ein paar Jahren) – übertragen Sie doch einen Teil der Fondsanteile zum Beispiel an Ihre Kinder. Da müssten Sie sich dann aber doch beeilen, denn es muss noch in diesem Jahr geschehen…

Was bringt das Gesetz allgemein?

Wir wollen Sie nicht langweilen – und kommen auch gleich zu den anderen konkreten Punkten. In aller Kürze: Früher gab es für ganz verschiedene Fonds auch ganz verschiedene Besteuerungen. Durchschauen konnten das Ottonormalsteuerzahler längst nicht mehr. Künftig werden alle Fonds nach dem gleichen Schema besteuert. Es gibt eine jährliche Pauschale, Details später. Sie müssen sich also bei Fonds keine Gedanken mehr machen, welcher vielleicht steuerlich besser ist. Steuern auf Investmentfonds berechnet ab nächstem Jahr die Bank, die das Geld ans Finanzamt überweist (es sei denn, Sie haben einen ausreichenden Freistellungsauftrag, den wir auch noch erklären). Die Steuererklärung wird dadurch für Sie einfacher, die Zeiten der großen Fragezeichen, um welche Art Fond (gerade aus dem Ausland) es sich handelt, sind vorbei. Rein theoretisch müssten Sie nicht mal mehr die Unterlagen aufheben – die Bank kümmert sich um alles. Heben Sie sie trotzdem auf, man weiß ja nie.

Die jährliche Besteuerung – mit Freibeträgen

War es bei einigen Fonds bisher so, dass diese erst bei Verkauf besteuert wurden, gilt das nun nicht mehr. Jeder Fond wird jedes Jahr besteuert, wobei es unterschiedlich hohe Freibeträge gibt und diese bereits gezahlten Steuern beim Verkauf angerechnet werden. Wir notieren hier kurz die verschiedenen Freibeträge, kümmern müssen Sie sich darum eigentlich nicht, denn das erledigt die Bank, bei der das Depot liegt. Bei Aktienfonds (mit mindestens 51 Prozent Aktien) sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Bei sogenannten Mischfonds sind es noch 15 Prozent. Höhere Freibeträge gibt es bei offenen Immobilienfonds: 60 Prozent des Gewinns sind steuerfrei und sogar 80 Prozent, wenn diese schwerpunktmäßig im Ausland liegen.

Der Sparerfreibetrag

Nicht zu vergessen: Jeder Steuerzahler hat auch noch einen Freibetrag für Kapitaleinkünfte in Höhe von 801 Euro (Ehepaare 1.602 Euro). Das heißt, erst über diesen Werten werden überhaupt Steuern fällig, danach dann 25 Prozent Abgeltungsteuer (plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer). Das kann man über die Steuererklärung machen und sich damit zu viel gezahltes Geld zurückholen – oder man erteilt der Bank einen entsprechenden Freistellungsauftrag. Dann muss man sich wirklich um nichts mehr kümmern. Zum Thema Abgeltungssteuer lesen Sie hier in ein paar Tagen auch noch ausführlicher im Steuer-ABC mit dem Buchstaben D (wie Dividenden).

Zusammenfassung: Das neue Gesetz zur Besteuerung von Investmentfonds bringt für Anleger viele Vereinfachungen mit sich. Wer einen ausreichenden Freistellungsauftrag hat, muss sich um nichts mehr kümmern.

 

Theresa Voigt Geschrieben von:
6 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • H. Hofi sagt:

    Wenn ich auf einen möglichen, jährlichen Gewinn Steuern zahlen muss, kann ich dann im Umkehrschluss einen möglichen, jährlichen Wertverlust steuerlich auch absetzen?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Verkaufen Sie einen Fonds mit Verlust oder der Wert des Fonds wird kleiner, ändert sich die Methodik der Besteuerung nicht. Über die Steuererklärung können Anleger Verluste fest­stellen und im gleichen oder in folgenden Jahren mit anderen Kapital­erträgen verrechnen lassen.

  • Schmitt sagt:

    Vielleicht eine knifflige Frage:
    Ich bin seit Beginn dieses Jahres Trader d.h. ich investiere in Devisen auf steigende oder sinkende Kurse. Meine Bank ist im europ. Ausland, so dass eine Abgeldungssteuer nicht sofort abgezogen wird und Gewinne wieder investieren kann. Das ich bei der Steuererklärung die Gewinne angeben muss ist verständlich aber wie sieht es mit Verlusten aus. Zählt für die Steuer der Tagesauszug der z. B. mit Minus endet oder die einzelnen Gewinne am Tag?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,

    haben Sie von Ihrer Bank eine Bescheinigung über Ihre Gewinne / Verluste erhalten?

  • Schmitt sagt:

    Ja, ich habe Tageskontoauszüge, welche ich natürlich als Nachweis gesammelt habe. Die Frage ist eben, wenn z.B. ein Tagesverlust zustande gekommen ist, obwohl einige Trades mit Gewinn abgeschlossen wurden, der Tagesverlust zählt oder die einzelnen Gewinntrades versteuert werden müssen.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Abend,

    die Bank wird Ihnen sehr wahrscheinlich eine Zusammenfassung über Ihre Gewinne / Verluste auf das gesamte Jahr bezogen übergeben.


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